Hessenmeister XXXVII

Ugly Casting in der Galerie Fruchtig
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"Es gab diese Waschfrauen, die ich glücklich glaubte, ihre Hände in die Seine zu tauchen" - Colette "Laure" Peignot verließ Georges Bataille wegen Coogan. Sie erlebte mit ihm, so schrieb sie, ihr tercio de muerte. Coogan äußerte sich nie in dieser Angelegenheit. Es war in ihm wohl ein Leider, dass er in Colette Peignot nicht mehr sehen konnte, als eine gutaussehende Frau, nicht sehr gesund, verstrickt in eine merkwürdige Produktion. Die sich ihm an den Hals geworfen hatte, um ihre Gefühle nicht länger durch ein Sieb pressen zu müssen. Michel Leiris kommentierte nüchtern: "Vermutlich ist überhaupt keine erotische Erregung möglich ohne das wenigstens vage Suchbild einer grenzenlosen Schönheit ... die wir degradieren möchten."

Colette Peignot

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Wieder gingen wir über die Gleise, Colette „Laure“ Peignot, Feridun „Maverick“ Zaimoglu, Jakob „The Dispatcher“ Abs, Phil „The Tiger“ Marlowe, „Grand Slam“ Coogan … Wind putzte Dreck gegen alle Ränder. Krähen salutierten auf Masten. Kaninchen vagabundierten. Überall streunten Baustoffe. So viel Angefangenes war nicht zu Ende gebracht worden.

Gras brach Stein (zur Illustration der Lehren meines Meisters). Ein Aufmarsch des Grüns (vom Ostpark her) ließ den Bahnhofsschrott links liegen.

Das Ostend ging im Brautkleid, Laure konnte nicht absehen von Coogan. Ein Bundeswehrtarnnetz hing an der Decke der Galerie Fruchtig durch. Die Galerie war Lagerhalle geblieben. Promovierte Waschbären wackelten auf einer Riesenwassermatratze. Joyce Lee Johnson kam herüber und fragte Coogan:

„Weißt du noch?“

Joyce Lee Johnson war vielleicht mit Jack Kerouac zusammen gewesen, wer wollte das schon genau wissen. Jack was known for his willingness to sleep with anything. (Dylan Foley) Wir trafen Joyce Lee in der Galerie Fruchtig, sie kannte Coogan von früher. Das passte Colette Peignot nicht.

Joyce Lee Johnson

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Bildnachweis: legacy.com

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Hinter Schwanheim lag der Flughafen wie eine geplatzte Betonblase im Wald. Seine Versorgungsstränge schnitten geometrische Muster aus der Landschaft.

Die Landschaft schien am Ende. Entlaubte Bäume, verstaubtes Gestrüpp. Ein Pulk bremste neben uns bullig ab. Angeber musterten anerkennend unsere Räder, während eine Boeing der Delta Airlines einschwebte.

Das Geräusch der auf 36km/h beschleunigten Räder machte sich in der Atmosphäre selbständig, tauchte unter den Flügelschlag tumb landender Enten und prallte zusammen mit dem Gegenwind.

Die Schaltungen krachten. Am Berger Hang gewannen wir Aussicht auf das Fechenheimer Industrierevier.

Wir prügelten die Räder zum Kamm. Wir bissen in die Lenker. Daniel fiel zurück, er war fünfzehn. Nur Wille und Scham hielten ihn im Sattel.

Frankfurt lag unter uns. Der Main trieb buddhistisch auf dem Bauch. Jenseits des Kamms lagen Felder, Flächen voll Mais und Sonnenblumen. Straßen schlossen sie im Süden und Westen ein. Im Norden buckelte der Vilbeler Wald vor dem Taunus. Nach Osten spreizte sich zersiedeltes Land, durchzogen von Schotterpisten und Teerspuren, die vielfach im Gelände abbrachen.

Hubschrauber strichen vorüber und sanken hinter Kronen. Wir legten eine Wiese aufs Kreuz, Fallobst suppte unter dem Gewicht der anti-rassistischen Kombattanten.

Daniel war unser Jüngster, ich versprach mir viel von ihm. Während für ihn alles glänzende Zukunft war, wusste ich, dass die Relation von Gewicht und Größe nie mehr so günstig sein würde wie im Augenblick. Lang war kein Faktor auf der Agenda des Lebens. Jetzt war alles da, auf das mögliche Mehr kam es überhaupt nicht an.

Nie mehr würden Daniels Gegner so wenig wissen und so schlecht eingestellt sein.

„Weiter“, sagte Micki.

Micki Tschur hatte den Spirit und die Kraft

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Bildnachweis: newamericanpaintings.com

Sie kam aus Chicago. Micki war Städelschülerin und Boxerin. Ich hatte mich von ihr filmen und fotografieren lassen und es genossen, Lustobjekt zu sein.

Morgen mehr.

11:49 26.09.2015
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