Kluge Köpfe rollen nicht

John F. Kennedy Keine Geliebte des Präsidenten war schöner als Judith Campbell. Salvatore „Momo“ Giancana legte sie JFK ins Bett.
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Salvatore „Momo“ Giancana platzierte seine Geliebte Judith Campbell im Weißen Haus. Sie war so schön, dass keinem auffiel, dass sie von Büroarbeit nichts verstand. Momo setzte Judith dem Präsidenten auf den Schoss. Für ihn war John F. Kennedy nur ein Sohn des Mannes, dem er als Chauffeur, Leibwächter und Schnapsfahrer in den Zeiten der Prohibition gedient hatte. Momo war ein echtes Straßenkind, aufgewachsen in Banden. Die Kapos der Patrone hatten ihn herangezogen, eingeweiht und ausgebildet. Er war allen über den Kopf gewachsen.

Joseph Patrick „Joe“ Kennedy und Salvatore „Momo“ Giancana einte der katholische Glaube, eine „schwarze Abstammung“, irisch hier, sizilianisch da, und das Wissen, dass manche gleicher sind als der Rest und man sehr wohl über dem Gesetz komfortabel stehen kann. Der alte Kennedy hatte den junge Momo geführt. Nun wollte der Cosa Nostra Boss die Fäden ziehen, an denen John Fitz hing. Im kleinen Kreis nannte er ihn die Puppe und machte sich lustig über ihre Sexsucht. JFK kriegte Kopfschmerzen, wenn er nicht dreimal am Tag zu einem flüchtigen Vergnügen kam. Sein politischer Elan stockte ohne fremdgängerischen Sex. Vier Sekretärinnen garantierten die Grundversorgung. Judith kam als Praktikantin dazu. Es gab ein halbes Dutzend Freiwilliger mehr. Ein Mann namens David Powers bezahlte zudem Callgirls aus eigener Tasche, nur für das Vergnügen, sie JFK zuführen zu dürfen. Georges Simenon erklärte diese Hypertrophie mit unstillbarem Erkenntnishunger. Vermutlich ist es banaler. Überall da, wo man sich selbst gegenüber nicht frei ist, greift die Unfreiheit häckselnd um sich.

JFK selbst führte sein Abgrundwissen als Motiv für die „Lebenslust“ an. Der atomare Schrecken war noch jung und wurde heftiger gefühlt als heute. Das war ein weiterer Sündenfall: die Menschheit konnte sich selbst auslöschen. JFK saß am Drücker. Auf der anderen Seite des Weltgeschehens machte Chruschtschow Politik, indem er einen Schuh auf einen Tisch der UNO drosch.

Ron Sharp, siehe https://www.freitag.de/autoren/jamal-tuschick/clusterfuck-ddr, erinnert an eine allgemeine Unsicherheit und Fröhlichkeit. Sharp war damals Hauptstadtjournalist. Die Presse dichtete das Privatleben des Präsidenten ab. Man war im selben Golden Boy Club, teilte die Vorlieben und Abneigungen und hätte vor Scheinheiligkeit umkommen müssen, wenn JFK ein Verhalten zur Last gelegt worden wäre, das man selbst an den Tag legte. Als JFK eine Referentin schwängerte, wurde ihr Verlobter zur umgehenden Eheschließung und väterlichen Anerkennung des Kindes überredet. Im Weiteren holte JFK wichtige Nachrichtenmänner in seine Mannschaft.

Das FBI widerstand der Krähenpolitik. Es spähte JFK bereits in den Neunzehnhundertvierzigerjahren aus, als er die Dänin Inga Arvad favorisierte, die bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin ein persönlicher Gast Adolf Hitlers gewesen war und in dem Verdacht stand, für Deutschland zu spionieren.

JFK fand Inga Aryad perfekt und beispielhaft für eine nordische Schönheit.

Nicht alle Freundinnen des Präsidenten kamen lebend davon. Die mit dem CIA Agenten Cord Meyer verheiratete Schriftstellerin Mary Pinchot Meyer, manche Quellen nennen sie Referentin oder Kuratorin, starb 1964 unter ungeklärten Umständen. Sharp ist sich sicher, dass Momo sie abräumen ließ, wie man damals in seinen Kreisen sagte. Momo Giancana scheiterte 1959 beim Abräumen Fidel Castros; man sagt leichthin im Auftrag der CIA. In Wahrheit war die CIA und die Cosa Nostra in einem Verein assoziiert. Man traf sich in Chicago und investierte in angenehme Politiker so wie in diesen Senator von Massachusetts aus dem Haus von Momos Mentor. Momo war seiner Affären zum Trotz ein biederer Ehemann. In der Cosa Nostra gelangte niemand nach oben, dem ein liederlicher Lebenswandel vorgehalten werden konnte.

Momo fand JFK haltlos. Er sagte: In ihm wüten Kräfte, aber stark ist er nicht. Der Gangster fand zu solchen Einsichten ohne Schulbildung. Man muss sich das klar machen. Wäre Momos Rechnung aufgegangen, hätte die Cosa Nostra Zugang zu Atomwaffen bekommen. Sie hätte die Möglichkeit gehabt, ihre Geschäfte auf der Grundlage der Monroe Doktrin und des Antikommunismus im großen Stil eines Staatsapparats abzuwickeln. - Und das alles nur, weil Momo die Eier des Präsidenten schaukeln ließ.

Morgen mehr.

18:41 07.04.2018
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