Mord in Fischers Büro

Unblutige Raubmorde „Geplant war ein Raubüberfall.“ Die Ermordeten bezeichnete Nowotny M. als Unfallopfer.
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Während sich der Architekt und Bauunternehmer Josef Fischer bereits in der Gewalt eines geistesschwachen Alkoholikers aus D. befindet, gehen seine Frau Heide und deren Tochter Anke als ziemlich beste Freundinnen auch nicht ganz unbeschwert über die Frankfurter Zeil. Mutter und Tochter waren zwar schick essen und haben auch gut eingekauft, aber doch nicht alles bekommen, was auf der Wunschliste steht. Ihr Proseccorausch klingt schon wieder ab. Sie wollen gleich noch in ein Eiscafé, in dem Heide schon als Kind gern Gast war.

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Oft gehen sie als Schwestern durch. Heidrun Fischer, genannt Heide, passen die Sachen ihrer Tochter. Sie ist nur siebzehn Jahre älter als Anke und mit keinem Menschen vertrauter. Die beiden sind von einer Art; Sonnenkinder verschiedener Generationen. So beschreiben sie sich auf einem Heileweltportal. Sie kommen vom Einkauf auf der Zeil nach Hause und sind erschöpft. Die Abiturientin Anke ist zudem verstimmt, weil sie etwas Ersehntes nicht bekommen hat. Ihr jüngerer Bruder Andreas liegt auf dem Sofa und bedauert das Ende der Ruhe im Wohnzimmer. Das Telefon klingelt, Anke nimmt einen Anruf ihres Stiefvaters entgegen. Der Architekt und Bauunternehmer bittet sie, ihn in der Firma aufzusuchen. Sie soll ihre Scheckkarte mitbringen.

Anke will nicht noch einmal vor die Tür. Das erklärt sie dem Stiefvater gewohnt deutlich. Dass er sich offenbar in Not befindet, entgeht ihr oder interessiert sie nicht. Sie legt auf und erklärt ihrer Mutter, was der Stiefvater wollte.

Die alarmierte Gattin setzt sich sofort ins Auto und fährt zu ihrem Mann. Die Kinder werden ihre Eltern nicht wiedersehen. Als Zeugin vor Gericht erklärt Anke, sie habe der Bitte des Stiefvaters nicht entsprochen, weil sie ihren Sinn nicht erkennen konnte. Sie hätte mit ihrer Karte maximal fünfhundert Euro abheben können. Den Betrag habe der Stiefvater stets lose in einer Hosentasche dabeigehabt.

Während Anke keine Besorgnis kennt, soweit es den Stiefvater betrifft, ist sie wegen der Mutter bald in Sorge.

„Wir hatten eine starke Intuition füreinander.“

Sie ruft in der Firma an. Niemand nimmt ab. Stürmisch verständigen die Geschwister einen Nachbarn in Ankes Alter, der sie zum stiefväterlichen Betrieb fährt. Sie finden drei Tote in Fischers Büro. Josef „Joe“ Fischer, 47, Heide Fischer, 36, und die Mitarbeiterin Barbara Polonsky, 43, wurden mit Handschellen und Kabelbinder aneinander- und an einen Heizkörper gebunden und stranguliert.

Sie erstickten.

„Unter Erstickung versteht man eine Behinderung der Atmung, entweder durch mangelnde Sauerstoffzufuhr zur Lunge, gestörten Sauerstofftransport von der Lunge zur Zelle oder durch Störung der Saueistoffverwertung auf der zellulären Ebene.“ Wolfgang Spahn

Vor einer großen Strafkammer des Landgerichts D. muss sich Nowotny M., 29, wegen dreifachen Mordes und schweren Raubes verantworten. Er erscheint als Geständiger. Man traut der gebrochenen Figur die Energie nicht zu, die noch die kleinste Tat fordert. Im Geständnis steht: „Geplant war ein Raubüberfall.“ Die Toten bezeichnet er als Unfallopfer.

„Es war ein Unfall.“

Wen haben wir denn da? Nowotny ist der typische Schulabbrecher ohne Ausbildung. In Freiheit lag er seiner frühverrenteten Mutter auf der Tasche und verbrachte die Zeit bis zum Abendprogramm in der Pilsstube „Zum Florian“, benannt nach der Florianstraße in D. Das ist die Magistrale einer Armutsgegend, in der die Emanationen der Migration sich verflüchtigt haben. In diesem Getto ziehen nicht die Autochthonen weg, sondern die Einwanderer.

Das Elend zeigt sich selbst im Mief an.

Nowotny fuhr mit dem Bus zum Tatort. Er brachte Pfefferspray, ein Küchenmesser, ein Seil, ein Dutzend Kabelbinder und drei Paar Handschellen mit.

Wieso drei Paare?

Nowotny lässt die Achseln zucken. Er erscheint sich selbst gegenüber vollkommen unbeschlagen. Ob zwei oder drei oder gar keine … über vorgefasste Formulierungen geht sein Repertoire nicht hinaus. Er schildert sich als Opfer.

Nowotny hob von den Konten, deren Geheimnummern er erpresste, tausend Euro ab. Dazu kamen Geld und Wertgegenstände aus dem leiblichen Besitz der Opfer. Nowotny erweiterte mit der Beute einfach nur die Spannen seines persönlichen Dreikampfs Rauchen, Trinken, Essen.

Er behauptet, zur Tatzeit schwer betrunken gewesen zu sein. Dagegen spricht die Vorgehensweise. Nowotny muss im Tatgeschehen über sich hinausgewachsen sein. Doch wie überwand er die Grenzen seiner Stupidität?

Woher nahm er die Kraft?

Der Erstickungstod beginnt mit einer Zunahme des Kohlenstoffmonooxidgehalts im Blut, begleitet von Atemnot und Erstickungsangst. Der sogenannten Dyspnoephase folgt die Krampfphase. Nun steigt der Blutdruck. Kot und Urin gehen ab. Drei Personen so mühsam umzubringen, erfordert mehr, als Nowotny mitbringt. Dies bedenkend, kam ich zu dem Schluss, dass das Tatgeschehen von den Feststellungen des Gerichts abwich. Doch dazu morgen mehr.

11:16 03.04.2018
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