Hessenmeister XXXVI

Ugly Casting in Manila
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Coogan war in der Stadt, wir trafen uns im Hessischen Hof

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Coogan

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Amok war das große Ding, Schirrmacher schickte mich, Hauke, Steffi und Edith nach Manila. Wir nannten uns Texas Team Tuschick (TTT). Die Frauen gaben mit meinem Namen an. Unser Informant war ein verfressener Eloquenzbolzen. Er markierte den vom Glauben abgefallenen kanadischen Katholiken. Er war weiter nichts als ein leergedroschener Halbfranzose.

Der Veteran verpasster Gelegenheiten nannte sich Montreal. Die großen Erregungen zogen sich vor ihm zurück. Aber nicht vor uns. Mein Team lief heiß.

Die Ghettoökonomie griff nach dem letzten Faden jedweden Stoffes, zog bis zum „humanen Schrott“ (Coogan/Marlowe) alles in die Verwertungskette. Manila griff um sich, der Landesrest war Bereitstellungsraum, ein unterversorgter Versorgungspark für die Front. Taifune zerschlugen die Peripherie in siebentausend niedergeschlagene Inseln. Oft ging nichts mehr, kein Flug, keine Fähre, kein Funk.

Montreal grub wahllos mein Team an, auf den Philippinen herrschte eine mörderische Kanaille. Ein Sinnbild ihrer feindlichen Volksferne schuf Imelda Marcos‘ Statussymbolsucht. Montreal fand Imelda scharf, die vielen Schuhe in den begehbaren Kleiderschränken wirkten sich auf seine Fantasie aus. Eines Abends kam Hauke mit der Vermutung an, Montreal könne Anthropophage sein.

Mich wunderte gar nichts. Montreal war Comic. In seinen Sprechblasen verröchelten vital-verzweifelte Lebenslaute.

Immer wieder stürzten halbfertige Häuser ein, weil man dem Beton nicht genug Zeit zum Abbinden gelassen hatte. Da die Arbeiter in den Rohbauten schliefen, wurden die Baustellen so ständig zu Massengräbern. Soldaten erzwangen in jedem Fall die Fortsetzung der Bautätigkeiten. Leichen betonierte man kurzerhand ein.

Montreal zeigte mir einen Palast und behauptete, auch jener sei eine klandestine Krypta der Ohnmächtigen. Vermutlich steckte in unseren Hotels auch nicht nur Arbeit. Manila, das war damals Animismus und Korruption. Darüber war unmittelbar nach unserer Rückkehr zu reden mit Innenminister Otto Schily, er kam extra nach Frankfurt deswegen. Keine Spur von Jetlag bei meinen Assistentinnen oder Odalisken.

Wir trafen Schily in einer Flughafen-Krypta. Er berichtete von geheimen Methoden der Verbrechensbekämpfung. Vorrangig nannte Schily die KO-Bekämpfung der Bevölkerung. Sie brächte den Rock’n’Roll in die Politik.

Schily konnte nicht zuhören, für ihn war alles organisierte Kriminalität. Deshalb brauchte die Polizei geheimdienstliche Kompetenzen.

Wem sagte er das. Mir schmeckte es nicht, meine Licence to Kill von so einer Null-Null-Schily verlängert zu kriegen. Von Steffi erfuhr ich, dass nicht nur Phil Marlowe sondern sogar Coogan und Zaimoglu in der Stadt waren. Heiß darauf, mich zu sehen. Ich ließ Schily sitzen und speedete zu einer kurzen Konferenz mit mir selbst in den nächtlichen Grüneburgpark. Wie ein pflichtbewusster Schäferhund ordnete der Park die tagsüber auseinandergelaufene Herde zu einer geschlossenen Baum/Buschfläche. Sofort kam der Palmengarten über die Siesmayerstraße und schmiegte sich an. Das ging so seit Jahrhunderten.

The sets are the medium in which the characters live that inexorably mould their actions.

Bill Burroughs

Phil kultivierte das Gehabe eines orientalischen Beaus.

„Sind sie immer noch hinter dir her?“ fragte er im Hessischen Hof.

„Ich schätze schon“, entgegnete ich.

„Diese Schweine“, schrie erst Hauke und dann Steffi wie in einer Tragödie.

Edith machte verschwiegene Handzeichen, da war was faul.

Coogan verzog den Mund wie Robert De Niro.

„Okay“, sagte er, „wir werden sehen.“

Bei einem Gast bemerkte ich diesen falschen Hitler-youth-Glanz im Gesicht. Er nahm meine Aufmerksamkeit als Gelegenheit wahr, um seine Visitenkarte zu überreichen.

Challenge Conventional Thinking

stand in der Überschrift. Das war mysteriös. Wie wollte man so Geschäfte machen? Ich bat Edith zu mir. Sie machte einen auf ungezwungen, tanzte auf meinen Schoss. Ihre Erscheinung verschwamm zwischen fiction & non-f.

Morgen mehr.

09:30 25.09.2015
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