Mädchenmut und artifizielle Kognition

Rebel Girls Die narrativen Ermutigungen folgen dem Schema: Da war einmal ein Mädchen. Wie zum Beispiel die 1968 in Jerusalem geborene Daphne Koller ...
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Aus der Ankündigung: Über große Träume und eine neue Heimat – das neue Buch von Elena Favilli, der Autorin des Bestsellers "Good Night Stories for Rebel Girls". Der dritte Band der weltweit erfolgreichen "Rebel Girl Stories" versammelt Biografien von 100 Migrantinnen, die die Welt verändert haben.

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Die narrativen Ermutigungen folgen dem Schema: Da war einmal ein Mädchen. Wie zum Beispiel die 1968 in Jerusalem geborene Daphne Koller. Die Vorbildliche ist Informatikerin. Mit zwölf begann sie zu programmieren. Ihr Studium schloss sie mit siebzehn ab. Sie kombinierte antike Einsichten zu kognitiven Abläufen mit künstlicher Intelligenz. Ich habe auch so ein Mädchen gekannt, das intelligenter war als alle Leute in der Umgebung. Sie hießMara Neusel. Ihre türkische Mutter war als Architekturstudentin nach Deutschland gekommen. Auch Mara ging nach Amerika, genauso wie Daphne. Zuvor war Mara die beste Schülerin ihres Gymnasiums. Die anderen Superschüler*innen übertrafen die Konkurrenz in Fächern wie Deutsch und Gemeinschaftskunde. Sie waren Stars der Theater-AGs so wie sämtlicher musischer Abteilungen. Softskill-Koryphäen eben. Heute sagt man gern Schwurbler*innen und unterstellt ihnen eine oder zwei Esoterikmeisen, weil sie den lokalen Erdheilungsaktivismus mit ihrer Präsenz stark machen. Damals dominierten solche Mädchen alles. Sangen sie im Chor, hörte man nur ihre Stimmen. Mara sang nicht. Sie sagte nicht viel und von sich aus am liebsten gar nichts. Trotzdem wussten alle Bescheid. Mara unterschied sich von den anderen Überflieger*innen vor allem darin, dass sie überragend gut in Mathematik und Physik war. Sie übersprang zwei Klassen. Genauso wie Daphne Koller. Als Post-Doktorandin war Daphne an der University of California in Berkeley und ab 1995 an der Stanford University. Mara war natürlich in Texas.

Heiliger Sandkasten

Beeindruckend finde ich die Biografie von Doreen Sylvia Simmons, der weltweit ersten Sumō-Kommentatorin. Vor Doreen gab es keine professionelle Vermittlung, die dem Publikum das sportlich-spirituelle Geschehen in einem„heiligen“Sandkasten verständlich machen konnte.

„Die erste Erwähnung des Sumō findet sich in einer Schrift aus dem Jahr 712 … (die überliefert), wie der Besitz der japanischen Inseln im Kampf zwischen den Göttern Takemikazuchi und Takeminakata entschieden wurde.“ Wikipedia

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Sumō-Suppe und Bushi-Dutt

Die Gaijin-Wahrnehmung unterschlägt die religiöse Dimension. Westliche Beobachter*innen tendieren zu einer reduzierten Auffassung des shintōistisch konnotierten und ritualisierten Ringkampfs, den man wiederum nicht isoliert betrachten kann. In ihm fusionieren koreanische und chinesische Stile. Die Vergleiche fanden zuerst auf den Marktplätzen von Weilern und an den Fürstenhöfen regellos statt. Sie endeten mit dem Tod des Unterlegenen. Die Abkehr von dieser Praxis fällt zusammen mit dem Verzicht auf scharfe Waffen zu Trainingszwecken. Heute erinnert der Bushi-Dutt an die höfische Sonderstellung der Sumōtori. Das japanische Gesetz verbietet die antike Kriegerfrisur allen Nicht-Sumōtori.

Die Halbgötter zum Anfassen leben in hierarchisch gegliederten Wohngemeinschaften. Besonders gern stärken sie sich mit der Sumō-Suppe Chankonabe, einem Eintopf aus Gemüse, Geflügel und Meeresfrüchten. Kartoffeln, Reis, Nudeln und Tofu gehören zur Ringerdiät.

Gleich mehr.

Weiter aus der Ankündigung

100 außergewöhnliche Frauen aus Geschichte und Gegenwart, die ihre Heimat verließen, um in einem anderen Land ein neues Leben zu beginnen. 100 Frauen, die eine Zuflucht suchten, um ihre Träume zu verwirklichen und ihre Ideen mit der Welt zu teilen. Die Ex-US-Außenministerin Madeleine Albright, die Modeschöpferin Dianne von Fürstenberg und die Publizistin Hannah Arendt gehören ebenso dazu wie Popstar Rihanna, die mexikanische Klimaaktivistin Xiye Bastida-Patrick oder die indische Kricket-Trainerin Lisa Sthalekar u.v.a. – illustriert mit 100 vierfarbigen, ganzseitigen Porträts.

Zur Autorin

Elena Favilli, geboren 1982, ist Mitbegründerin und CEO der Rebel Girls-Buchreihe, die sich weltweit für die Stärkung von Mädchen einsetzt. Sie arbeitete als Unternehmerin und Journalistin, bevor sie das erfolgreichste Buch-Crowdfunding der Geschichte startete: Good Night Stories for Rebel Girls - 100 außergewöhnliche Frauen. Es wurde 2017 wie auch sein Nachfolger 2018 ein Welt-Beststeller in über 40 Ländern. Bei Hanser erschienen außerdem ein Ausmalbuch, 50 Postkarten, ein Kalender und ein Journal zur Rebel Girls-Reihe. 2020 folgt der dritte Band Good Night Stories for Rebel Girls - 100 Migrantinnen, die die Welt verändern.
09:16 30.11.2020
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