Im Tau seiner Tage

#Leben Der Liebreiz geraspelter Hornhaut begleitete ihre Auftritte.
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Irgendwo erzählt Gert Voss folgenden Peymann-Riemen. Im Tau seiner Hochzeit macht der große Mann eine große Sache daraus, wer den Papagei in ...

„Immanuel Kant ist ein Theaterstück des österreichischen Schriftstellers Thomas Bernhard aus dem Jahr 1978. Die Uraufführung fand am 15. April 1978 unter der Regie von Claus Peymann im Staatstheater Stuttgart statt.“ Wikipedia

... spielen soll. Er gibt dem Eindruck Raum, das sei eine tragende Rolle, obwohl vom Papagei nichts zu sehen ist. Der Vogel existiert nur als Idee oder Präparat in einer Voliere. Der Schauspieler agiert für das Publikum unsichtbar krätzend und nachplappernd. Voss langweilt sich schrecklich auf den Proben. Er liest das Textbuch, das so wenig für ihn übrig hat. Er entdeckt die Regieanweisung: Papapei schläft. Der Papagei schläft zwanzig Seiten lang. Voss kontrolliert, wie lange Peymann als Probenzampano für eine Seite braucht. Er kommt auf einundeinhalb Stunden. Zwanzig mal einundeinhalb Stunden hat Voss als Vogel keinen Text. In Absprache mit einem Regieassistenten entbindet sich Voss selbst von der nächsten Probe. Der freie Tage nimmt Fahrt Richtung Vormittag auf, da klingelt das Telefon. Der Assistent erklärt sich vom Meister aus der Fassung gedreht. Peymann tobe. Voss müsse sofort antanzen. Der Schauspieler astet ins Theater und sucht sein Heil in der Vorwärtsverteidigung: Hör mal Claus, der Papagei schläft heute den ganzen Tag. Ich habe also keinen Text. Peymann kontert: Das könne Voss gar nicht wissen.

Vielleicht spricht der Papagei im Schlaf.“

Eingebetteter Medieninhalt

Von Stuttgart in den 1970er Jahren nach New York um das Jahr 2000 ...

Sie ist die Französin auf den Spuren desEnglishman in New York. Sobald Esther-Shira Mingwei mit ihrer Mutter telefoniert, hört und sieht man wie jung und angreifbar sie ist. Als ihr „S̄ingto“ wegen einer hormonellen Überschwemmung kurz vor dem Petite mort völlig weggetretenje t’aimerülpst, fühlt Esther-Shira die Wahrheit einer großen Liebe. Maman ruft die Theater machende Tochter zur Ordnung. Mit dem diskreten Charme der Bourgeoisie rät die Erfahrene zu reserviertem Verhalten.

Esther-Shira findet ihren S̄ingto so niedlich, dass sie ihn zu ihrem ständigen Betthasen machen möchte. Doch der mysteriöse Intendant verbirgt hinter der Maske eines mäßig zugänglichen Zeitgenossen einen abgefeimten Durchstecher mit Gonorrhoe. Er ist weder wählerisch noch kann er widerstehen. S̄ingto pendelt zwischen Bett, Bar und Bühne, bis auch der die dümmste Beobachterin begriffen hat, dass sein Engagement elender Stumpfsinn ist. Ich kapiere nicht, warum Esther-Shira auf S̄ingto abfährt. Dieser Dumpfschwanz ist noch abgef***er als es drittklassige Theatermacher*innen nach der Regel sind. Sein Haus stinkt wie eine Turnhalle. Seine Schauspielerinnen tragen alle etwas Fürchterliches in sich herum. Der Liebreiz geraspelter Hornhaut begleitet ihre Auftritte. Lächerlich sind sie in den Spiegeln der Zeit.

S̄ingto beweist Esther-Shira seine seelische Insolvenz jeden Tag. Ich glaube, sie braucht ihn für ihr Unglück. Um nicht aus der Rolle einer Libertin zu fallen, lässt sie sich kurz auf die Fotografin Lima Pia-Tao ein. Lima soll sie beißen und beißt zu fest. Undsoweiter.

„Is it my imagination/or have I finally found something worth living for? I was looking for some action/but all I found was cigarettes and alcohol.“ Oasis

10:14 21.02.2021
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