Hessenmeister XCI

Kassel zur Zeit von Túpac Yupanqui - Mit einem Lichtquell aus der neuen Reihe „Sibylle Berg und der Leserbrief als Quelle der Erheiterung“
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Túpac Yupanqui führte das Inkareich zur Blüte - Nach ihm kamen die Spanier

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/7/75/Appletons%27_Tupac_Inca_Yupanqui.jpg/150px-Appletons%27_Tupac_Inca_Yupanqui.jpg

Bildnachweis: Wikipedia

Die alten Peruaner fürchteten wenig. Jederzeit konnten sie einer Laune ihres Herrschers zum Opfer fallen. Ihre Kinder hatten rechtlich keinen anderen Status als Kriegsgefangene. Im Grunde waren sie alle Gefangene des Gott gleichen Königs und seiner von Geschwisterehen degenerierten Sippe. Daran waren sie gewöhnt, darüber rissen sie ihre Witze. Der Spaß hörte da auf, wo Pferde ins Spiel kamen.

Peruaner hatten panische Angst vor Pferden. Viele Schilderungen variieren Szenen, in denen eine Handvoll Spanier „auf schnaubenden Rossen in einen Haufen Indianer“ hinein ritten. Ich zitiere den nordhessischen Reiseschriftsteller Friedrich von Zierenberg, der „das Volk der Inka als Herrschervolk“ beschreibt. „Höhere Gesittung“ habe es Macht über „die Eingeborenen in den Hochthälern der peruanischen Anden“ erlangen lassen.

Zierenberg (1554 - 1602) war ein Kind seiner Zeit, die koloniale Perspektive steckte ihm in den Knochen. Eine „tiefstehende Menschenrasse“, die ihre Kinder „im Blute von Kriegsgefangenen“ ertränkte, Menschen verspeiste und „Thiere … und Felsen“ anbetete, war von einer „höherstehenden Rasse“, die ihre Kinder „im Blute von Kriegsgefangenen“ ertränkte, Menschen verspeiste und „Thiere … und Felsen“ anbetete (nach Zierenberg rasserechtlich einwandfrei) unterjocht worden. Die Besseren seien ursprünglich, so sagte es die Überlieferung, „weiße, bärtige Männer gewesen“.

Ihr wisst alle, was los war, damals in Peru. Das muss ich euch nicht erzählen – die Geschichte als Blutbad und dann kam Pizzaro.

Zierenberg, unser Gewährsmann, war ein vorzüglicher Reiter und Schütze. Nur konnte er sich nicht erklären, wie aus den weißen Männern solche Vogelscheuchen werden konnten, wie man sie allenthalben am Titicacasee traf. Man hört beim Lesen der Aufzeichnung, wie sich Zierenberg gedanklich am Kopf kratzt.

Da passte was nicht zusammen.

Auf Toleranz legte man keinen Wert. Expansion war Pflicht - und zwar auf beiden Seiten.

Nun wieder Lustiges aus unserer Reihe: Sibylle Berg und der Leserbrief als Quelle der Erheiterung

http://www.pro-d-tunnel.de/tl_files/bilder/leserbrief.png

Bildnachweis: pro-d-tunnel.de

So wie ein Intermezzo aus der Reihe: Iris, Jörg und ich lesen die Spon-Kolumnen von Sibylle Berg und stellen für euch die Top Ten der Leserbriefe zusammen. Siehe auch „Leserbriefe lesen I – Sibylle Berg im Stimmenrausch“.

Wir erinnern heute besonders die Leserbriefwarlords vom Stammtisch der Hutsch-Pfeifer an eine Stelle von „Tauem“ zu einem Sibylle Berg-Text, in dem es um Kinderfotos ging: Putin könne Deutschland in fünfzehn Minuten auslöschen, behauptet „Tauem“. Falls ihm die Merkel zu amerikanisch werden sollte, würde er das auch ganz bestimmt tun. Dann zählt „Tauem“ die „veralteten“ US-Waffen auf, der „Tauem“ kennt sich in den Arsenalen aus wie kein Zweiter. Das muss ein echter Experte sein. Er löschte den Beitrag gleich wieder, vermutlich war Frau Tauem entsetzt von dem Hobbykriegergeschwafel, aber das hat nichts mehr zu sagen. Mediale Spuren verweht kein Wind.

Nicht nur das mit dem Gold der Inkas zur Großmacht aufstrebende Spanien wollte mehr. Zierenberg schreibt: „Trümmer nahe dem Titicacasee weisen auf ein älteres Volk hin, das dem Geltungsdrange der Inka erlegen sein könnte. Von hier aus also verbreitete sich das Inkareich und zwang die umwohnenden Stämme unter sein Zepter. Als heilige Stadt des Sonnendienstes, welchen sie den Unterworfenen zur Pflicht machten, gründeten sie Euzco. Dreizehn Inkas sollen daselbst bis zur Ankunft der Spanier geherrscht haben. Der Inka Túpac Yupanqui zog erobernd südwärts bis zum Flusse Maule; sein Nachfolger eroberte Quito und dehnte die Reichsgrenzen über den Äquator nach Norden aus.“

Die Ausdehnung ihres Sonnenreiches war Pflicht der Inkas. Der Inka war Sohn und Stellvertreter Gottes auf Erden, Kaiser und Papst in einer Person. Die Inkawürde ging vom Vater auf den ältesten, rechtmäßigen Sohn.

Schon sind wir wieder beim nicht nachfolgefähigen Fürstennachwuchs. Auch Friedrich von Zierenberg war ein Mätressensprössling. Morgen erzähle ich euch, welcher Landgraf Zierenbergs Vater war.

08:27 25.11.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare