Hessenmeister CXXIX

Kassel Obristleutnant à la suite Johann Conrad Mensing bewahrte den kurhessischen Staatsschatz vor Napoleon mit einem Husarenritt
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Bildnachweis: Texas Team Tuschick

„Wer als Gegner nichts taugt, bringt seine Freunde in Gefahr.“
Für Männer wie Grand Slam Coogan, Texas Double Action Thunderbolt, Oberstveterinär Torsten Tecumseh, Obst Fritz Ritter von Zierenberg & Niestetal, Slim „The Burner“ Zaimoglu, Obristleutnant à la suite Joe C. Mensing, der den kurhessischen Staatsschatz zu Zeiten Wilhelm I. v. Hessen-Cassel Napoleon entzog, Fährtenleser Arizona-Red, den Querulanten und Berufstrinker Louisiana-Green, Pablo Picasso, einem Flügelmann von Claudio Pizarro, dem besonderen Jäger im Dienste Friedrich II. v. Hessen-Cassel Joachim Scherf zu Mohrenhofe und CISM Schorch Bataille war das eine Binse. Die konnten sich gar nicht vorstellen, dass es Leute gab, die das nicht wussten.
Wer als Gegner nichts taugt, wird als Verbündeter zur Katastrophe.
Zur Erinnerung.
Im Herbst 1531 bezwingt Pizarro den Inka Atahualpa. Damit hat keiner gerechnet. Anders als in das Verderben vorangegangene Staatsoberhäupter (ob hier oder da in Lateinamerika) verklärt Atahualpa die Spanier nicht. Der Inka hatte sich strategisch in seine Sommerresidenz Cajamarca zurückgezogen, um „die Eroberer“ zu isolieren. Der letzte koloniale Außenposten liegt tausend Meilen hinter Pizarro.
Atahualpas mannschaftliche Überlegenheit ist erdrückend. Die Hooligans des Königs rasieren sich gegenseitig die Schädel mit ihren Streitäxten. Sie liegen vor Cajamarca auf der Lauer und warten auf ein Zeichen des gefangenen Gottes.
Sollte die Niederlage, die zu seiner Inhaftierung geführt hat, Atahualpa gebrochen haben?
Auf keinen Fall! Vielmehr möchte Atahualpa die grausame Macht und Massakerkompetenz des fremden Feldherrn für seine Zwecke nutzen. Geschütze und Pferde bedeuten eine gewaltige Aufrüstung. Aus Atahualpas Männern Reiter zu machen, ist zudem eine gewaltige Aufgabe. Diese Männer fürchten ihre Chefs und sonst nichts außer Pferden.
Darum geht es. Atahualpa erkennt die Überlegenheit des anderen an, viertausend Ausfälle haben ihn überzeugt.
Jetzt will er mit Pizarros Hilfe seine Rivalen schlachten. Das kann er seinen Leuten aber so nicht sagen. Es sind zu viele auf dem Feld geblieben, als dass man dem Gemeinen plausibel machen könnte, dass der Schlächter von gestern jetzt „unser bester Mann“ sein soll.
Atahualpas Dreschflegel und Gassenhauer verstünden sonst die Welt nicht mehr. Jeder will Pizarro kaltmachen. Was denn sonst?
Tage und Wochen im Sattel zermürben jeden Arsch. Pizarros Männer sind seit Monaten erschöpft. Sie schlafen im Stehen, es ist beschämend heiß. Man kriegt schlecht Luft. Man kommt nicht aus dem Harnisch. Das Schwert an der Seite kümmert sich um einen Haltungsschaden.
Es juckt überall, die Haut entzündet sich weiter. Die Sache ist nur im Stumpfsinn zu ertragen.
Ein Volk sucht die Nähe zu seinem Gott. Familien streben Cajamarca von überall her an. Die Pilger besetzen die Anhöhen vor der Stadt – in Erwartung einer Offenbarung.
Die Gegenseite macht ihre Angebote. Töte Atahualpa und wir legen noch was oben darauf. Atahualpa hat seinen Bruder Huàscar auf dem unbelasteten Gewissen, die Profiteure des Huàscar-Regimes wollen sich nicht von ihren Pfründen trennen. Die peruanische Nomenklatura scheint am Ende ihrer Höflichkeit angekommen zu sein.
Das interessiert Pizarro wenig. Zu den Jobs eines Eroberers gehören die Gründung von Siedlungen, die Christianisierung und Versklavung der Einheimischen so wie der Raub von allem Wertvollen.
Pizarro hat also andere Sorgen. Tag und Nacht brennen Feuer auf den Hügeln vor der Stadt. Immer mehr Königstreue kommen hinzu. Nur Atahualpas Autorität gebietet ihnen Zurückhaltung. Doch die Aufstandsbereitschaft ist eine Totalität.
Silvio Picasso aka Pablo Planterra, der mit dem Mexiko-Plünderer Cortés durch die Hölle ging und nun Pizarro den Rücken freihält, eine nach europäischem Empfinden kaum tageslichttaugliche Erscheinung nach Art der Wolfsmenschen, erinnert sich:
„Anspannung löste ein Fieber unter Christen aus. Wir wähnten uns auf einem Kreuzzug und hielten uns gerade mit dem Andenken der Märtyrer. Mancher schändete seinen christlichen Namen, indem er sich Heiden angenehm machte. Andere schlugen die Leibärzte des Inkas. Niemand gebot ihnen Einhalt.“
Atahualpa prahlt vor seinem Bezwinger, zugleich zeigt er sich unterwürfig. Er bietet Pizarro alles an, so wie er an Pizarros Stelle von einem Unterlegenen alles nehmen würde. Er kriegt noch ein Problem, da Almagro mit der Nachhut aufkreuzt.
Zweihundert Verkrätzte zu Pferde. Leute mit schlechter Laune und fürchterlichen Ausschlägen. Längst ist Cajamarca zum Gefängnis auch für die Eindringlinge geworden; ein Wunder, dass Atahualpas Krieger Diego de Almagro el Viejo durchgelassen haben.
Almagro ist ein „Bastard“ nach den Maßstäben seiner Zeit. Ledig zur Welt gekommen, abgegeben von der Mutter. Früh wird Almagro zum Trebegänger, als Trossknecht schifft er sich ein. Die Neue Welt bringt ihm Glück. Er verbündet sich mit Pizarro und ist sein größter Gegenspieler. - Ein Mann mit Ideen, die zu weit gehen, fragt man den König.
Ich sagte, Almagro verbündet sich mit Pizarro. Das ist nicht richtig. Pizarro ist Almagros Vorgesetzter.
Wir müssen uns kurz Pizarros rechtliche Stellung ansehen. Euch erscheint er als Dieb und Mörder, als Vergewaltiger ganzer Völker und Vernichter von Kulturen. Ich teile eure Sicht. Doch seine Epoche trifft Pizarro als Gouverneur von „Nueva Castilla“. In der Arbeitsplatzbeschreibung steht: Befriede und bevölkere Peru. Das ist kein Witz. Ein Sohn der „wahnsinnigen Johanna“ ist sein König (von Kastilien und Aragón) & Kaiser (des Heiligen Römischen Reiches). Der Mann heißt Karl. Erst sein Sohn wird sich König von Spanien nennen. Das erklärt die koloniale Standortbestimmung Nueva Castilla. Pizarro hat folglich einen Mordsposten, Almagro wäre auch gern Capitán general. Der Untergebene fängt unverzüglich einen Zank an, glaubt er doch, den gleichen Teil wie Pizarro von der Beute beanspruchen zu können.
Pizarro sagt njet auf Spanisch. Hinter ihm zieht Picasso Planterra blank. (Es wird noch nicht durchgeladen, auch wenn das natürlich besser käme auf der Hasta-la-vista-Arschloch-Schiene). Planterra unterstützen Gonzalo, Juan, Hernando und Francisco. Sie sind bloß nicht so schnell wie Pablo P.
Gonzalo, Juan, Hernando und Francisco sind Pizarros Brüder. Da geht eine ganze Familie auf Raubzug. Ihr zu Hand geht Hernando de Soto. Auch der Hauptmann kriegt bald Krach mit Pizarro.
Almagro ist stinksauer. Kann aber nichts machen.
Planterra schreibt: „Diego de Almagro, so genannt nach der Geburtsstadt eines Hundsfott, trug nach der Abfuhr die Würde eines geköpften Huhns durch das Inka-Kaff.“
Pizarro schickt seinem Auftraggeber das „königliche Fünftel“ vom Lösegeld, mit dem Atahualpa seine Freiheit doch nicht erkaufen kann. Dem Inka steht die Hinrichtung bevor, er hat einen hohen Preis dafür bezahlt.
Was für ein Irrsinn! Armeen stehen zu seiner Befreiung bereit. Die fittesten Typen des Reichs drehen ihre Runden um einen Schauplatz königlichen Scheiterns. Atahualpa müsste nur die Hand heben und ein Sturm bräche los. Frauen und Kinder würden die Krieger mit Haushaltsgegenständen unterstützen. Kochtöpfe und Nachtgeschirre geben klasse Wurfgeschosse ab.
Aber nichts! Erst lässt der König sein Volk plündern, um sein Leben zu retten und dann lässt er sich erdrosseln. Der Depp! Dafür erhält Pizarro 57.220 Pesos in Gold und die Thronplatte. Er wird sich auch noch rührend um Almagro kümmern. Das erzähle ich euch vielleicht noch nicht morgen.
08:36 04.01.2016
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