In der Bundesliga der toten Dichter

Wolfgang Welt Zum Tod des Schriftstellers Wolfgang Welt
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

„Die Gegend hier hat mich kaputt gemacht, jetzt bleibe ich so lange hier, bis man der Gegend was davon anmerkt.“ Diese Feststellung von Herbert Achternbusch könnte man dem Werk des Püttgenies Wolfgang Welt als Motto voranstellen. Der manische Aufschreiber von allem, was in Bochum noch nach Zeche, Stutzen, Tchibo und dem Tollenschmalz der 1950er Jahre roch, las einmal im Frankfurter Gasthaus „Klabunt“ aus seinen, endlich bei Suhrkamp verlegten, unter dem Titel „Buddy Holly auf der Wilhelmshöhe“ gesammelten Werken. Seine bestürzende Idyllenmalerei löste Gelächter aus. Dabei kam Welts Komik aus sturem Würdigungseifer. Der Autor bedauerte, nicht wie Simmel schreiben zu können. Er kalkulierte den geringen Preis für die Verachtung des Bestsellerproduzenten. Er adelte den Alltag mit unironischer Aufmerksamkeit. Das erschien dem Zuhörer/Leser zum Schreien absurd.

Welt „wollte einigen Leuten ein Denkmal setzen, die sonst noch nicht mal einen Grabstein bekämen“. Nach der Lesung wechselten wir ein paar Worte, Welt war mit meiner Wahrnehmung seiner Sachen einverstanden. Seine große Zeit hatte er als Rock´n´Rollreporter und Marabo-Redakteur in den Siebzigerjahren gehabt. Alle Ausflüge in die weite Welt waren von Wolfgang im nie aufgegebenen Schleiflack des Elternhauses beendet worden. Nun ist die Ära seiner Zirkelprominenz endgültig vorbei. Vermutlich hätte er das selbst so formulieren: Nach fünfzig Jahren Kreisklasse angekommen in der Bundesliga der toten Dichter.

22:23 20.06.2016
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare 1