Hessenmeister LXXIII

Kassel Am Friedrichsplatz stand das Palais Seiner Königlichen Hoheit Kurfürst Wilhelm I. von Hessen-Cassel
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Das Frontispiz des kurfürstlichen Palais war mit vier korinthischen Pilastern geziert.

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Bildnachweis: plechinger-bau.de

Die einseitige Bebauung der Bellevuestraße bot freye Aussicht nach der Orangerie, der Aue und dem Felde. Wie oft nahmen wir uns die Straße vor, um uns ihrer als Weg zum neuen Schloss Bellevue fußläufig zu bedienen. Das Schloss bestand aus dem alten Palais eines zur Regentschaft nie berufenen und bedeutungslos verschiedenen Landgrafen Friedrich und zwei weiteren kurfürstlichen Häusern, die man architektonisch zur Einheit gepresst hatte. Die dazugekommenen, den Strauß förmlich bindenden Bauten waren Quartiere für die Schlosswache und die Besatzung der Sternwarte. Eine frey stehende Communikations=Arcade zog Bewunderung auf sich. Die Arkade erlaubte den beschirmten Gang von einem Portal zum nächsten.

Man hatte Miyamoto Musashi im Schloss Bellevue untergebracht, er erschien unserem Fürsten als maßgeblicher Mann und beinah so bedeutend wie ein Prinz. Des Fürsten Garde (Berater und Steigbügelhalter – Männer von Format & Fortune) unterrichtete Miyamoto Musashi bei jedem Wetter im Schlosspark. Hauke von Salzmannshausen und Colette Peignot unternahmen es, Gedanken und Einfälle des Meisters zu eckern. Er führte sie in die Kunst des Kampfes mit Haushaltsgegenständen ein. Die Schärfe trivialer Sachen zu erkennen und zu nutzen war allenfalls weniger als ein beiläufig betriebenes Hobby. Unser Stand kettete uns an Etikette, Hauke und Colette wäre kein Blumentopf Gewinn geworden, so sie sich mit einer Forke oder zwei Essstäbchen aus einer Bredouille zu befreien gewusst hätten. Es gab Lagen im Leben, da konnten Kurhessinnen erster Güte nur noch eine Ohnmacht vorschützen.

Miyamoto Musashi fand das närrisch. Er ordnete Liegestütze und praktische Kleidung für Frauen an. Wer das Training verweigerte, wurde des Landes verwiesen. Die Begeisterung für den Japaner ließ bei den Lauen nach. Die Tüchtigen aber erkannten in einem formidablen Lehrer ihr Glück.

Gern ging Meister Musashi mit unserem jungen Volk nach der Ertüchtigung vom Schlosspark zur Oberneustadt. Da nahm den ersten Rang unter allen Bauten sowohl in Rücksicht seiner Bestimmung als seiner inneren Pracht das Palais Seiner Königlichen Hoheit ein. Es lag am nördlichen Ufer des Friedrichsplatzes. Das Palais kehrte seine Hauptfassade dem Platz zu, während die Seitenfassaden der Königs- und Karlsstraße bestaunte Begrenzungen boten.

Das Frontispiz wurde von vier korinthischen Pilastern inszeniert. Miyamoto Musashi pfiff anerkennend durch die Zähne. Hauke notierte den Pfiff. Miyamoto Musashi pfiff jedes Mal angesichts des Frontispizes durch die Zähne und jedes Mal ging der Pfiff in die Literatur ein.

Beim Eintritt in das Vestibül fand man links ein geschmackvolles Versammlungs=Zimmer, und in diesem verschiedene, sehr vortreffliche Gemälde; zum Beispiel einen Pygmalion mit der durch die Venus schon halb belebten Bildsäule der Galathée. Das war Epochentrash, die olle Kamelle vom Künstler Neo Smoke Pygmalion, der nach zig Gangbangs mit den Propoetiden die Nase vom Geschlechtsverkehr voll hat und erst in der Inklusion eine Statue schafft, die ihm wieder Lust auf Bock macht. Venus, die lange schon scharf auf Superstar Pygmalion ist, bietet ihm an, den Stein zu erweichen, falls er nur eine Nacht mit ihr verbringt. Pygi sagt okay, aber mehr läuft def. nicht. Er begeht den Fehler, ein sagenhafter Liebhaber zu sein. Zwar erfüllt Groupie Venus ihr Versprechen, macht aber jede Menge eifersüchtige Sperenzchen, während unser Held voll auf seine Galatea, französisch Galathée, eingeht und sie auch ratzfatz mit dem Paphos schwängert.

Die Szene im Versammlungszimmer S.K.H. hatte unser Hofmaler Wilhelm Böttner barockt. Böttner war ein begnadeter Ziegenhainer und Meisterschüler von J. R. Tischbein-Thunderbolt d.Ä.

Pygmalion stürzt Galatea vom Sockel

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/d/da/Pygmalion_and_Galatea_%28G%C3%A9r%C3%B4me%29_back.jpg/330px-Pygmalion_and_Galatea_%28G%C3%A9r%C3%B4me%29_back.jpg

Bildnachweis: Wikipedia

Sämtliche historischen Angaben aus "Cassel und die umliegende Gegend - Eine Skizze für Reisende"

Morgen mehr.

09:50 06.11.2015
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