Hessenmeister LXXIX

Kassel Der Griff nach den Sternen oder Auf dem Sprung zur Weltherrschaft
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Sie nannten ihn Herkules - Er war unser größter Casseler

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„Wenn Mensing führt, kommen wir immer durch.“

Die offizielle Geschichtsschreibung tilgte das Wort, schließlich hatte man den Krieg verloren und folglich kein Recht mehr auf all die großen Worte, die uns so unglücklich machen - I fear those big words which make us so unhappy (James Joyce). Hitler hatte Mensing im Mai Dreiundvierzig das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen und der Generalmajor war schroff gewesen, um seine Rührung zu verbergen. Mensing besaß die absolute Sicherheit, man sieht so etwas nicht oft; selbst als Unsterblicher nicht. Seine Ruhe übertrug sich in einem Kraftstrom auf seine Leute. Er führte eine motorisierte Infanterie-Division. Mit ihm als Kommandeur widerstand ein einziges Grenadier-Regiment dem Sturm von zwei sowjetischen Schützendivisionen und zwei mit Panzern verstärkten, motorisierten Brigaden in der Gegend von Elista. Der Russe glaubte, die „Gardedivision des Führers“ vor sich zu haben, so unheimlich erschien der Verlauf zu Ungunsten einer Übermacht.

Mensing war musikalisch und blieb an Literatur interessiert. Er zählte zu den Weltkriegsoffizieren (das bezog sich in Darstellungen bis 1945 nur auf den Ersten WK) der sich, im Tonfall der Zeit, mit 16 das EK II geholt -, zweimal die Maas bei Sedan bezwungen, der Uniform den Vorzug gegeben hatte - und, so wollte es Hitler, der einmal wieder die Schlacht von Hochkirch 1758 und also Friedrich II. beschwor:

„Das Leben taugt nur, wenn Ehre und Stolz es begleiten“

aus einem antiken Adelsgeschlecht stammte.

Das wussten Wir besser. Nach den Margen des Adels kam Mensing aus kleinsten Verhältnissen. In seiner Familie war noch keiner großartig gewesen, bis zu Johann Conrad Wilhelm Mensing (1765 - 1837) der den kurhessischen Staatsschatz vor Napoleon rettete und dafür erhoben wurde. Jener Mensing war Kind von einem Schmied in Rinteln, das immerhin zu Hessen-Cassel zählte. Man will die Mensings für ehrliche Leute halten, wohlhabend waren sie gewiss nicht. Johann Conrad floh vor der Armut zur Fahne und übte mit seinem Regiment in Amerika. Wir haben das schon erklärt, wäre es nach Philipp dem Großmütigen nicht zu einer dynastischen Teilung Hessens gekommen, spräche man heute in der hessischen Provinz Amerika Deutsch mit thüringischem Zungenschlag. Denn das Niederhessische ist ein Thüring’scher Dialekt, so wie der Thüringer froh sein kann, dass Wir ihn noch nicht annektiert haben.

Johann Conrad diente als Leihsoldat dem englischen König in Flandern, bis der Franzose ihn gefangen nahm. Gouverneur Coogan veranlasste Johanns Freilassung und brachte unseren jungen Mensing in Kassel unter. Nun ging Napoleon mit einem armierten Besuch unserer heiligen kurhessischen Kapitale in die Geschichte ein, Kurfürst Wihelm I. überstürzte sich ohne einmal Leibwäsche zum Wechseln in wilder Flucht. Coogan, Thunderbolt, Colt, Zaimoglu, Musashi, Jimmy Mensing, Jake Grimm, Conrad, Freud und Burroughs lachten sich die Bäuche bucklig. Wir bezogen das verwaiste Schloss, es ging letztlich darum, den Staatsschatz nicht in Napoleons Hände fallen zu lassen.

„Das ist ein Klacks“, dröhnte Mensing. „Ich kenne da ein Forsthaus in Grimms Walde. Dahin will ich den Schatz schaffen.“

„Well“, entgegnete Gouverneur Coogan, „sollen Wir zur Bedeckung Texas Thunderbolt und vier fantastische Reiter deinen Mensings beimengen?“

Das ist eine sehr interessante Frage. Wir werden sie euch morgen beantworten.

09:41 12.11.2015
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