Obsoleter Vergleich

#Leben Sanaa erinnert sich in meiner Sprechstunde an eine moderne Robinsonade.
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In einem obsoleten Vergleich klingen ihre Gedanken wie Radiorauschen. Für möglich hält sie, dass es sogar Hunde vereinzelt besser haben können als sie. Sanaa Sybyll Satori verlor früh ihre Mutter. Dem Vater wünschte sie den Tod: lange bevor er eintraf.

In Sanaas Leben scheint alles verkehrt eingerichtet.

Der Erzeuger ist in ihrer Wahrnehmung ein Stück Scheiße nur unter anderem. Die Aufzählung kommt ohne originelle Sprachschöpfungen aus, so als verböte sich jedwede Kreativität an dieser Stelle. Gewaltphantasien flankieren die Tirade und vernebeln Sanaas Gehirn. Nichts scheint naheliegender, als den Worten Taten folgen zu lassen. Doch dann findet Sanaa den Mann tödlich verunglückt in einem Windbruch und fürchtet auf den Umwegen des magischen Denkens eine Festnahme. Sanaa setzt sich in Bewegung - eine mit Waffen gut versorgte Mini-Mad-Maxi aka M-M-Maxa unterwegs im altonischen Buschland.

Ihre Wut ist ungeheuerlich. Die Wut ist so grenzenlos und unüberschaubar wie das Land, in dem sich Sanaa auf ihrer nicht besonders gut begründeten Flucht verliert.

In der Einsamkeit geht Sanaa ihr Leben durch. Ein Erinnerungs-Wir schließt den Vater nicht nur negativ ein. Manchmal schimmert Stolz auf den Kotzbrocken durch die Ablehnung. Ein paar Mal mehr als selten hat man etwas gemeinsam erlebt, dass positiv zu Buche schlug, so wie die Suche nach Gold und die Erschießung von Ziegen und Kängurus, die von Sanaa korrekt als Hinrichtungen memoriert werden.

In einem Verhau aus kruden Darstellungen verbirgt sich eine Heranwachsende, die im Herrschaftsbereich der väterlichen Verwahrlosung ständig sprungbereit auf der Hut war und sich nun Unwägbarkeiten in der Wildnis gut präpariert ausgesetzt sieht.

Ein aufgegebenes Goldgräbercamp wird zu Sanaas persönlicher Bastion. Zum ersten Mal hat sie einen Ort, von dem sie ausgehen kann. Sie fühlt sich kaum einsam, jagt mit wissendem Genuss und beherrscht sogar die Kunst der Salzgewinnung.

Plötzlich ist Sanaa mit allen Wassern gewaschen. Sie wähnt sich genetisch versiert. Sie hat den Kampf im Blut, glaubt sie. Der Vater hat sie außerdem den Gepflogenheiten des altonischen Hinterlandes perfekt angepasst. Die Erkenntnis gewinnt die Zuhörerin an den Einsichten der Sprecherin vorbei, im Sperrfeuer der Verneinung einer väterlichen Sendung jenseits von Gewalt & Gemeinheit.

Sanaa erinnert sich in meiner Sprechstunde an eine moderne Robinsonade. Ihr nomadisches Ich ist ungemein findig und botanisch beschlagen. Ferner kann sie den Himmel bei Tag und bei Nacht lesen. Sie ist ein Buschläuferin wie Sie im Buch steht. Sie steht in der Gnade eines höheren Glücks in der Gestalt eines Hengstes, in den Sanaa vernarrt ist.

Gleich mehr.

06:36 11.02.2021
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