Kupferrausch

Mord in Montana Im Mai 2010 versinkt ... kurz vor Butte* im Silver Bow County ein von der Straße abgekommener Chevrolet Equinox, Baujahr 2005, in einer vollgelaufenen Baugrube.
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Im Mai 2010 versinkt in Montana kurz vor Butte* imSilver Bow County ein von der Straße abgekommener Chevrolet Equinox, Baujahr 2005, in einer vollgelaufenen Baugrube.

*„Butte war ab 1881 Endpunkt der zunächst schmalspurigen Utah and Northern Railroad.“ Wikipedia

Während sich die Fahrerin Prerësi Nelson-Gardhit, Jahrgang 1985, retten kann, kommen zwei Insassinnen ums Leben. Sie gehörten zu Prerësis Bibelkreis Love & Peace Research Team. Der Ursprung dieser Verbindung reicht zurück bis die Jahre des Kupferrauschs, dem sich Butte verdankt. Damals ließen sich indische und chinesische „Kulis“ in der Gegend nieder. Ihre Eltern und Großeltern waren am amerikanischen Eisenbahnbau beteiligt gewesen. Im Gegensatz zu einem landläufigen Gerücht teilten sie kein Sklav:innenschicksal, obwohl die Portugiesen von Macao aus außerafrikanischen Menschenhandel betrieben. Doch waren sie in erheblicher Zahl Leibeigene des Opiums. Ein Wanderprediger und Wunderheiler namens Joe Smith sammelte die Süchtigen in einer Sekte. Der Glaube an Joe Smith half ihnen, von dem Teufelszeug loszukommen. Ein ehemaliger Plantagensklave namens Mississippi Coleman beobachtete die Gruppenbildung unter den Vorzeichen freiwilliger Isolation. Er schloss sich dem Verein an, um ihn bald zu überragen. In der Zwischenzeit entmachtete er Smith mit dem Colt. Er vertrieb ihn aus Butte. Barfuß und wie in Flammen stehend, rannte Smith bis zum Horizont des Interesses an seiner Demission. Die Zurückgebliebenen schlossen sich in der Coleman Church zusammen, die nun Prerësi nicht nur eine geistige Heimat bietet. Sie waltet in der CC als Küsterin und Organistin. Sie leitet alle möglichen Kurse. Zudem gehört sie zur Tingkat Printah, der CC-Kommandoebene.

Das alles wusste Sheriffin (veraltet: Sheriffess) Mercyblue Hawthorne schon, bevor sie die Ereignisse dazu zwangen, sich über Prerësi den Kopf zu zerbrechen.

Unfall oder Mord? Auch ein erweiterter Selbstmord könnte misslungen sein.

In Patty Garetts Susubar zeichnet Mercyblue für sich das Bild einer mit Antidepressiva vertrauten Teilzeitverstimmten guten Willens, die über ihre Verhältnisse geheiratet hat und seither die kinderlose Ehe mit zusammengebissenen Zähnen und Kalendersprüchen durchsteht.

Ihr Mann, ein charismatischer Unternehmer, der als leutseliger Provinzapostel übersprudelnde Zuneigung genießt, geht schon lange fremd. Lauter Liebesnester machen Neal-Noel Nelsons Dienstreisen zu Kaffeefahrten. Prerësi hält sich stramm im Gegenzug. Ein ekstatischer Jünger des Coleman'schen Coltchristentums dient ihren Counterstrikes. Die Machtverhältnisse erlauben jedoch keinen echten Ausgleich. Prerësi erreicht das Niveau nicht, auf dem sie von Neal-Noel zerlegt wird.

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Sie retourniert ständig Sachen zu/von ihrem verwitweten Vater ein paar Häuser die Straße rauf oder runter, je nach Ansicht der Lage. Gardhit, ein durchhängender Greis mit einer Vergangenheit als Putzkolonnenführer, stellt der Tochter einen gewaltigen Schuldenberg in Aussicht.

Prerësi wähnt sich auf einem Gipfel der Trostlosigkeit. Die Hinterbliebenen der Unfall- wahlweise Mord- und Totschlagopfer strengen Prozesse an. Sie wetzen die Messer des Zivil- und des Strafrechts. Sie laufen sich warm wie aztekische Krieger:innen.

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Im zunächst spurlosen Verschwinden erfüllt sich Prerësi schließlich einen verschleppten Wunsch. Eine ratlose Mercyblue wendet sich an Prerësis beste Freundin Phaina Kumeou. Die Frequentierte steigt sofort in den Kohlenkeller ihrer Erinnerungen, um mit dem Fleiß der Brunnenputzerin einen verrußten Fund nach dem nächsten heraufzuholen. Bald mehr.

11:58 14.07.2021
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