Kombattant im Kulturkampf LXXVI

Feridun Zaimoglu im Gespräch mit Doktor Schiwago und Professor Grzimek
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Ein Siamang, der sprechen kann, ist keine Kleinigkeit. Die Kanakster All Stars gingen gern in den Zoo, wo Zaimoglu die jüngsten Forschungsergebnisse vortrug.

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Bildnachweis: Wikipedia

Im Affenhaus herrschte Ruhe. Ein Mantelpavian lag mächtig vor dem Gitter. Hinter ihm hielten sich zwei junge Tiere, desolat und regungslos. Die Nordend Kanakster Lauf- und Literaturgruppe im Zoo - Frieda (Murats neue Freundin) hielt die Einführung, zwischen Murat und Hala glühte etwas nach. Die beiden hatten ihre Zeit gehabt. Sie hatten sich geprägt, für sie würde die NKLuLg einmal das sein, was für mich Holgers Rasenkraftsportgruppe und Meister Tung gewesen waren. Quellen der Kraft. Lebensstilentscheidungshilfen. Andere gingen nachmittags ins Café und zogen nachts von Bar zu Bar, unsere NKLuLgler schliefen nachts. Die Geschichte des Frankfurter Zoos mochte einen jungen Menschen dahin führen, über Völkerschauen zu forschen. So jemand war dann für die Straße verloren, er hatte ein vernünftiges Ziel und Kanak-A-Movement wieder einen mehr in Academia. In einer Käfigecke summte ein Männchen, dessen Putz an eine geglättete Einfach-Ausführung der Löwenmähne denken ließ, mit einer, die ihre Stirn auf seiner Brust entspannte. Plötzlich schoss ein Winzling aus der Trutzburg dieser Umarmung.

Diese Art der Tierhaltung würde bald strafbar - und mit Massentierhaltung in Legebatterien in einen Zusammenhang gebracht werden. Nachkommende würden fragen: Was habt ihr gewusst?

Der Winzling wirkte kahl, trotz vollständiger Behaarung. Er bot dem Kindchenschema ein Beispiel.

Wie ein Sinnbild der Trauer: ein ruhender Siamang.

Vier aus den Baumkronen eines Regenwaldes gefallene Geoffroys Klammeraffen bildeten ein Knäuel. Ihre Augen waren blitzblau. Die Köpfe steckten zwischen den Knien. Die Schwänze rahmten die Füße.

Mäuse sausten über Futterinseln. Ein Geoffroy hob das Haupt. Ein Interesse erlosch augenblicklich. Ein Solist beanspruchte den höchsten Punkt des Klettergerüsts. Um da zu dösen.

Wie ein verkleideter Mensch erschien ein kleiner Gorilla. Einer Bekannten tappte er ins Gesicht. Er setzte sich und kaute Pappe. Er zog mit den Zähnen Rinde von einem Ast.

„Sieht aus, als würde er Querflöte spielen“, sagte Frieda.

Unsere Kanakster waren still vor Erstaunen über das solide Familienleben der Gefangenen. Indem jeder für sich seine Vergleiche zog, wurde jeder der eigenen Angebundenheit gewahr. Was würde aus den jungen Leuten werden? Schließlich konnten sie nicht ewig studieren und an meinen Rockschößen hängen.

Es schien nur noch Eingeschlossene zu geben. Von der Gruppe separiert, ruhte ein Silberrücken. Frieda verglich seine Handflächen mit Lackbeuteln. Manchmal hob er ein Lid, so langsam, als sei das im Prinzip schon zu viel, und maß die Kanakster mit einem Ausdruck ganz und gar menschlicher Verständnislosigkeit. (Frieda drückte sich so aus.)

Ein hagerer Orang-Utan führte die Hand an den Nacken und zauste sich ein wenig.

Frieda sagte. „Bestimmt könnte ich mit ihm leichter Freund sein als mit den meisten Menschen.“

Murat suchte Anschluss, Frieda war angeblich seine Freundin, sie ließ ihn abfahren. Ihr gefiel die herausgehobene Rolle der empfindungsstarken Gruppensprecherin (mit einer ethnischen Differenz zu unserer Mehrheit). Vor dem Affenhaus standen Kraniche im Gras. Die Natur als Seidenmalerin. Grau war die Luft, grün die Wiese und überirdisch die lebenden Fossilien, wie sie da stelzten.

Morgen mehr.

09:39 13.08.2015
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