Kombattant im Kulturkampf LVII

Feridun Zaimoglu las bei Gerkan daheim
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Was unterscheidet eine friesische Hochzeit von einer friesischen Beerdigung? - Bei der Beerdigung ist ein Besoffener weniger dabei.“

Gerkan war in Norden an der Küste aufgewachsen, in einer einer-gegen-alle-Konstellation. Allein unter riesigen Fischköpfen war die Schulbibliothek zur Zuflucht geworden. Gerkan entging den Schwärmen ferner ins Training. Er wurde gut genug, um den Besten einer Goldenen Ära nahe zu kommen. Seine Götter hießen Christian Schwarzer, dahin gehen, wo es wehtut

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Stefan Kretzschmar, Volker Zerbe, Klaus-Dieter Petersen. Gerkan betete ihre Rekorde herunter. Er memorierte Spielzüge. Gerkan hatte sich als Kind hinter einer Mauer aus Handballbegeisterung versteckt. Er war nun Arzt und hörte gern Kiezgeräusche. In einer Gegend für Ausgegrenzte ließ Gerkan es sich gut gehen. Zur häuslichen Weitläufigkeit gehörte ein Panoramablick aufs Elend, das im richtigen Abstand wie der allerschönste Trubel erschien. Man sah buchstäblich herab auf die Emanationen und die Protagonisten der Sucht, und ich kann euch sagen, Gerkans Schadenfreude bestand auf einen besonderen Logenplatz.

Ja, Gerkan hatte alles richtig gemacht, aber „den Kanaken konnte er sich nimmer aus der Fresse wischen“ (Feridun Zaimoglu) – und das nagte. Er hatte einen weißen Beruf, eine weiße Frau, eine weiße Wohnung, eine Garage und ungefähr zweihundert Kochbücher. Er war in einem Kulturausschuss der FDP. Im Flur wartete ein Kinderwagen auf die Dinge, die da kommen mochten. Doch half das alles nicht.

Gerkan sagte „meine Frau“, war aber mit Antje vorsichtshalber nicht verheiratet. Das Paar hatte eine Denkmalschutzkommission eingerichtet, zur Bewahrung „der schönen Momente“.

Schatz, ist das nicht schön!“

Schatz, guck doch mal!“

Schatz! Herrgott noch mal!“

Was ist denn, Schatz!“

Einvernehmlich fand das Paar die slumige Umgebung ideal für eine szenische Doppellesung mit Feridun & Zaimoglu und kaltem Kaffee - schonend angebaut in künstlichen Paradiesen. Gerkan beging so seinen dreißigsten Geburtstag. Am vorläufigen Ende der Erregungen belebten nur noch Verstrahlte den Schauplatz.

Da war der lustvoll infantile Joystick-Junkie mit geringer Körperspannung. Er bewegte ein Kinderfahrzeug. Eine Reisekauffrau schwelgte in Ausrottungsfantasien. Wer ihren Geschmack nicht traf, war des Todes. Dabei erwirtschaftete sie einen Geschmacksvorsprung bis weit über den Balkon hinaus.

Ein bereits Verabschiedeter kehrte mit Blut am Ärmel zurück. Er berichtete von einem verwundeten Afrikaner auf der Straße.

Das warst du doch“, behauptete Gerkan. „Den hast du fertiggemacht.“

Ich dachte, du bist Arzt. Das muss dich interessieren. Du stehst unter Eid.“
„Ich kann an meinem Geburtstag kein Blut sehen“, erklärte Gerkan.

Wir alle denken Neger und sagen doch etwas anderes“, sagte Antje und gab generös die Hand ans Kinn. Zweifellos träumte sie von einer Familie. Prinzipiell passten Antjes Träume zu Gerkans Plänen, nur sollte der Vater ihrer Nachkommen gesünder und stabiler sein als dieses hochgradige Gastarbeiterkind.

Joysticker bestand auf dem Recht des überlegenen Raubtiers. Bloß keine negative Selektion; er stand kurz vor dem Abflug nach …, wo ein Riesengeschäft zum Abschluss gebracht werden musste.

Zaimoglu wählte den Notruf. Er war Praktiker, den Fransen seiner Erscheinung zum Trotz. Er half, wo er konnte. Antje verdrehte die Augen - wie langweilig war das denn.

Morgen mehr.

06:34 25.07.2015
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