Las Vegas am Strand

#Leben Mercy kämpft um Selbstachtung, sie stumpft nicht ab. Deshalb spürt sie jeden Nackenschlag und Nadelstich.
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“My springs is getting rusty, sleeping single like I do.” Bessie Smith

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Atlantic City vibriert im Casinorausch. Das Seebad erfindet sich neu als Las Vegas am Strand. Hinter den Magistralen der Zukunft verrottet die Stadt. Die Paläste der Vergangenheit fliegen in die Luft. Aus Staubwolken taucht Mercy Greenshot Beavermonk auf, so mondän wie möglich. Mercy konnte sich ein Leben lang nicht an ihre Rolle als Laufmagd gewöhnen.

Mercy kämpft um Selbstachtung, sie stumpft nicht ab. Deshalb spürt sie jeden Nackenschlag und Nadelstich.

Mercy darf man herumschupsen; jedenfalls wenn man Jane Fenimore heißt und Chefin eines Casinos ist. Doch hat Mercy die Hoffnung nicht aufgegeben, das Blatt noch einmal zu ihren Gunsten wenden zu können. Sie hält sich in Form, Yoga-Streching nennt sie ihr Programm. Sie will es sich sogar patentieren lassen und so einen schnellen Dollar nebenher machen. Sie bügelt ihre Kostüme, ich glaube, das ist wichtig: Wie ein Gangsterin auszusehen, obwohl frau nur das Kleingeld des Slums zur Buchmacherin trägt.

Jane ist eine Schönheitskönigin vergangener Tage. Sie hält Mercy kurz und demütigt die Subalterne systematisch. Sie reibt ihr unter die Nase, was sie zu ihrer großen Zeit war: „Die ... von AC.“ Mercy bezahlt jeden Rennbahnrubel mit einer Herabsetzung. Sie geht zu den Underdog:innen auf der Rückseite von Atlantic City und sammelt Cents für die Wettschalter ein.

Mercy verbreitet das Gerücht, einmal eine Große gewesen zu sein. Ein Freundin der Freundinnen von Dutchess Schultz und Babsi Siegel. In einem fabelhaften Damals, als der Atlantik noch viel atlantischer war. Wie gesagt, Mercy gibt die Hoffnung nicht auf, doch einmal zu einem Gipfeltreffen der ersten Garnitur zugelassen zu werden. Abends spannt sie die Aktivitäten einer Nachbarin, während sie sich mit Zitronensaft abreibt.

Gleich mehr.

04:12 03.06.2021
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