Hessenmeister LXXVII

Kassel und das Lächeln der Epoche (des Jahrhundertregenten Landgraf Karl)
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Keiner konnte hochmütiger erscheinen als Seine Königliche Hoheit - Landgraf Karl von Hessen-Cassel (1654 - 1730) herrschte länger als ein halbes Jahrhundert - Hier sehen wir ihn im Kreis der Familie. Manche Anwesenden sind bereits tot zum Zeitpunkt der Bildentstehung. Philip van Dyck hat sie zum Leben erweckt - zum Leben dynastischer Gliederpuppen.

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Die Kasseler Universität fußte auf dem Collegio Carolino.
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Während des Siebenjährigen Krieges tat sich der Franzose in Kassel grob um. Wir fanden es richtig, Landgraf Friedrich II. von Hessen-Cassel nach Braunschweig zu schicken. Da ließ er sich das Carolinum zeigen und als Vorbild ans Herz legen. Wir richteten ihm ein Medico-Chirugicum ein, es ging Uns bald kein Unstudierter mehr ins Feld, um zu pfuschen.
Pfuschen ja, aber mit Titel, das war der letzte Schrei.
Das Collegium Carolinum war von Friedrichs Vater, Landgraf Karl, zum Behufe eines Kollegs und im Stil einer Ritterakademie bezweckt worden. Unser aristokratischer Nachwuchs sollte im Verein mit den Besten unseres Volkes, den untadeligen Hessen, in zweijähriger Ausbildung für die drei hohen Fakuläten Rauchen, Trinken, Huren aka Theologie, Jura, Medizin die nötige Mathematik etc. mit auf den Weg kriegen. Bevor Coogan der akademischen Sache Pfiff gab, spottete sie jeder Beschreibung.
Am liebsten trieben sich Studiosos Collegii Carolini im Reinhardswald und gewissen Randgemarkungen herum. Da lagen Wüstungen* schon lange in ritterlicher Schwermut brach- und danieder. Zerfallene Kirchen und Burgen - die Studenten gingen in Ruinen auf Sauenhatz. Sie jagten mit schrecklichen Hunden, halben Bestien, die mit dem wilden Dasein liebäugelten, sie jagten nach alter Art mit Lanzen. Sie gingen sich gegenseitig an die Gurgel in der Festlichkeit des andauernden Rausches. Bauern beschwerten sich über die juvenile Elite, Wir dachten uns doch, wer sich dem Militair widmen will, sollte zu fromm nicht sein. Das Hauen und Stechen ist nun einmal in der Welt und wer am besten haut und sticht, wird der Üblichen Vorgesetzter.
Wir ritten zum Ahlberg hin, einem von Zeit zu Zeit Lava rülpsenden Vulkan. In seinem Gebiete natterte die Esse. Man folgte ihr von Wüstung zu Wüstung, eine jede mit Urkunden gut belegt. Eisenzeitliche Wehre boten sich im Wechsel mit mittelalterlichen Burgruinen historischen Phantasien an.
*Später füllten Wir die Gegend mit Waldensern auf.
Waldenserinnen in froher Erwartung eines Herzogs
Bildnachweis: waldenser-oberweser.de
Wir hatten einen Burgmann namens Rotger, der im 12. Jahrhundert aus den Nebeln der Weserauen aufgetaucht und zum Wiedergänger geworden war.
Denk ich an Rotger in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht. Wir müssen leider sagen an dieser Stelle. Leider gibt es auch anrüchige Unsterblichkeit. Rotger besorgte einem Landgrafen nach dem nächsten die Mätressenwirtschaft, exotische Tiere/Menschen und das Opium. Der illegale Kunsthandel bot durch die Jahrhunderte Verlockungen, den unsere Regenten nicht widerstanden. Rotger schloss jeden üblen Handel ab.
Er war verheiratet mit Hilleke, auch sie eine Unsterbliche aus dem Geschlecht des geknickten Liebreizes jener Burgfrömmigkeit im Wolfsthal des Habichtswalds.Nach der ersten Jahrtausendwende ritten durchs Wolfsthal noch chattische Partisanen. Ihre Padischahs (Herzöge) hatten den Franken schon unter Karl dem Großen die Gefolgschaft verweigert. Sie waren vom Kaufunger Wald in den Habichtswald emigriert und lebten so urhessisch, dass ständig eine Schwarte krachte.
Alle historischen Spezialitäten aus "Das geheime Buch der Hessen - Band LXV", herausgegeben und betreut von Texas Double Action Thunderbolt dem Älteren, erschienen in der Krieger'schen Buchhandlung zu Cassel 1812
Morgen mehr.
09:29 10.11.2015
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