Ausgestopftes Pharaonenpaar

#Leben Schnaps lautete ihr zweiter Vorname, Selkie verkörperte die polytoxikomane High Society-Junkie*
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„There is a whole generation with a new explanation.“ Scott McKenzie/San Francisco

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„You don’t need a weatherman to know which way the wind blows.“ Bob Dylan/Subterranean Homesick Blues

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Ein Jazzzausel, für den New York eine Notwendigkeit ist, erscheint als der letzte Steher. Es gibt einen Cocktail, der heißt Glen Atepomaros, ich hörte Michelle Pfeiffer einmal sagen, das Getränk schmecke vegan. Ich glaube, sie hätte fad gesagt, wäre ihr fad eingefallen. Selkie Áfengi Vassocaletis ist keine Liebhaberin von Weichgetränken. Egal, wie sie heißen. Schnaps lautet ihr zweiter Vorname, Selkie verkörpert die polytoxikomane High Society-Junkie* wie aus dem Gesellschaftsblatt, das Tante Steinselja hält, um auf dem Laufenden zu bleiben.

Diese Geschichte gehört zum Genre des japanischen Blues, genauer, des Osaka Bōhatei. Als Erkennungsmelodie besserer Tage in Selkies Leben. Sie glaubt, über den Wolken zu schweben und ist doch nur durch den Wind. Schwer zu ertragen für die Nachbarin: Selkie als manische Sprecherin. Sie beklagt einen Totalverlust. Es ist nichts übrig von (mit Schläue) erbeutetem Reichtum. Immerhin besaß Selkies Gatte im Gefängnis noch die Kompetenz, sich ein Seil zu beschaffen. Mercury musste sich nicht an einem Laken das Genick brechen. Glen erklärte Selkie, was genau passiert, wenn sich einer aufhängt.

Ach so, Selkie brachte Mercury in den Knast und sich so um alles. Bis dahin genoss man selten schöne Aussichten und besaß lauter Goldkekse.

Selkie und Mercury wirkten an der Ostküste wie ein ausgestopftes Pharaonenpaar.

Jetzt muss Selkie sehen, wo sie bleibt.

Altmeister eines beschwipsten Lebensstils

Sie rührt die Trommel, der Tanz kann beginnen. Glen kommt als Altmeister eines beschwipsten Lebensstils an. Er rauscht auf wie ein wahnsinniger Schwan.

Glen swingt. Er war Schwarzmarkt-Magnat in Cissoni, als General Otarhus die Macht an sich zog. Im Gefolge des Putschisten beteiligte sich Glen an sogenannten Kampagnen. Man habe experimentiert und aus Mafiafilmen gelernt.

Glen prahlt mit seiner Nähe zum Potentaten.

Minne auf amerikanisch

Selkie zieht allein weiter. In Austin, Texas, wird sie die Geliebte eines weiblichen Vampirs. Shauna behauptet, zu William Wallace’ Zeiten (1270 – 1305) in einer schottischen Burg geboren worden zu sein. Ihre geistige Spannweite ist nicht abzumessen. Die Weltliteratur seit Boccaccio und Dante Alighieri hat sie als Kleinigkeit für die Westentasche parat. Ja, Shauna trägt Westernwesten, mexikanische Stiefel und Stetson. Sie liebt Saitenspielzeuge, am liebsten spielt Shauna Bluesrock a la Stevie Ray. Vaughan scheint ein Vampirfavorit zu sein. Einmal holt Lance Lopez Shauna auf die Bühne in einem Club am East Riverside Drive – Antone’s. Bestimmt kennt ihr den Laden, Lance serviert Shauna seine Gitarre. „The Killer Guitar from Texas“ übergibt das Instrument mit den Homeboy-Worten: „Blood in, blood out.“ So geht Minne auf amerikanisch.

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In Shaunas Sphäre verträgt sich Rost mit Großartigkeit. Erosion, soweit das Auge reicht. Shauna lebt in einer extrem vergammelten Gegend. Sterbliche sind da so schlechten Blutes, dass sich Shauna auf die Elev:innen einer Rodeo Akademie am Rand ihres Ghettos kapriziert. Sie bildet Selkie zur Assistentin aus. Shauna hat lange nach einer Frau wie Selkie gesucht; so frei von Skrupel und auf die einfachste Weise zufrieden zu stellen.

Geld spielt keine Rolle, wenn man Zeit für die Ewigkeit hat. Allerdings hat Shauna die Ewigkeit satt.

Gleich mehr.

04:55 01.06.2021
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