Hessenmeister XI

Ugly Casting Zaimoglu trifft Ethan Hawke bei unserer Marktführerin der Ugly Casting-Branche
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versöhnlich sei das mal mit zack, die kreatur glaubt, sie sei betrachter des superdings auf ner strecke zwischen haustür und verrichtung. gott is ne pauschalkraft und himmel und hölle sind verwandte huren: sagt die gosse oder es blackt mal sone derrickfigur heran und n kanakster der weiß was n revier fürn krauskopp bringt zischt ihm zu: ihr habt angst vor unserm sperma.

Zaimoglu/Tuschick aus der Frankfurter Rundschau vom 31. Januar 1998

meine hässlichkeit war unumstritten mich hätt man auch ins feld stellen können als dohlenscheuche …

Zaimoglu/Tuschick

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Bildnachweis. Frankfurter Rundschau/Herbert Fritz

In ihrer knistigen Art schlängelte sich Edith heran, wir saßen im Café, Edith machte mir schöne Augen.

Das verstößt zwar gegen die new style-Regeln, ich geb euch aber trotzdem die Info: Die Augen der Edith waren nämlich grün hauptsächlich, mit schiefergrauen Einschlüssen. Das waren sehr schöne Augen. Sie konnten unmöglich einer dummen Frau behilflich sein, über die Runden zu kommen.

Sie trug ein blaues Kleid mit andersblauen Motiven und gab sich fern jener Maschinenstürmerei und dem Quatsch von wegen Fahrradfahren ist Politik, mit dem Edith sonst davon ablenkte, dass sie eine Wurst in der Gewalt des irren Wanz war. Wanz war Psychopath und Disponent. Jeden Tag schrieb er ein „politisches“ Gedicht, in dem er die Demokratie und den Rechtsstaat verdammte. Mal drosch er lyrisch von links, mal von rechts auf unsere freiheitliche Grundordnung ein. Er korrespondierte mit diesen seelisch und politisch ihm nahestehenden Berliner „Stimmenrauschern“ um Max Pfeifer und Bert Papenfuß, die „Linksrassismus“ als german-pro style propagierten und Zaimoglu und mir manch üblen Streich spielten.


Hauke behauptete, Edith habe eine asthenische Persönlichkeitsstörung. Vielleicht sagte sie das aus Eifersucht, es kann doch nicht geleugnet werden, dass ich auf das Dekor des weiblichen Trauerspiels ansprach.

Es war die bloße Gestalt nicht nur, das sollt ihr wissen. Tage zuvor hatte Wanz seine Frau im Café erwischt, gerade als sie mir erklärte, dass ich ein Grund für sie sei, am Leben zu bleiben. Gleichzeitig versuchte sie Befürchtungen zu vergrößern, die ich gar nicht hatte. Alle sollten sich vor Wanz so fürchten wie sie sich fürchtete. Wanz griff nach seiner Frau, mit der er zum zweiten Mal verheiratet war. Edith gab mir mit einem Blick zu verstehen, dass sie ihre Abführung als Familienangelegenheit betrachtete. Der Mann machte Bemerkungen in meine Richtung, doch da beeilte sich Ethan Hawke, mich zu begrüßen. Er hatte die Leitung einer New Yorker Stadtteilbühne übernommen und war mit Steffi man kann schon sagen befreundet.

Ich kannte den Club der toten Dichter nicht. Ich kannte nur eine flott erzählte Geschichte von Hawke, die zu verfilmen, Wim Wenders erwogen hatte. Deshalb war Hawke in Frankfurt am Main, man wollte sich zunächst bei Steffi in ihrer Ugly Casting-Agentur treffen und den Abend dann vorn in der Engländerkneipe „Zum Willie“ nett ausklingen lassen. Die Ich-Geschichte heißt „Hin und weg“.

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Ich erzähl sie euch kurz. Bis zum Einbruch der großen Gefühle im kalten Raum jugendlicher Egomanie stand William Hardings Existenz auf dem Sockel einer erfreulichen Erscheinung und der von Skrupeln unbeschwerten Bereitschaft, aus der Erscheinung Kapital zu schlagen.

Die in einem unbefestigten Dasein selbstschwankende Mutter warnt:

„Ich sollte vorsichtig sein, weil ich ein Bluffer wäre, und es gäbe keine traurigere Gestalt auf Gottes Erden als einen gutaussehenden Bluffer.“

An schnelle Erfolge, Affären und mäßige Empfindungen gewöhnt, bringt William die Liebe außer sich.

Wie eine Strafe kommt Sarah über ihn. Sie will den Liebhaber im Kleid sehen. Man kennt das von Hemingway, doch nicht allen Männern macht das Spaß.

„Also gut“, sagte ich und versuchte … in ihr grünes Kleid zu schlüpfen.

Als der hart geprüfte Darsteller Lippenstift auflegen soll, protestiert er.

Widerstand ist zwecklos. Während William die Schwelle zur Selbstverleugnung zügig überschreitet, entzieht sich Sarah auf immer neuen Schleichwegen der emotionalen Separation.

Morgen mehr.

09:43 31.08.2015
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