KosmoVision

Kolonialismus/Klimakrise "Wir brauchen eine neue Vision von der Stellung des Menschen im Kosmos", sagt Joshua Kwesi Aikins.
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Rassistische Dimensionen sozialer Probleme

Im Kreuzberger Südblock sind alle Stühle besetzt. Interessierte belegen die Flächen zwischen den Reihen, sie lagern unbequem, während vor der Fensterfront eine Sommerfeierabendstimmung wie aus dem Berliner Bilderbuch lockt.

Der Dreck und die Krisen des Westens werden in den Globalen Süden exportiert. Der Politikwissenschaftler Joshua Kwesi Aikins bestimmt im Dialog mit der Sozialwissenschaftlerin Imeh Frieda Ituen die rassistischen Dimensionen sozialer Probleme. Als besonders drastisches Beispiel nennt Aikins einen Stadtteil von Accra in Ghana. Europäischer Müll verursacht bei den Bewohner*innen von Agbogbloshie schwerste gesundheitliche Schäden. Über die Zusammenhänge zwischen Kolonialismus und Klimakrise sprechen Imeh Frieda Ituen und Joshua Kwesi Aikins im Rahmen der Reihe „Schwarze Perspektiven“.

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Bereits in den 1980er Jahren wurde in einer Graswurzelrecherche ein Zusammenhang zwischen Umweltverschmutzung und Rassismus hergestellt. Zweidrittel aller US-amerikanischen Mülldeponien stanken/stinken in Schwarzen Nachbarschaften.

Nimby - not in my backyard: Die weiße lobbyistisch flottgemachte Devise wies/weist dem Müll, Gestank und Lärm seine Plätze zu.

Der Dreck und die Krisen des Westens werden nicht nur in den Globalen Süden exportiert, sondern auch in die von Migration und Schwarzer Armut geprägten Territorien der exportierenden Staaten.

Als drastisches Beispiel nennt Aikins Agbogbloshie. Das Quartier ist eine Deponie. Eine wildwestliche Gewinnung von Rohstoffen macht die Leute krank.

„Luftverschmutzung tötet viel mehr Menschen als Malaria und Aids zusammen“, meldet Aikins. Auch in der Umweltzerstörung beweise sich „koloniale Kontinuität“.

Aikins beschreibt die kleine Eiszeit ab 1610 (bis ins 19. Jahrhundert) als direkte Folge des Kolonialismus. Eine paläoklimatologische Hypothese nimmt an, dass der spanische und portugiesische Auftritt in Amerika großflächig die ursprüngliche Landwirtschaft zum Erliegen brachte. Diverse Genozide und eingeschleppte Krankheiten könnten eine breite Wiederbewaldung begünstigt und im Geleit eine Verminderung der (die kleine Eiszeit auslösenden) CO2-Konzentrationen bewirkt haben.

Aikins datiert das Anthropozän auf den Beginn der kolonialen Ausschlachtung Amerikas.

Am Anfang einer neuen Epoche, so Aikins, stand mehr als ein Genozid.

Das größte Massenaussterben seit dem Niedergang der Dinosaurier vermutet Aikins in der Gegenwart. Eine von acht Millionen Arten sei vom Aussterben bedroht.

Aikins fordert ein radikales Umdenken. Er beruft sich auf Françoise Vergès. Die Politikwissenschaftlerin deutet „die Klimakrise als Folge eines bestimmten Menschenbildes“. Sie fordert im Verein mit Ituen und Joshua Kwesi:

„Wir müssen uns alle dekolonisieren.“

… und eine neue Kosmovision entwickeln.

Wir brauchen ein neues Menschenbild.

15:39 29.06.2019
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