Mückenalarm

#Leben Fidel ist zehn Jahre älter als Marjolijn und einfach perfekt in der Rolle des Gatten der Zakopane.
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Magisch findet Marjolijn das Glück in den Fjorden. Sie ignoriert den Mückenalarm. Paralysiert vom Verehrungsrausch, gewährt sie den Gnitzen schmerzhafte Blutspenden. Der Duft aller möglichen Insektenschutzmitteln betäubt und betört die Anfängerin.

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Marjolijn versteht sich selbst nicht, Fidel ist zehn Jahre älter und wie geschaffen für die Rolle, in der ihn alle bewundern. Fidel verkörpert den Gatten der Zakopane auf dem Zenit der Darstellungskunst. Aber da ist dieses Ziehen in der Leiste, wenn Marjolijn ihn sieht; das Funkeln der ablandigen Liebe und die Glut im Strandkleid. Nicht hingucken und nebenbei anfassen (sich nichts anmerken lassen, wenn man auf diese durch Mark & Bein gehende Weise angefasst wird) ist wahnsinnig anstrengend. Von mehr als einem Sundowner erheitert, verguckt sich Marjolijn in der Schärenlandschaft Ålands auch noch in den Sonnenuntergang.

Marjolijn ist auf Nebensachen fokussiert. Wie wer die Nase kraus zieht und die Mundwinkel zucken lässt. Wir wissen natürlich, dass das ein Manierismus ist, der ein böses Ende andeutet. Walk the simple path. Das rieten die Alten Meister. Entferne dich nicht von der Herde. Folge dem Fingerzeig des Herrn. Sei easy, Honey, und mach keinen Quatsch, wie so ne verblödete Uschi.

Zakopane, Zap für ihre Freund*innen, erscheint als Gönnerin und Kennerin. Als jemand, der von Herzen zu schätzen weiß, was Marjolijn und Clint zu bieten haben. Der Nachwuchs liefert dem Markt neue Gesichter, währen Zap und Fidel das Prestige eingeführter Marken beanspruchen. Fidel wird gleich der erste Mann in Marjolijns Leben sein. Die mutterlos aufgewachsene Dirigententochter ignoriert Clints Verlangen weitgehend. Ihre sexuelle Sozialisation vollzog sich abseits der Heteronormativität.

Nun also Fidel. Manchmal sieht er doch schon ganz schön alt aus. Marjolijn spürt ihre Macht. Sie kann Clint am kleinen Finger führen, und Fidel in dem Haus, das Zap für ihn bauen ließ, ihren Körper komplett zuführen.

Fidel war der Zeremonienmeister einer Babyboomeravantgarde.

Das ist die Konstellation. Clint weist Marjolijn nicht unbedingt freundlich auf ihr kleines Apartheidsregime hin. Anders gesagt, Clint kriegt mit, was da läuft. Zap natürlich auf. Eine Weile lässt die Meisterin aller Klassen es laufen. Dann nimmt sie mühelos ihren angestammten Platz wieder ein.

Man ahnt eine Bereitschaft zur Reconquista.

Für Marjolijn ist das eine Lektion. Sie lernt dazu. In ihrer Welt bestimmen Frauen. Sie managen ihr Glück. Das unterscheidet sie von den auf Marmor fallenden Schatten der Reinigungskräfte.

Gleich mehr.

05:01 16.02.2021
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