Hessenmeister XL

Ugly Casting im Kız Kulesi
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Kız Kulesi - Der Mädchenturm im bayrischen Wald. Da hat der Rapunzel-Krautrock seinen Ursprung.

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Bildnachweis: Wikipedia

Die Witwe Voss sandte ihre Töchter nach dem Kasseler Markte und wenn sie nicht genug einbrachten, setzte es was. Das war gemein, wir berieten, was da zu tun sei.

„Heiratet uns“, baten die Töchter verzweifelt.

„Heiratet uns und tut uns fort von hier.“

Nun, wir hatten andere Pläne. Wir standen im Kampf gegen die Linksrassisten und wollten die jungen Frauen nicht als junge Witwen verderben lassen. Sie hätten sich dann vielleicht hergegeben an solche Prahlhälse, die weiblicher Tandsucht nichts zu wünschen übrig ließen.

Coogan und Zaimoglu unterstützten Wilhelm und Jacob Grimm. Wir setzten „am Gebrauch der Sprache“ an und füsilierten nicht Wörter aus der „zwanglosen, rohen, ungezierten sprache“. Coogan überholte die Zukunft mit seiner gesunden Freude an Ausrufen und Schallwörtern.

Rums, Bums, Autsch, Peng.

Wilhelm schrieb:

„Das weiblein sasz aber neben dem schemel mit seim zarten ärslin auf dem harten boden.“

Die Witwe Voss (das elende Weib/die brave Hausmutter) rief er „Pissblume“. Das ward ihr recht sauer, doch pfiffen wir darauf. Wilhelm und Jacob hatten noch manch anderes anstöszige Wort in ihren Hornistern.

Es traf sich eines Tages, dass wir in den dunklen Wald bei Zwehren ritten, da hörten wir Geschrei von einem Kinde. Wir stellten die Telefone lautlos und starteten die Mondraketen. So gerüstet, erreichten wir den Tanganjikasee. Der Teich lag da wie ein Sinnbild von Stille. Das Kind aber war von einem Vogel „mit dem Schnabel weggenommen“ worden.

Wir sahen uns bedenklich an, wackere Männer in der Blüte ihrer Hüte. Eine Frau trat vor uns, knickste gefällig und fasste ihren Mut zusammen. Ob wir dem Kinde Vater und Mutter sein wollten, da es für sie nun ans Sterben ginge.

„Gute Frau“, rief Wilhelm, „wir haben auch einen leibhaftigen Arzt in unserer Mitte, den ehrwürdigen Doktor Coogan von Amerika. Er will Euch wohl untersuchen. Legt Euch nur rasch ins grüne Gras (da auf die Lichtung neben dem Teich).“

„Ach nein“, schluchzte das Weib, „mir ist das Leben ganz verleidet. Geht nur, ihr braven Herren, und nehmet das Kind (den Wechselbalg/Bankert) mit Euch.“

Wir entspannten die Hähne unserer treffsicheren Büchsen, es wäre doch zu toll gewesen, die rußige Köhlerin über den Haufen zu knallen, und besprachen den Deal. Ein Hirsch kam des Weges und verlangte, dass wir seine Tochter heirateten. Da stieg Coogan auf den Baum und nahm das Kind mit nach Hause, „um es gemeinsam mit seinem Lenchen aufzuziehen“. Dem Wildling wuchsen bald Federn aus dem Kopf, deshalb hieß er Fundevogel.

Die alte Haushaltshilfe der Witwe Voss wollte den Fundevogel rupfen und braten wie er sieben Jahre alt und so ansehnlich wie ein Pfau geworden war. Die fleißige Person sagte niemandem etwas von ihrem Plan, bloß dem Lenchen, das mit dem Fundevogel verschworen war, vertraute sie die arge Absicht an.

„Kuhl“, sagte das Lenchen, indem es sich eiskalt verstellte, „ich nehme auf jeden Fall einen Schlegel und einen Flügel.“

Die listige Köchin versprach dem Lenchen einen Schlegel und einen Flügel vom Fundevogel.

In Wahrheit aber wollte die Alte dem Lenchen gar nichts abgeben und das Lenchen wollte in Wahrheit den Fundevogel vor dem Kochtopf bewahren. „Des anderen Morgens in aller Früh“ gingen Coogan, Zaimoglu, Jacob, Wilhelm und der Autor dieser Zeilen wieder in den Wald, um zu rülpsen, da sprach das Lenchen zum Fundevogel:

„Verlässt du mich nicht, so verlass ich dich nicht.“

„Ist geritzt“, antwortete der Fundevogel. „Gib mir Fünf.“

Die beiden flohen vor dem Kochtopf der furchtbaren Witwe Voss und ihrer Spießgesellin Gisela Wurmfortsatz in den Wald, wo der alte König mit seiner hochmütigen Tochter, die nichts tat als ihre Freier zu verspotten, in einem Schlosse wohnte. Der König hatte ein Woodstock nach dem anderen organisieren lassen, dass die Tochter unter die Haube kam, aber Sophia hatte an allen etwas auszusetzen. Das erzürnte den König und so sprach er:

„Der nächste Bettler, der mir das Parkett einsaut, soll dein Gemahl werden. Dann gnade dir Gott, bei mir haste nämlich verschissen.“

Der Fundevogel, der von dieser Sache überhaupt nichts wusste, kam ins Schloss, wurde für einen Bettler gehalten und mit der edlen Schabracke, die nicht kochen und nicht spinnen und nicht Körbe flechten konnte, vermählt und in einer Köhlerhütte tief im Wald vergraben. Das Lenchen, das ihm heimlich gefolgt war, wohnte dann auch da. Das waren die ersten Hippies. Sie verdienten sich in Wetzlar und Gießen „geringe Almosen“ und verhökerten Geschirr. Dazu sangen sie:

हरेकृष्णहरेकृष्णकृष्णकृष्णहरेहरे

हरेरामहरेरामरामरामहरेहरे

Hare Kṛṣṇa Hare Kṛṣṇa Kṛṣṇa Kṛṣṇa Hare Hare

Hare Rāma, Hare Rāma Rāma Rāma Hare Hare

Zitiert nach Wikipedia.

Eines Tages ritt ein Königssohn von edlem Wuchs vor die Köhlerhütte und nahm die Unfähige (zarte Jungfer) zur Sophia. Der Königssohn war verwachsen und hatte einen Klumpfuß und war deshalb recht traurig. Da sprach das Lenchen, welches als Zofe bei Hofe war:

„Gebt mir den Fundevogel zum Mann, so will Euch schon helfen.“

Die Hochzeit ging im kleinen Kreis über die Bühne …

„Frau Königin, ihr seid die Schönste im Land.“

Da hatte ihr neidisches Herz Ruhe, so gut ein neidisches Herz Ruhe haben kann.

Schneewittchen

Wörter benutzten die Brüder wie Nägel. An früher hingen sie alles, was ihnen richtig erschien. Gravität und Gier, Biedersinn und Bauernschläue. Bis zu idiomatischen Nuancen schilderte uns Jacob den Charakter eines Köhlers, wie er ihm von Odysseus dargestellt worden war. Den Köhler bestimmte man zum Wächter eines Kız Kulesi im bayrischen Wald. Er verliebte sich in jenes Rapunzel, welches von seinem königlichen Gatten in den Turm gesperrt worden war, da eine Weissagung so ging, dass es ihm keine Söhne wohl aber eine Tochter gebären würde. Deren Sohn hatte das Schicksal zum Mörder seines Großvaters bestimmt. Um sich dagegen zu versichern, hatte der König Rapunzel in den Turm getan, abgesperrt und den Köhler davor gestellt. Den Turmschlüssel aber hatte er in den Bosporus geworfen.

Rapunzel sang jeden Abend die Tiere des Waldes ins Koma. Betört von der schönen Singstimme: bat der grimmige Köhler um ein Stelldichein im Sturmstübchen.

„Wie willst du bei mir landen, du Fliegenfranz?“ fragte Rapunzel artig.

Der Köhler ging der Frage auf den Grund und fand die Lösung. Ihr kennt sie – Extensions. Kleiner Scherz. Bis Rapunzels Haupthaar von der Höhe des Gefängnisses bis zum Boden sich lockte, vergingen eher weniger als sechs Wochen. Nun wurde die Tochter gemacht, die den Sohn kriegen sollte, der …

Morgen mehr.

10:47 29.09.2015
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