Lautlose Eskalation

Jane Jakarta Ronja Stepanova reichert Worstcaseszenarien der Klimaforschung zu ihrem Vorteil an. Sie ist eine Profiteurin der Apokalypse.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Ronja Stepanova reichert Worstcaseszenarien der Klimaforschung zu ihrem Vorteil an. Sie ist eine Profiteurin der Apokalypse.

Das Kunovice ihrer Kindheit liegt fern zwischen den Strömen Erinnerung und Imagination. Nah liegt es der mäandernden Morava, die Mähren ihren Namen gibt.

Personen, die sich präzise äußern: das fällt auf und prägt sich Jane Jakarta ein in einer Lost-in-Translation-Konstellation. Professionell beobachtet Jane die Sprecherinnen im Foyer eines getarnten texanischen Blackwater Resorts. Vermutlich kommen Ronja Stepanova und Vonja Gurchenkova gerade vom Friseur, die Kostüme haben in jedem Fall Signalfunktionen. Die Damen sind kategorisch und didaktisch. Sie ergänzen sich im Vortrag und wirken dabei manchmal wie das doppelte Lottchen. Der Vortrag (als Summe) evoziert in Janes Apperzeptionsarena das Bild einer nach allen Seiten wegrutschenden Landkarte.

Das in Rede stehende Mähren ist räumlich und zeitlich weit weg ist. Ronja Stepanova und Vonja Gurchenkova grenzen das Gebiet ein und sagen einmal ein falsches Wort zu Tschechien. Ich gebe es nicht wieder. Das rutscht den Frauen so aus der Herkunft. Nennt es Hochmut der Abstammung. Ist gewiss nicht so gemeint.

Die Navigatorinnen erzählen von Traumpfaden. Sie ordnen ihre Gegend historisch ein und singen Lieder der Gegend. In den Liedern sei ihr Gemüt am besten aufgehoben, sagen sie.

Jane folgt Ronja Stepanova. Aus den Aufzeichnungen der Superagentin des Alphaworld- und Texaschampionteams:

Samuel Beckett bemerkt (in „Malone stirbt“): „Ich mache eine Pause, um zu notieren, dass ich in außerordentlicher Form bin. Es ist vielleicht das Delirium.“ Diese Feststellung könnte auch Ronja Stepanova treffen, wäre sie zu Einsicht begabt. Die Physikerin hat ihr Genie verloren, Jahrzehnte nach einer wissenschaftlichen Großtat ist sie nicht einmal mehr besonders geistreich. Gelegentlich scheint Ronja Stepanova kaum bei Sinnen. Ein Beispiel für Verluste, eine Szene im Flugzeug: Ronja Stepanova isst die Chips eines anderen, glaubt aber, den eigenen Vorrat zu verbrauchen. Sie erbost eine penetrante Mitesserin. Ronja Stepanova, kompakt wie ein Hamster, eskaliert sitzend, sie phantasiert Mord und Totschlag. Endlich entdeckt sie die eigene Tüte zwischen Zeitungen, die als Alibi für den Genusskauf herhalten mussten. Ronja Stepanova will ihrem Leben eine neue Wendung mit Diätvorschriften nicht zuletzt geben. Doch das Fleisch ist schwach. Ronja Stepanova hat einen Grad römischer Dekadenz erreicht, da wird jede Torte zur Tortur. Ihre Skrupellosigkeit ist bahnbrechend. Eine Nebenbuhlerin stellt sie erfolgreich als Plagiatorin hin, Forschungsergebnisse einer toten Kollegin beansprucht sie für ihre Karriere. Der Welt erscheint Ronja Stepanova weiterhin einigermaßen ehrenwert, jederzeit lässt sie sich vor den Karren des Wissenschaftsbetriebs spannen, um Cash zu machen und Eindruck zu schinden. Als Leiterin eines Instituts für Qi-Energie zeigt sie, was in einer Fehlbesetzung steckt. sie verschwendet Ressourcen an die Laienpost. Laien sind Wähler:innen und die Finanzierung des Instituts ist eine politische Angelegenheit.

Den Nachhall ihres Ruhms verstärkt Ronja Stepanova mit neuem Blech. Als Wissenschaftstouristin nimmt sie an einer Reise zu kalbenden Eisbergen teil. Den endzeitsüchtigen Katastrophenkarneval ihrer Zeitgenoss:innen heizt sie genüßlich an.

Furios gibt Ronja Stepanova die wie wahnsinnig den Polarkreis verpestende Klimagipfelstürmerin, Eisbergliebhaberin und Eisbär:innenpatin. Das sind Ronja Stepanovas lichten Momente: Wenn die moralisch und intellektuelle kompromittierte Ruine andere Scharlatan:innen erkennt und durch Gossen der Niedertracht schleift.

12:07 18.06.2021
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentarfunktion deaktiviert

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert. Deshalb können Sie das Eingabefeld für Kommentare nicht sehen.

Kommentare