Kaltes Fegefeuer

#Leben Für jedes Mündel bekam der „alte Kühlschrank“ einen Batzen
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Überall schreibt sie ihren Namen hin oder ritzt ihn ein. Gedichte entstehen im Vorübergehen. Das sind kleine Wackelreime zuerst. Nach einer Razzia im Schlafsaal des Kinderheims brennt der lyrische Mehrwert des frühen Unglücks im kalten Fegefeuer vereister Nonnen. Den „stinkenden Krähen“ folgt ein „alter Kühlschrank“ als Ziehmutter. Fionna Cumhaill unterstellt der Fürsorgerin (mit einem Stall voller „Heimrotz“; für jedes Mündel bekommt sie einen Batzen) eine delikthafte Gleichgültigkeit. Das Mädchen flieht, wird aufgegriffen und flieht wieder, bis man sie laufen lässt. In der Hügelheide von Almu im County Kildare mischt sie sich unter Fischfabrikarbeiterinnen und macht sich da unauffällig.

Der Tod schiebt Akkordschichten. Seine alltäglichste Beute strömt durch Klingen. In der Manier eines Mobs (lebenswütig und aufgestachelt zusammengelaufene) Frauen schlachten den Fisch wie im Rausch ab. Fionna salbt die Ernte mit Salz, in Szenen wie von Sergei Eisenstein. Die Nächte sind im Flutlicht taghell. Ein Mundschenk flößt Schnaps ein. Der Schnaps heißt Fear Fiadhaich. Die Abläufe geben keiner Unterbrechung Raum.

Die Fische sind Giganten ihrer Art.

Fionna stößt sich, wo sie steht und geht. Nichts passt, alles klemmt. Fionna fehlen Voraussetzungen zur Sesshaftigkeit. Ab 1967 nomadisiert sie in Europa.

Gleich mehr.

05:58 31.05.2021
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