Obsession

Literatur Für jeden hatte sie ein anderes Gesicht. Der postume Charakter dieser Feststellung rührt daher, dass sie ihre Verstellungskraft kaum je noch braucht.
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Atmende Mauer

Einschluss im Ausschluss. Seit Tagen arbeitet in mir der Wunsch, einer Sache Ausdruck zu verlieren, die mir ständig Charles Bronson zu denken gibt. Dabei bin ich mir nicht sicher, ob ich die überbelichtete Szene mit Bronson im Zentrum des Geschehens gesehen oder erfunden habe. Jedenfalls sieht Bronson noch nicht so aus wie eine alte Squaw. So erschütternd desolat wie am Ende desWeinenden Weges. Noch erscheint er viril, und zwar in dieser nicht-weißen Spielart des Wilden Westens, die mir eine Stärkeimpuls gab als alles noch schwarzweiß ablief. Bronson ist das an sich allgemein verachteteHalbblutund dabei einerseits wilder als jederIndianerund andererseits gefährlicher als jeder weiße Hitman. Mit messerscharfen Blicken konfrontiert er alle mit der Frage des Mutes. Zugleich wirkt er so somnambul und abgefuckt unzuständig wie ein Wiederkäuer auf einer Parkbank. Wenn es aber darauf ankommt, zieht er die Stiefel aus und bindet sich Lappen im Mokassins-Stil an höchst flotte Füße.

Bronson hat einen Snake-Body, der halbautomatisch absorbierende Bewegungen absolviert. Der Mann rollt durchs Leben wie die Schlange durch Gras.

Ich merke gerade, dass ich viel Bronson zur Verfügung habe. Doch im Augenblick will ich nur noch Folgendes fokussieren: Bronson wird arrestiert. In der Zelle bequemt er sich in den Schneidersitz, schließt die Augen und versinkt sichtlich in sich selbst.

Das ist ein großer Moment. Seine Wächter und alle anderen, die den Außenseiter hängen sehen wollen, bilden eine atmende Mauer, die Bronson einschließt. Er entzieht sich der Bedrängung, indem er nach innen ausweicht. Zum ersten Mal verstehe ich, was es bedeutet, in sich zu ruhen.

Die Kamera schmeichelt Bronsons Elitemuskulatur. Das nur am Rand. Ich bespreche noch schnell „Obsession“ von Clarice Lispector.

Für jeden hatte sie ein anderes Gesicht. Der postume Charakter dieser Feststellung rührt daher, dass sie ihre Verstellungskraft kaum je noch braucht.

Clarice Lispector „Tagtraum und Trunkenheit einer jungen Frau“, Erzählungen, aus dem brasilianischen Portugiesisch von Luis Ruby, herausgegeben von Benjamin Moser, Penguin Verlag, 411 Seiten, 24,-

Es liegt alles in der Vergangenheit, die zu beschwören der Erzählerin ein letztes Vergnügen bereitet. Sie erinnert heitere Zeiten als ausgeglichene Tochter wenig überspannter Vorstadteltern. Das bringt mich sofort wieder auf die Erzählbeine. Vor einiger Zeit waren Regina und ich in … Da sahen wir junge Leute, die tristen Empfindungen allegorisch an den Haltestellen ihrer Passionswege Raum gaben. Es war die typische, variantenarm inszenierte Hier-bleiben-wir-nicht-Attitüde von Kindern, deren Eltern etwas an den Füßen haben. Und wieder schüttelte Regina den entscheidenden Satz aus dem Ärmel:

„Die werden sich noch umgucken in Berlin, bis ihnen aufgeht, dass man das nicht einfach abstreifen kann: im Eigentum großgeworden zu sein.“

Well, auch Lispectors Heldin ist so eine Elevin des Kleinglücks und der leise gurgelnden Winkelentzückung; affiziert von Dachbodengerüchen.

Schon ist alles da, vor allem das Ressentiment im Singular seiner Auslese:

„Meine helle Haut (machte) mich den Leuten sympathisch.“

Aus dem Leutesieb schüttelt das Schicksal den Langweiler Jamie.

„Angesichts seines wenig glühenden Temperaments.“

Dem ist nichts hinzuzufügen. Ich glaube, Robert Gernhardt war es, der sagte: „Für Geilheit gibt es keinen Ersatz, Spatz.“

Schöner Wohnenist nicht genug. Die Unzufriedenheit beginnt fies ihr Zersetzungswerk. Man ist verstimmt und rügt sich für „grundlose Melancholie“.

Im Nachgang soll die Seelenruhe der Debütantin schon Apathie gewesen sein. Ich glaube, dass man sich das so erzählt, wenn man mit Schwung von den Beinen geholt wurde. Dann war das Davor nichts, außer eben Apathie und „Grau in Grau“.

Ein Fieber befällt die Erzählerin. Sie erzählt sich die Krankheit als klärende Phase. Die Genesung gleicht einer Rückkehr jedoch nicht zu Jamie, sondern zu Daniel, einer in das Leben der Rekonvaleszentin hineindrohenden Person.

Sie sieht sich selbst mit „flatterndem Rock“ vorbehaltlos eingenommen, beinah als Modell eines skrupellosen Malers. Natürlich kenne ich den Inhalt dieser Chiffremuschel. Ein halbes Leben lang hätte ich fatalistisch zugestimmt und ja, da kann man nur den Rock flattern lassen …so wie sich die Wipfel im Sturm neigen. So umtost.

Die Entflammte beobachtet Daniel im Gespräch mit Zorro*. Beide rauchen verdächtig.

„Sie redeten ohne Eile, so vertieft in ihre Gedanken.“

*„Ein hagerer schwarz gekleideter Mann.“

Daniel attestiert der Erzählerin „die Naivität eines Tiers“. Solche Herabsetzungen wagt Jamie noch nicht einmal zu denken.

Gleich mehr.

Begrüßter Abschied

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Ein Mann zieht am liebsten um die Häuser der Welt. Kofferaufkleber verkünden seinen Radius. Ein Diener sorgt sich um seine Bequemlichkeit, eine Frau vergeht vor Liebe. Luísa wähnt sich vom Tod ergriffen, sobald sich der Mann einmal wieder zur Abreise fertigmacht.

Er könnte sich glücklich schätzen. Doch fühlt sich der „feine … Intellektuelle“ nur behelligt nach eigener Angabe:

„Du machst mich kaputt. Behalt deine Liebe, gib sie … irgendwem, der nichts anderes zu tun hat.“

So spricht der Überdruss im Rausch der Überfülle. Noch ein paar Jahre und der Schwadroneur wird sich die Finger nach Luísas klebrigen Zärtlichkeiten lecken. Dann wird ihn niemand mehr mit „übertriebener Aufmerksamkeit … an sich zu ketten versuchen“.

Doch noch verheißt seine schiere Gegenwart Glück. Das Glück „überspült Luísa so intensiv und klar“ wie ein gerade noch rechtzeitig, im Grunde jedoch stets zu spät wirkender Suchtstoff.

Clarice Lispector „Tagtraum und Trunkenheit einer jungen Frau“, Erzählungen, aus dem brasilianischen Portugiesisch von Luis Ruby, herausgegeben von Benjamin Moser, Penguin Verlag, 411 Seiten, 24,-

Geschmackvoll gebildet

Luísa verliert ihre Würde an den Moment. Sie verlässt die Logenplätze der Ironie und kriecht den Freuden der Selbsterniedrigung auf den Leim.

„Sie fleht ihn an zu bleiben“, anstatt seinen Abschied zu begrüßen.

Soweit der äußere Aufbau von „Der Triumph“. Eine geschmackvoll gebildete Frau gefällt sich in der Rolle der frenetisch Liebenden. Sie verschwendet sich an einen beliebigen Fetzen, der sich indes für genial hält. Er fährt sie an, da sie ihn „dümmlich … unterbricht“, gerade als ein Geistesblitz seinen jüngsten Erzähleinfall illuminiert. Es geht einmal wieder darum, einen Roman zu schreiben, beglaubigt von einem Furioso auf den Klippen der Inspiration.

Falsche Fröhlichkeit

Der Mann lässt die Frau in einen Teich der Verachtung fallen. Dann geht er, beschwingt nehme ich an. Ihr bleibt immerhin das „monotone Wispern“ der Hauszikade. Sie begibt sich ins Esszimmer. Es ist „dunkel, feucht und stickig“. Luísas Unglück trägt solange die Zeichen einer müßig leidenden Oberschicht, bis die Akteurin ihre Pyjamaärmel aufrollt und sich am Zuber zu schaffen macht. Sie walkt Wäsche, übermannt von unerwartet zutraulicher Lebensfreude. Alle Sorgen fallen von ihr ab in der plötzlichen Gewissheit, „die Stärkere zu sein“.

Der Schluss könnte überraschen. Ebenso plausibel wäre eine Vertiefung der Verzweiflung. Lesen wir die Geschichte noch einmal. Ich warte auf Sie. Ich hoffe, Sie habe die in der Ambivalenz verborgene Richtung bemerkt. Die Lebensfreude ist ein Cover des Unglücks. Die hochfahrende Tüchtigkeit der Erniedrigten verrät dem geübten Fährtenleser, wo auf der grünen Wiese der Narration die Nilgänse der Resignation rasten.

Luísa macht eine Wäscherin aus sich, während der Mann als Schriftsteller steilgeht. Und dann kommt Clarice Lispector um die Ecke und erzählt uns was von Luísas Fröhlichkeit.

Morgen mehr.

First

“Everything in the world began with a yes. One molecule said yes to another molecule and life was born.” Clarice Lispector, The Hour of the Star

Last

“And then I asked him with my eyes to ask again yes and then he asked me would I yes to say yes my mountain flower and first I put my arms around him yes and drew him down to me so he could feel my breasts all perfume yes and his heart was going like mad and yes I said yes I will Yes.” James Joyce, Ulysses, last sentence
*
Ich rede weiter über Clarice Lispectors Erzählungen „Aber es wird regnen“, aus dem brasilianischen Portugiesisch von Luis Ruby, herausgegeben von Benjamin Moser, Penguin Verlag, 281 Seiten, 22,-

In einem Imaginationsprozess erinnert die Erzählerin die Schönheit des Hausmädchens Eremita.

Die Anziehungskraft unbestimmter Züge/ Aufsässige Sanftmut

Für wahr hält sie nur das Unbestimmte, wie von Tau Glasierte, Verwischte. Daraus ergibt sich Eremitas vage Präsenz im Leben der (ihr Leben) bilanzierenden Erzählerin. Sie memoriert aufsässige Sanftmut: erzeugt von einer tiefen Zugehörigkeit.

Deshalb vergrabe ich mich in der Geschichte. Sie heißt Das Hausmädchen. Ihre unabweisbare Suggestion ergibt sich aus dem Eindruck, Eremtia gehöre (in der heraufbeschworenen Vergangenheit) mehr zum Elternhaus der Erzählerin als die Erzählerin selbst - und, das wiegt viel schwerer, das Haus sei gravierender als die Eltern.

Guckt man sich die Biografie der Autorin an, bedarf es Ihrer Zustimmung nicht, um jedermann erkennen zu lassen, dass mein Analysehammer den Nagel am Kopf trifft.

„Manchmal antwortete (Eremita) so ungehörig, wie es nur eine tut, die zum Haus gehört. Sie sei schon von klein auf dagewesen, erklärte sie.“

In der Erklärung steckt ein Anspruch. Sie finden ihn überall. In jedem touristisch ausgeweideten Tal sowie in jeder Almpittoreske mit Seilbahnanschluss. Stets lugt so ein Einheimischer durch den Spalt der flüchtigsten lokalen Einsichten und sagt dem Sinn nach: Ich bin hier seit vierhundert Jahren.

Und dann kommen Sie als studierter Backpacker und erwidern:

Für Vierhundert siehst du noch frisch aus.

In der Antwort steckt eine Abwehr. Sie erklären sich Zugehörigkeit nämlich ganz anders. Schon im 19. Jahrhundert war der Mann von Welt überall in Europa zuhause (als gern gesehener Gast in jeder Spielbank). Das ist das nächste Thema. Ich habe es schon angerissen. Siehe. Der Historiker Orlando Figes erzählt in „Die Europäer. Drei kosmopolitische Leben und die Entstehung europäischer Kultur“ wie europäisch wir mal waren; wie viel weiter als im Augenblick. Doch schon damals gab es eine Tendenz zu einer den Kontinent überschreitenden Verlegung der Außengrenzen als Limes kolonialer Vorherrschaft.

… wie aufgerissene Himmel

Eremita schleicht sich in ihren „Abwesenheiten“ davon. Manchmal verwendet sie unpassende Wörter, die ihren Status übersteigen und von der Erzählerin als „geliehene, klischeehafte Ausdrücke“ gerügt werden.

Es gibt eine Sehnsucht des Personals nach großen Worten.

„Ich fürchte all die großen Worte, die uns so unglücklich machen“, sagt Joyce.

Die Erzählerin bescheinigt ihrer Heldin eine leere Tiefe; eine ozeanische Verschwendung geistiger Verwendungsmöglichkeiten. Auch an dieser Stelle macht sich wieder ein narrativer Kummer bemerkbar, der mich aufhorchen lässt und mir zu denken gibt.

So sehe ich es: Lispector beschreibt einen Kreis, der auf einer älteren Skizze bereits vorgezeichnet wurde. Sie kennt das Ergebnis, bevor sie den Zirkel ansetzt. Das entspricht einer leeren Bewegung. So leer wirkt dann auch Eremita mit ihren Tugenden und Eigenarten; so als habe dergleichen nur bei selbständigen Personen Relevanz; als sei Eremitas duftendes Wesen an ein Hausmädchen verschwendet.

Spätestens jetzt muss man sich vor Augen führen, dass Eremita im Jetzt der Erinnerungs- und Imaginationsumgebung schon lange keinen Raum mehr hat. Die Erzählerin erinnert die Bedeutungslosigkeit an sich. Erst riecht sie an einer parfümierten Fluse. Dann schnippt sie sie weg.

Ein Gesicht der Sanftmut

Die dienende Begabung hypostasiert sich in den Selbstverkleinerungen von Robert Walser

Innere Mächtigkeit

Gestern kam ein Buch mit der Post, das ich nicht bestellt habe. Der Name der Autorin sagte mir nichts; doch schon die flüchtigsten biografischen Hinweise schufen eine wilde Verbindung zu meinem Interesse. Sehen Sie selbst:

Eingebetteter Medieninhalt

Clarice 'Chaya' Lispector kam 1920 im ukrainischen Tschetschelnyk als jüngste von drei Töchtern russisch-jüdischer Eltern auf die Welt. Ihre Mutter, so Wikipedia, war von einem russischen Soldaten vergewaltigt worden. Die Familie flieht vor Pogromen via Hamburg nach Maceió. In Brasilien ... Dazu vielleicht morgen mehr. So wie ich Richard Fords jüngste Kurzgeschichtensammlung Text für Text durchgehe, so werde ich das auch mit Lispectors episodischer Prosa machen. Ich ziehe die Titelangaben vor:

Clarice Lispector, „Aber es wird regnen“, Erzählungen, aus dem brasilianischen Portugiesisch von Luis Ruby, herausgegeben von Benjamin Moser, Penguin Verlag, 281 Seiten, 22,-

Der erste Beitrag folgt der Besprechung von Fords 'Ein Amerikaner in Paris'-Variation „Jimmy Green, 1992“. In der Nacht von Bill Clintons Wahlsieg kriegt der in Paris vor sich hin vegetierende Ex-Bürgermeister einer Louisiana-Kleinstadt, ein Mann ohne Southerner-Apppeal und innere Mächtigkeit, die Fäuste eines frustrierten Republikaners zu spüren. Widerstandslos geht Jimmy zu Boden. In der Stunde nach dem Niederschlag wird ihm Sex auf die gleichgültigste Weise offeriert. Das sind zwei Ansagen des Lebens mit einer Aussage. Jimmy, du bist im Eimer. Aber was ist mit Eremita los? Sie spielt die Hauptrolle in Lispectors Epiphanie „Das Hausmädchen“.

*

Die Prosa von Clarice Lispector trifft den Leser stets unvorbereitet. Sie bewahrt ihr Geheimnis und hört deshalb nicht auf, überraschend zu sein. Ihre Strudel fesseln den Erfassten. Er verliert sich wie in Labyrinthen.

Die Erzählerin betrachtet eine Neunzehnjährige. Sie erkennt das vertrauensvolle Wesen auf einer Achse nicht prekärer Unvollkommenheit. Sie zitiert die Mitesser im Gesicht der Sanftmut. Sie spricht über ein Dienstmädchen. Es heißt Eremita.

Die Magd ist eine Ikone der Moderne. Joyce vergleicht Irland mit dem zerbrochenen Spiegel eines Dienstmädchens. Das Spiegel-Sujet geistert durch die Literatur, so wie die Perlen und guten Geister bürgerlicher Haushalte. Schlafwandelnde Halbsklavinnen, die in Verschlägen untergebracht sind, die die Maße begehbarer Kleiderschränke unterschreiten. Oft ist die Speisekammer größer als die Schlafstelle für das inkorporierte Gesinde.

Uralte Unterscheidungen zwischen Haus & Feld

Uralte Unterscheidungen zwischen nah & fern (der Herrschaft) steigen aus dem Gedächtnisbrunnen auf. Um dem inneren Ansturm gerecht zu werden, müsste ich schneller schreiben können. Meine Mutter ging als Au-pair nach London. Aus Trotz. Ein Tyrann war ihr Vater, der sich als mein Großvater von seiner Schokoladenseite zeigte. Die Tochter eines halbalphabetisierten Elektrikers, der als Gummiwarenhändler einen Millionär aus sich gemacht hatte, unterwarf sich lieber dem Regime einer Middle Class-Engländerin, die sich das Frühstück und die Zeitungen ans Bett bringen ließ. Die Nachlässigkeit der Hausherrin blieb ein Punkt in den Kolportagen. Der Gatte griff archaisch nach der niedrigen Frau in seinem Territorium.

Meine Mutter lernte Englisch. Sie schrieb Schulhefte voll in einer manierlichen Handschrift. (Man war in seiner Handschrift zuhause, während die Kammern vor Kälte glühten.) Nichts lief gut, aber am Ende von England, soweit es meine Mutter betraf, hatte sie immerhin mich. Mir gefiel die Pariser Au-pair-Persönlichkeit meiner Großeltern. Wir haben schon oft über Edith geredet. Sie war so schön katholisch und ging mit unserem Schäferhund Arno zur Andacht. Sie sonnte sich nackt vor den Augen der Kleinstadt. Das galt Jahrzehnte als Gipfel der französischen Lebensart in den Erzählungen meiner Großmutter.

Vor Kurzem las ich die historisch verbürgte, von Christina Hesselholdt literarisierte Geschichte eines eigensinnigen Dienstmädchens - Vivian Maier.

Christina Hesselholdt, „Vivian“, aus dem Dänischen von Ursel Allenstein, Hanser Berlin, 21,-

Aus der Ankündigung

Als sie im Jahr 2009 stirbt, ist Vivian Maier (1926 – 2009) eine einsame, verarmte Frau, die praktische Männerschuhe bevorzugte und skurrilerweise ständig eine Kamera bei sich trug. Kurz darauf avanciert sie posthum zur genialen Straßenfotografin: In ihrer Wohnung findet man einen riesigen Bilderschatz – an die 200.000 Fotos hat Vivian Maier über die Jahre aufgenommen, die meisten davon jedoch nie entwickelt. Wer war diese Frau, und was hat sie dazu bewogen, ein fotografisches Werk zu schaffen, ohne es je sichtbar zu machen? In Vivian geht Christina Hesselholdt der Faszination dieses Mysteriums nach. Ihr Roman ist ein vielschichtiges, zutiefst inspiriertes literarisches Porträt einer radikal unabhängigen Frau.

Die dienende Begabung hypostasiert sich in den Selbstverkleinerungen von Robert Walser.

07:50 18.10.2020
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