Hessenmeister LI

Ugly Casting auf Sansibar
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Zu unserer Gruppe zählten Burton und Speke. Burton beherrschte neunundzwanzig Sprachen und war Kenner arabischer Erotica. Man schimpfte ihn einen „Romantiker“, einen „Liebhaber der islamischen Welt“ und „hingerissenen Dilettanten“.

John Hanning Speke (1827 - 1864)

http://www.burtoniana.org/images/speke-portrait-colour-sm.png

Bildnachweis: burtoniana.org

Coogan schilderte die alle Begriffe übersteigende Grausamkeit abessinischer Herrscher. Wahllos marterten und verstümmelten sie ihre Untertanen ebenso wie andere Feinde, um die Leichen Staubpistenkötern zum Fraß vorzuwerfen.

Unsere hessischen Prinzessinnen taten Coogans Schilderungen ab als dem Wunsche zugehörend, beeindruckend zu erscheinen. Sie kannten Aufschneidereien von ihren englischen und spanischen Cousins.

Coogan erzählte weniger als die Wahrheit. Ich sage euch, der Äthiopier verspeiste das Rind bei lebendigem Leib. Das Vieh kehrte mit Löchern in den Flanken auf die Weiden zurück und wurde da zum Fest für Fliegen. Kühe verschwanden in den Wolken. Die Schwärme loopten mit dem Startsound von Tornados.

Von der Ignoranz des britischen Publikums gekränkt, hatte sich James Bruce, wir nannten ihn Bad Luck Jim, an die Kasseler Universität zurückgezogen, wo der Lehrkörper nun von Bill (William Seward Burroughs) und Jimmy (Sigmund Freud) verstärkt wurde.

Liste der Texas Ranger-Professoren aus dem Jahr 1843

Texas „Grand Slam“ Coogan, Germanist (Präsident)

Texas „Double Action“ Tuschick, Germanist (Dean)

Wilhelm „Bigfoot Bill“ Grimm, Germanist

Jacob „Crazy Jake“ Grimm, Germanist

Joseph „One Finger Joe“ Conrad, Soziologe

James „Bad Luck Jim“ Bruce, Geograph, Astrophysiker, Historiker, Linguist, Botaniker, Ornithologe, Kartograph, Feldjäger, Mediziner.

Feridun „Hardboiled Jim“ Zaimoglu, Germanist

William „Buffalo Bill“ Burroughs, Germanist

Sigmund „Jimmy the Kid“ Freud, Germanist

1857 startete eine Expedition zu den Quellen des weißen Nils, die Kasseler Universität schloss sich auf Sansibar an. Sansibar war damals ein Zentrum des Sklavenhandels.

„Zu jener Zeit lebten etwa fünftausend Araber auf Sansibar, einige besaßen nicht weniger als zweitausend Sklaven.“*

*Ich zitiere aus Nilfieber, dem 107. Band der Anderen Bibliothek. Ediert und eingeleitet von Georg Brunold.

Wir logierten beim schwarzen Osmanen Kadir Rauf Bey, dessen richtiger Name Hamed bin Juma bin Rajab bin Mohammed bin Said el-Murjebi der Welt lange verschwiegen blieb. In seiner Jugend war er mit meinem Vater unter Marshall Greg-Coogan Austin geritten, ich kannte ihn als einen Mann von äußerster Herzlichkeit und Treffsicherheit.

„Bei beinah allen Bewohnern der Insel gab es eine natürliche Neigung zu Alkohol & Drogensucht – entweder Opium oder Haschisch – und ein ganz selbstverständliches Abgleiten in die Wollust.“

Der schwarze Osmane war der größte Sklaven- und Elfenbeinhändler seiner Epoche. Sein Palast stand in einem Park. In einem Parkhaus brachten wir unsere Studentinnen unter, um sie keinen weiteren Gefahren ausgesetzt zu wissen. Nur Hauke sollte als Isabelle Eberhardt nach Art des müslüman oder musulmano mit uns in die Wildnis gehen. Hamed bin Juma bin Rajab bin Mohammed bin Said el-Murjebi bewirtete und supportete sämtliche Expeditionen, er war Vertrauter des belgischen Hand-ab-Königs und des Deutschen Reiches (in Gründung) im Rang eines Ministers für besondere Aufgaben. In Ostafrika führte an Hamed bin Juma bin Rajab bin Mohammed bin Said el-Murjebi aka Kadir Rauf Bey genannt der schwarze Osmane kein Weg vorbei. Ihm folgten zweimal zehntausend Mann, die westlich des Tanganyikasees jeden Strauch mit Zöllen belegten.

Eine so beherrschende Stellung weckte in ihrer Einmaligkeit Begehrlichkeiten. Sultane schickten ihre Heere gegen den ehrlichen Kaufmann, der selbst in seiner Uneigennützigkeit die historische Begegnung von Stanley und Livingstone

„Dr. Livingstone, I presume?“

arrangierte*.

*Siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Tippu-Tip

Zu unserer Gruppe zählten Burton und Speke. Burton beherrschte neunundzwanzig Sprachen und war Kenner arabischer Erotica. Man schimpfte ihn einen „Romantiker“, einen „Liebhaber der islamischen Welt“ und „hingerissenen Dilettanten“.

Richard Francis Burton trat 1842 in das 18. Regiment der Bombay Native Infantry ein. In den folgenden sieben Jahren lernte er Hindustani, Gujarati, Sindhi, Panjabi, Marathi und Persisch. 1849 ging Burton nach Ägypten und lernte Arabisch. Im April 1853 reiste er, verkleidet als Pilger, nach Mekka.*

*Zitiert aus Wikipedia

Richard Francis Burton im Look der Sechziger

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/8/8f/Richardburtonarabicdress.JPG/220px-Richardburtonarabicdress.JPG

Bildnachweis: Wikipedia

Speke war aus anderem Holz, ein guter Organisator und Gesundheitsfanatiker. Die beiden harmonierten wenig, Speke verhielt sich dem sehr viel gebildeteren Burton gegenüber rebellisch. Das sollte Burton zum Verhängnis werden.

„Er brauchte einen Jünger und erhielt einen Rivalen.“
Morgen mehr.

09:32 09.10.2015
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