Hessenmeister LXI

Ugly Casting auf dem Fichtelberg
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Montreux besaß die Autowerkstatt im Ort und ein paar Exemplare prächtig verzwillingter Muskovit*-Aggregate.

*Katzensilber

Die Gegend war berühmt für Katzensilber.

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Bier kam und wurde getrunken.

Die Jungen hatten sich auf gekippten Stühlen hinter ihren Knien verschanzt; ihre Sohlen wetzten die Tischkante.

Sie hätten aufs Klo gehen können. Sie gingen vor die Tür und belagerten eine Laterne im Einvernehmen. War nicht ihre Schuld, dass ein Kanake meinte vorbeieumeln zu müssen. Für ein Fest im Freien war es zu kalt. Mehr als ein gewissenhaftes Dutzend Tritte kam (perspektivisch) überhaupt nicht in Betracht. Das sollte eine normale Kriegsgeschichte werden, gut zu verbreiten in Brocken.

Kein Mensch rechnete damit, dass der Türke die Bodenlosigkeit besitzen könnte, sich von drei blauen Pfadfindern ohne Gegenwehr nicht niedermachen zu lassen. Mit einem leichten Hammer klopfte der Flüchtlingsschicksale recherchierende Schriftsteller Feridun „The Ugly“ Zaimoglu dem „Heizer“ Pit Montreux das Brett am Kopf fest. In der realistischen Annahme, dass sein Leben in den Nestern des Fichtelbergs nun erst recht nichts mehr wert war, türmte Zaimoglu. Bald hörte Montreux sen. von der Sache. Er begriff sie als Unterbrechung der Langeweile vor dem Fernseher.

Ja, von mir aus. Wenn ihr das unbedingt braucht, dann begriff er die Sache auch als Angriff auf die ländlich-sächsische Ordnung.

Montreux besaß die Autowerkstatt im Ort so wie Exemplare prächtig verzwillingter Muskovit*-Aggregate.

*Katzensilber

Die Gegend war berühmt für Katzensilber.

Montreux ließ sich den Hammermörder beschreiben.

„Der ist hässlich wie die Nacht. Den kann man gar nicht verfehlen.“

Um den Sohn in die Irre zu führen, alarmierte Montreux den fußkranken Schwager, der in den Containern nachzusehen versprach, wo die Einheimischen ihre Asylanten hielten. Seelenruhig stieg Montreux zu der ramponierten Tischtennisplatte, dem Eingemachten, der Steyr Mannlicher und dem Mosin Nagant in den Keller. Er legte gerade genussvoll auf Kirschen an, als die Alte das Flurlicht auf die Treppe fallen ließ. Montreux sah flüchtig in eine von Kummer regierte Beule.

„Was hast du vor?“ fragte sie, als ob der Mann jemals etwas Aufschlussreiches zu ihr gesagt hätte.

„Geh ins Bett, du U-hu.“

Des Gatten Gleichgültigkeit war ein Abgrund, den Lisbeth Montreux nur lächelnd überwinden konnte. Lisbeths Lächeln erzählte das Märchen von der heimlichen Überlegenheit. Montreux schob sich seinen Lieblingsdolch in den Gürtel. Er bedachte eine von Hunden gestellte Sau, die er Tage zuvor auf einer Treibjagd abgefangen* hatte. Die Treiber waren Westler oder Studenten gewesen. Man hatte sie zu keinem Schuss kommen lassen.

*Abfangen bedeutet in der Jägersprache töten ohne zu schießen. Mit einem Saufänger wollte Montreux dem Türken Zaimoglu den Rest geben.

Saufänger

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Montreux amüsierte sich noch immer über die Enttäuschung der Göttinger Korporierten, die von Forstfreunden des Erzgebirges zu Handlangern degradiert worden waren.

Montreux holte den P3 aus der Garage. Er war aufgeräumt, den Flüchtling stellte er sich wehrlos vor. Sollte der Kanake in den Wald gelaufen sein, würde er ihn kriegen.

...

Montreux sah Zaimoglu die Beine in die Hand nehmen. Erregung schnürte seine Kehle. Ihm war, als habe er einer witzlosen Wirklichkeit Ade gesagt. In Erwartung eines Ausbruchs der Beute ins Gelände, beschleunigte Montreux den Jeep.

Zaimoglu wich von der Piste. Montreux rüstete sich mit der Steyr Mannlicher und dem Handscheinwerfer und setzte die Verfolgung zu Fuß fort. Der Scheinwerfer schnitt meterhohe Luftwurzeln aus. Der Jäger krachte durch den vom Unterholz bezwungenen Bestand.

Die Fichtelberger Jagdfreunde schworen auf den P3 und einen Saufänger mit Griffschalen vom Hirschhorn.

P3

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12:24 19.10.2015
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