Hessenmeister XCIII

Kassel und die Schlacht von Punta Quemada
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Ein Gemetzel im Namen des Kreuzes

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Bildnachweis: americas-fr.com

Was vorher geschah.
November 1524 - Auf der Suche nach dem „Goldland“ stechen Pizarro und Almagro mit hundert Mann in See. Vor Ablauf des Jahres sterben zwanzig Landsknechte am Fieber. Der Rest will heim (nach Panama). Die Expedition steht unter einem ungünstigen Stern. Pizarro scheißt auf ungünstig. Er bedroht jeden Defätisten mit einem schrecklichen Tod. Einen Deserteur namens Luque lässt er mit Bluthunden verfolgen. Die Hatz findet am Heiligen Abend statt und endet mit einer Kreuzigung. Wir wissen das aus den Aufzeichnungen des nordhessischen Freibeuters Kuno Huf, der schon mit Vasco Núñez de Balboa dem Gold nachstieg. Er beschreibt Pizarros Haudegen als goldsüchtige „Blutsäufer“.
Man sei allgemein „daran gewöhnt, von einer Untat zur nächsten fortzuschreiten. Man überböte sich „im Bösen, um das Gewissen in Stumpfheit abzukühlen“.
Die Eindringlinge beruhigten sich, indem sie mordeten und sich so die Banalität der Sache vor Augen führten. In den „Eingeborenen“ sahen sie keine Menschen, sondern Wesen nach Art der Kühe und Schweine, die ihnen von Nutzen waren ohne ein Recht. Die „Eingeborenen“ waren ehrlos und konnten deshalb nicht betrogen oder beleidigt werden. Man fing sie mit Listen, Schlichen und schierer Gewalt. Ergaben sie sich nicht einfach, warf man ihnen den Widerstand vor.
Einheimische Potentaten baten die Grausamen um Waffenhilfe. Nach der spanischen Art warf man Gefangene in eine Grube und ließ sie von Hunden zerfleischen.
Die Expedition erreichte ein Dorf, wo Mais und Kakao und die Kunde von einem zwölf Tagesreisen entfernten Großreich eingestrichen wurden. Kuno berichtet von goldenen Gegenständen und Beweisen für „Menschenfresserei“. Die Leute schmückten sich mit Knochen. Sie wagten keinen Schritt, der mit ihren Geistern nicht abgesprochen gewesen wäre. Alles war Totem & Tabu. Die Eroberer wurden gebeten, eine Nachbargemeinde niederzumachen.
„Man nimmt uns in Anspruch wie fahrende Metzger“, schreibt Kuno.
Um Munition zu sparen, metzelt man mit Klingen.
Kunos Schilderungen gehen ins Detail. Er liefert Ethno-Splatter. Er beschreibt die „Beschaffenheit“ der „Eingeborenen“. Kuno ist unfähig, sich mit ihnen auf eine Stufe zu stellen.
Bei Punta Quemada stößt Almagro auf ein befestigtes Dorf. Er stürmt die Palisaden und verliert beim Angriff ein Auge. La bataille de Punta Quemada kennt als Anlass, soviel wir wissen, nur Goldgier.
„Die Zeichen von Kultur und Reichtum häufen sich“, schreibt Kuno. Die Aussicht auf Gold versetzt die Männer in einen rauschhaft-irrsinnigen Zustand. Sie übernehmen Angewohnheiten und Schmuckvorlieben der „Eingeborenen“. Zu ihrer Versorgung führen sie einen Tross mit, der Freiwillige und Gefangene zusammen setzt.
Es gibt kein Gesetz, das Pizarro einschränkt. Es gibt kein Beispiel und keine Ordnung für seinen Feldzug.
Pizarro folgt einer Spur aus Gold, Silber und Edelsteinen nach Süden. Er findet bei „Eingeborenen“ eine römische Schnellwaage, hört von einem großen König und von Palästen.
Der andalusische Lotse Bartoloméo Ruiz schließt auf.
Pizarro erforscht die Küste von Quito. Er wandert durch Wälder, in denen Affen den Ton angeben. Die Affen erscheinen seinen Männern wie „höhnende Teufel“. Riesenschlangen und Kaimane nehmen für den kleinen Hunger mit manchem Spanier vorlieb.
Morgen mehr.
20:53 28.11.2015
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