Hessenmeister LXXXIII

Kassel und sein Museum Fridericianum
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Museum Fridericianum

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Bildnachweis: Wikipedia

Der rheinländische Reiseschriftsteller Ramon de Suppé fand das Museum am Friedrichsplatz „untergebracht in einem prächtigen – wiewohl nicht ganz fehlerfreien – Gebäude“. Man machte sich mit solchen Überlieferungen bei Seiner Königlichen Hoheit, zurzeit hieß die Hoheit Wilhelm und war noch nicht lange aus dem Exil zurück, in das sie Frankreich gedrückt hatte, furchtbar unbeliebt. Der Kurfürst äußerte Unmut eines Abends im Kolloquium. Wer Cassel (womöglich in einem ausländischen* Intelligenzblatt) kritisierte, schmähte den Fürsten und war seines Lebens nicht mehr sicher. Wilhelm begriff einschlägige Maßnahmen als staatliche Notwendigkeit. Nach seiner zweiten Thronbesteigung hatte der Flüchtling zuerst die von Napoleon außer Kraft gesetzten Eisenstrafen wiederbelebt, das Restitutionsedikt schäumte vor feudaler Empörung.

*Was war nicht alles Ausland, ob man da Deutsch sprach oder nicht.

Nun lagen wieder jede Menge Leute in Ketten, an jedem Werktag rückte die Casseler Chain Gang* zur schimpflichen Fron aus; das war ein Scheppern in den Straßen der Stadt, begleitet vom Schreien der Plagen und Metzen.

In der Wahrnehmung des Volkes sah das Museum zur Altstadt hin. Erbaut worden war es in der Goldenen Zeit von 1769 bis 1779 als einem Hauptwerk des Oberbau-Directors du Ry. Die du Rys waren eine Sippe mit Success. Der Vater gab dem Sohn die Honoratiorenklinke in die Hand und so fort.

Das Museum hatte eine 290 Fuß breite Fassade, eine Fläche für neunzehn Fenster, ionische Pilaster sonderten sie voneinander. Die Pilaster waren sechsunddreißig Fuß hoch und im Durchschnitt vier Fuß gewaltig.

Du Ry d.Ä. hatte mit Schmiss und auf Effekt gebaut, inzwischen vertrat ein Enkel in Wilhelms Tabakkollegium die Interessen stolzer Einwanderer. So unartig wäre bis zum Fürsten keiner gewesen, den amtierenden du Ry auf seinen Migrationshintergrund anzusprechen.

Der Windfang des Portals maß achtzehn Fuß und stand über einer Treppe von sechs Stufen. Das Haus schilderte sich mit Buchstaben von vergoldetem Erz als „Museum Fridericianum“.

*Hanne Harz schrieb unter Pseudonym:

Nie sah ich mehr arme Teufel vor die Hunde gehen als zu Cassel.

Wilhelm I. hatte die Abstrafung von Kritikern seinem Geheimdienst zur Aufgabe gemacht und Thunderbolt an die Behördenspitze gerufen. Thunderbolt erbat die Berufung von Coogan und Zaimoglu (in Abwesenheit)* zu Geheimen Räthen.

*Zaimoglu weilte in Venedig, wo er sich als Mogul eingeschlichen hatte. Einen tadellosen Ruf verdankte er Erfolgen auf dem weiten Feld der Wirtschaftsspionage. Zaimoglu gehörte ehrenhalber zum Tabakkollegium des Kurfürsten.

Thunderbolt unterstanden drei Abteilungen Assassinen. Da war a) ein Sonderzug Texas Ranger, kühn, kompromisslos, schießwütig, kaum je nahmen sie den Finger vom Abzug, b) Meister Miyamoto Musashis lautlose Krieger (kaltblütig, sachlich) und c) die germanische Guerilla unter Bernulf. Von Bernulf haben Wir euch noch nichts erzählt. Nie setzte er einen Fuß in die Stadt. Als „Dunkeltier“, so nannten ihn seine Feinde, lebte er beinah steinzeitlich im hessischen Urwald. Wochen und Monate sonderte er sich von seinen Leuten ab, um von Erde ganz ummantelt seinen Blutdurst zu stillen.

Sie nannten ihn Bernulf - Nie setzte er einen Fuß in die Stadt

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Bildnachweis: strategie-zone.de

Morgen mehr.

09:03 16.11.2015
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