Konspirativer Segen

An der Ostsee Wir lieben die Dichter und heiraten Ärzte. Das behauptet das beinah lyrische Ich in einer Geschichte von Ralf Rothmann.
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Wir lieben die Dichter und heiraten Ärzte. Das behauptet das beinah lyrische Ich in einer Geschichte von Ralf Rothmann. Da lese ich auch das schöne Wort vom „zärtlichen Zynismus“.

Wir lieben die Hasardeure, die Wilden und schlanken Stürme, um uns nach den heftigsten Enttäuschungen mit der Teakholzsolidität von alt geborenen Notaren und alles überblickenden Medizinmännern zu versichern. Deren Tamtam ermüdet dann den Nachwuchs, so hochgewachsen und licht am besten wie die Fichten einer Schonung. In dieser Einsicht verweben sich die Stimmungen der Erzählung mit der trauten Buchcafé-Atmosphäre in einer Stadt an der Grenze zwischen Mecklenburg und Pommern. In meinem Rücken sitzt der Nebelmann und spannt mich ab. Am Nebentisch planen alte Schulfreundinnen ein Fest. Sie besprechen das tägliche Brot der Verluste. Dies und das ist längst nicht mehr, was es so lange einst war. Die alten Protestantinnen kennen sich viel länger, als ihre gemeinsame Jugendweihe zurückliegt. Ich stelle mir vor, wie sie in einem Speakeasy der evangelischen Kirche einen konspirativen Segen entgegennahmen. Die Flurbereinigungen des realexistierenden Sozialismus wirken retrospektiv wie eine Schneise der Inferiorität. Die DDR entstand nicht im Wettbewerb der Besten, sondern in einer Konkurrenz von Leuten, die Säuberungen lauernd zu überstehen wussten.

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07:29 09.09.2021
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