Mimische Nullstellung

#Adorno/DailyStorytelling Adorno sagt: „Die Komplexion von handfestem Plot … und destillierbarer Idee ... macht Sartre, ganz gewiss gegen seinen integren Willen, der Kulturindustrie akzeptabel.“
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Soziale Kommandohöhen

Adorno sagt: „Die Komplexion von handfestem Plot … und destillierbarer Idee (trägt) Sartre den großen Erfolg zu und (macht) ihn, ganz gewiss gegen seinen integren Willen, der Kulturindustrie akzeptabel.“ Sartre suggeriere, „dass auf den sozialen Kommandohöhen noch Leben sei“. Er verwebe „den Schleier der Personalisierung“ mit der Geschichte zur Beruhigung seines Publikums.

Adorno verbindet diese Einschätzung eines populären Autors, von dem sich im Jetzt der Analyse extremistische Kräfte unterstützt fühlen ...

Zitiert aus Theodor W. Adorno, „Noten zur Literatur, herausgegeben von Rolf Tiedemann, Suhrkamp

Das Exzerpt aus dem Jahr 1981 bricht an dieser Stelle ab.

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Ein halbes Jahrhundert später erreicht Machīa Vēcaṇa 'Fiskisala' Vālā die erste Kontrollstelle auf der für den öffentlichen Verkehr schon lange gesperrten Straße zur Domaine Aqımaq*. Die Alphaworld-Agentin bemerkt Zelte im Schutz einer Mauer und einen zivilen Pritschenwagen ohne Türen. Eine Gebrandmarkte lehnt an ihrer Schaufel. Der rechte Knöchel sitzt in einem Eisen, das nicht stabil wirkt. Seit der letzten Aussprache im Mūrkha-Plenum leisten Delinquent:innen der Kategorie I Spanndienste. Ein Tirailleur in zusammengewürfeltem Drillich raucht vor der Mauer eine Papirossa. Gendarmeriematrosinnen langweilen sich auf der Straße. Die Postenführerin prüft Machīas QR-Code. Machīa registriert die Restnatur am Straßenrand; rotes Leimkraut im Betongrün. Sie kehrt die Gleichgültige heraus, die mimische Nullstellung, das Programm der drei Affen: nichts hören, nichts sehen, nichts sagen. Die Checkpointchefin bemüht sich um eine ähnliche Darstellung emotionalen Leerlaufs vor dem schwarzen Mustang mit einem flamboyanten Akronym der Royal Canadian Mounted Police auf der Kühlerhaube. (The Mounties always get their woman.) Machīa wünscht ihr Bartwuchs und Bettverdruss.

Transitorische Ewigkeit

*Die „Domaine Aqımaq“ ist ein Schauplatz organisierter Randständigkeit. Sie liegt so dicht an der Grenze zum Fífl-Aqımour-Territorium, das manche Aqımaq für eine Falschschreibung von Aqımour halten. Den Elendszipfel charakterisiert bis in alle Ewigkeit das transitorische Wesen eines Trailerparks für Gespenster.

Zwei Wochen später

Der Park Güell in Barcelona dient einer verdämmernden Moderne als weltberühmtes Beispiel für urbanen Freiraum. Ein Magnat des 19. Jahrhunderts gab dem Park seinen Namen. Gestaltet wurde er von dem Architekten Antoni Gaudí. Markant sind großflächige Mosaike; ein keramisches Feuerschluckerkunstgewese zwischen Tierkreiszeichen und Fabelwesen. Salvador Dalí fand die Arrangements präsurrealistisch. Im Wirkungsschatten des Spektakels betritt Machīa eine als Dolmetscher:innenschule getarnte Alphaworld-Agentur. Im Foyer beklagen Debütantinnen der Delta-Kategorie den Firlefanz falscher Konnotationen und ersehnen die Befreiung der Sprache vom Imperialismus der Zeichen.

Machīa, die als alttestamentarisch-drakonische Ermittlerin den Aktivist:innen des Mungo-Mūrakha-Kartells das Fürchten lehrt, lebt zurzeit mit der Legende einer an der Armutsgrenze kreuzenden, in einem Kosmos extravaganter Schicksalswendungen und psychologischer Unwahrscheinlichkeiten vor sich hin Trudelnden. Im kleinen Kreis der Eingeschweißten kursiert Machīa als vitale Zombie. Die Superagentinnen im Team von Brain (nicht Brian) Thundergod* erkennen eine frei fluktuierende Zerstörungskraft im Wesenskern der lebenden Toten.

13:16 18.08.2021
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