Hessenmeister CXXII

Kassel Der Kasseler Kurt M. bemerkte 1895 auf Havannas Straßen viele "Victorias"
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Auf diesem Schiff erreichte der kurhessische Agent T. D.A. Thunderbolt Tortuga.

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Bildnachweis: Texas Team Tuschick

Von 1772 bis Castro stand in Havanna kein Holzhaus. Reisende fanden die Stadt ansehnlich, doch „unreinlich“. Frühe Tourismusexperten spekulierten auf nächtliche Effekte.

„Bei Nacht imponiert die Beleuchtung von Straßen und Plätzen“, schreibt Kurt Musashi. Er folgte dem Kasseler Abenteurer Friedrich von Zierenberg, der siebzig Jahre nach Kolumbus Kuba erreichte, dem amerikanischen Kurhessen Texas D.A. Thunderbolt, der eine Jahrhundertkehre in der kubanischen Kapitale erlebte, dem philologischen Erbsenzähler Cornelius A. L. Kammschneider, der sich zum Nachlassverwalter von Zierenbergs ursprünglich geheimen, allein für Landgraf Wilhelm IX. von Hessen-Cassel bestimmten, zumal naturkundlichen Werk aufschwang und Schauplätze der Triumphe seines Idols zu Zeiten der Windjammer abklapperte. Musashi kam dem Schwertkampfkünstler Miyamoto Musashi nach, der in Kassel ein Gastspiel gegeben hatte, als Landgraf Friedrich II. regierte und Franzosen in der Residenzstadt randalierten. Musashi trug den Namen seines japanischen Ahnen wie einen Rang. Seine Erscheinung verriet das Erbe nicht. Er war ein feister Klotz. Die innere Unbeweglichkeit war monumental. Wenig kündigte den Meister an. Doch Musashi kannte die „verschollene Fassung“ des „Buchs der fünf Ringe“. Wen erst mein Hinweis von Miyamoto Musashis Kampfkunstfibel informiert, muss die Klasse wiederholen. Allen anderen empfehle ich wiederholte Lektüre. Kurt M. besaß eine Handschrift „der verschollenen Fassung“ und hielt sich daran nach Kräften. Er übte jeden Tag, im Grunde tat er nichts anderes als in zwei, drei Techniken Vollkommenheit anzustreben.

In Havanna bestimmten „Victorias“* das Straßenbild.

*Benz Patent-Motorwagen Victoria, ab 1893

Sechstausend Fahrzeuge zählte man in der Stadt, es gab nach „amerikanischem System betriebene Tramways und Lokaleisenbahnen“, aber kein Ladenschlussgesetz. Musashi bemerkt beifällig, dass man die ganze Nacht in Markendiscountmärkten einkaufen könne. Das Personal sei ausgelassen, luftig gekleidet und zu herben Scherzen mit der Kundschaft aufgelegt.

Musashi war von schwergängiger, isolationistischer und überheblicher Art. Oft zog er die Nase kraus, wie es Schneehasen tun.

Konnte er etwas nicht, fand Musashi das auch nicht bedeutend. Auf dem von Brotfruchtbäumen und Palmen gesäumten Plaza de Armas, den er in seinem Notizbuch „Square of Arms“ nennt, lief er Mercedes in die Arme, angeblich war sie Reiseführerin mit Diplom.

„Zuerst war dies der Plaza de Iglesia,“ spulte sie. „Der Platz wurde 1520 angelegt und diente Paraden. Deshalb hieß er dann Plaza de Armas.“

Tauben schissen auf die Statue von Ferdinand VII. Heute steht an der Stelle Carlos Manuel de Céspedes y López del Castillo in Stein. Carlos erstritt die Unabhängigkeit Kubas im Kampf gegen die spanische Kolonialmacht. Als die Spanier abzogen, ließen sie Kolumbus‘ Asche zurück. Sie hatten sie im Zug der Räumung von Hispaniola 1794 nach Havanna gebracht und in einer Gruft beigesetzt.

Mercedes wollte Musashi den Cementerio wie was Ulkiges zeigen. Morgen erzähle ich euch wie weit Musashi mit Mercedes ging.

09:29 01.01.2016
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