Hessenmeister LXXI

Kassel im Teerausch
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Du gehörst/kimmest nach Haina war eine Kasseler Umschreibung für: Du bist bekloppt. Merxhausen genoss den gleichen Ruf.

Im Zuge der Reformation löste Landgraf Philipp der Großmütige das Zisterzienserkloster Haina auf und stellte die Anlage 1533 in den Dienst der Ärmsten und Irrsten unter uns Hessen. Das "Hohe Hospital" Haina war Männersache. Für die Frauenzimmer in den Flammen der Verzweiflung stiftete Philipp das Landeshospital Merxhausen.

Haina

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Bildnachweis: aerzteblatt.de

„Armenpflege, meine Herren, war lange eine katholische Angelegenheit.“

Gouverneur Coogan äußerte sich so an einem Abend des 18. Jahrhunderts im Alten Teehaus am Elbenknick der Fulda vor der Hessen-Casselischen Gesellschaft des Ackerbaus und der freien Künste. Freilich fand Coogan bewegende Worte. In den Klöstern und ihren Spitälern waren die Armen und Irren abgespeist worden, ich erinnere an das Spital Merxhausen, oft hieß es in einer Casseler Kindheit, da kimmeste noh (da kommst du hin) so von Sinnen wie man war, da man alle Erwachsenen für Irre hielt.

Landgraf Philipp der Großmütige hatte Klöster und Stifte säkularisiert, folglich stellte sich die Frage, wohin und wozu mit den Waisen und Wirren.

Coogan explizierte den texanischen Therapieansatz. Gebt jedem ein Pferd, ein Gewehr und ein Messer und dann ab durch die Mitte nach Amerika. Da verflüchtigt sich jede Geisteskrankheit oder ist wurscht, falls sie einen nicht zum Schamanen der Apachen prädestiniert.

So klùg sprach Coogàn zur Cassèler Crème de la Crème.

Unser Coogan!

Zisterzienserkloster Haina - Das alte Dorf Haina musste der Klostergründung weichen - ein Ereignis des Jahres 1201

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Bildnachweis: Wikipedia

Die Reformation brachte es mit sich, dass man gesunde Findel- und Waisenkinder in Hospitäler tat, anstatt ihre Arbeitskraft gezielt auszubeuten. Wir trieben die Wohlfahrtspflege voran, mit der Idee, dass Armenfürsorge eine Erziehungsaufgabe war. Wer auf Wohlfahrt angewiesen war, hatte das Vermögen eines Kindes (Mündels, Unmündigen). Folglich war die Obrigkeit ihm zum Vormunde bestellt. Ab schufen wir die letzten Refugien des lebenslang sabbernden Freigangs - Tagträumen und Verrücktspielen bei freier Kost & Logis. Wir führten Disziplin und den Zwölfstundenarbeitstag für alle Bedürftigen ein. Wir gründeten (in dieser Schreibweise) das reformirte Waysen- und Armenhaus an einem Unterneustädter Rand als koedukative Einrichtung. An sie richteten wir klipp und klar einen Versorgungsauftrag. Unsere Waisen versorgten die Alten und andere unauffällig in ihren Wohnungen verwahrte, jedenfalls zu keiner Sache zu gebrauchenden Arme und Bekloppte.

Noch in den 1930/40er Jahren entdeckte man vereinzelt unbrauchbar Bekloppte in Wohnungsverstecken. Angehörige verbargen Angehörige im Widerstand gegen die öffentliche Ordnung und Wohlfahrt.

Nun, liebe Freunde des Frohsinns und der Straßenbahnen, wo kamen denn all die armen Kinder her? Sie kamen von den Soldaten, welche Casseler Zwillen (Mädchen) ins Unglück gestoßen hatten. Wir alle hatten sie in Gassen betteln oder gemeinsam mit den Irren in Spitälern hausen sehen. Sie besaßen jetzt ihr Eigenheim und zeigten mit Fleiß ihre Dankbarkeit. Davon war die Rede vor der Hessen-Casselischen Gesellschaft des Ackerbaus und der freien Künste im Alten Teehaus, das uns der geheimnisvolle Toranaga spendiert hatte.

Der in Cassel bei Hofe stationierte Elitediplomat und diplomierte Gartenfreund so wie unsterbliche Toranaga war bis zu seinem siebzehnten Lebensjahr Rōnin* gewesen.

*herrenloser Bushi/Samurai - auf sich selbst gestellter Krieger

Toranaga löste in der kurhessischen Kapitale den Tee-Wahn aus. Hochstehende Casselänerinnen kleideten und gerierten sich wie Japanerinnen.

Japanisch geliftete Prinzessinnen aus dem Hause Hessen-Elbstein zu Mohrenhofe

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Bildnachweis: straeten.org

Im weiteren Verlauf der Ereignisse ...

stellten wir eine Manufaktur zum Waisenhaus. Wir ließen die Waisen spinnen, weben, stricken und sticken. Wieder wurde das Militär wichtig – diesmal als Abnehmer von Socken etc.

Wir gewannen Gelände im Schleifweg der Festungswälle. Schon hieß es, wir ziehen hinter der Manufaktur eine Maulbeerplantage auf und steigen in die Seidenproduktion ein.

Sämtliche historischen Angaben aus "Cassel und die umliegende Gegend - Eine Skizze für Reisende"

so wie

aus diversen "Handbüchern zur Kurfürstlich Hessischen Hof- und Staatshaltung"

so wie

aus Karl Ernst Demandts "Geschichte des Landes Hessen"

Morgen mehr.

10:54 04.11.2015
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