Mit Nietzsche auf dem Klo

#Leben Cheyenne liest Nietzsche auf dem Klo und erzählt sich ihre Gefangenschaft als Märchen.
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„Innen war Byzanz despotisch, außen erbärmlich.“ Jacob Burckhardt
Einfach gesagt, der orientalische Despotismus ist älter als das Osmanische Reich.
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„Ich hatte das Glück, in Paris geboren zu sein. Von Kindheit an erwartete ich das Eintreffen der Freiheit“, sagt Foudre. Der Stürmer und Dränger exaltiert sich im 15. Jahrhundert. Paris als einen Ort der Zukunft zu begreifen, ist zu seiner Zeit nicht selbstverständlich. JB nennt die kapitalen Kräfte des Niedergangszufällig.
Alles könnte auch anders nicht gelingen. Das ist wenig beruhigend.
Im Gegensatz zu einer Beliebigkeit des Wahnsinns und des Mordens und der relevanten Hochzeiten erscheinen die Koordinaten des größten europäischen Konflikts, Burckhardt spricht von einerErscheinung, zwingend. In den Haaren liegen sich Kaiser und Papst, das heißt Deutschland und Italien. In Frankreich herrscht die Anarchie der Aristokratie. Für den Adel ist das Land Beute, man konstatiert Verhältnisse wie heute noch in Afghanistan. Der Herzog von Orleans, Johann der Furchtlose, Philipp von Burgund - das sind Warlords.
Fragt man das Mädchen von Orleans, was treibt dich, so sagt es dir, um sich kurz zu fassen: der Jammer Frankreichs.
1435 räumen die Engländer Paris. Sie überlassen einem hungernden König das Land. Gilles de Retz ist unterwegs und knüpft die Leute auf. Die Wölfe immer hinter ihm her.
„Je mehr Not sittliche Antriebe abstumpft, um so sicherer wird der versunkene Mensch sich neue Götzen schaffen. Denn etwas muss er haben, wovor er knien kann.” (J.B.)
Mit Nietzsche auf dem Klo
Die im Kosmos der deutschen Philosophie qualifiziert ansässige, in Paris lebende Cheyenne Seegfrörne treibt ihre Deklassierung als Zimmermädchen in einer konfessionellen Einrichtung voran. Der zweite Tunnel, in dem sie sich rückwärts bewegt, steckt in der Bereitschaft, sich auf eine Ehe mit einem Mann einzulassen, dem sie Europa aufschließen und als abdeckende Hilfskraft dienen soll. Cheyenne kerkert sich in dieser Konstruktion ein.

Jessum Guevara, genanntder Mixer, betrachtet die Gattenrolle als berufliche Aufgabe. Der Killer des Alpha-Kartells verbindet das Angenehme mit dem Notwendigen. Vor dem ersten ehelichen Beischlaf bringt er die Fernbedienungen an sich. Seiner Wege geht er ohne Absprache. Seine Rücksichtslosigkeit findet in schwiegermütterlicher Hingabe einen komplizenhaften Halt.

Die Mutter verrät die Tochter ohne Not. Sie schwärmt für den Mixer. In der Ehe ihrer Tochter steigt Jessum zum Sohn auf. Er lässt sich verwöhnen. Er begreift, was von ihm erwartet wird. Jessum fungiert als Symbol der Eigenständigkeit sowie als Wahrzeichen. Er verkörpert die Herkunft.

Cheyenne liest Nietzsche auf dem Klo und erzählt sich ihre Gefangenschaft als Märchen.

Gleich mehr.

04:07 15.04.2021
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