One little thing changes everything

Karate There is nothing little in a fight, sagten die Alten so freundlich, dass man nicht glauben konnte, wie unbedingt sie zur Sache kamen, wenn der Kampf da war.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Auf der Suche nach den Ursprüngen einer Kunst, die ihre Kraft einigen Missverständnissen verdankt.

Eingebetteter Medieninhalt

Ich kenne Karateka, die ein philosophisches Verhältnis zum Fauststoß haben. Stichwort: The foundation of all practise is Tsuki (Fauststoß). The basic of the system is a direct punch. Das fände ich nach fünfundvierzig Jahren Training vermutlich nicht mehr erwähnenswert, hätte ich nicht auf drei verschiedene Weisen effektiv zu schlagen gelernt. Im westlichen Boxen stört die Führhand die Verteidigung des Gegners (normalerweise der Wurmfortsatz einer Abwehr) und die gute Hand, wie wir als Kinder sagten, geht direkt auf die Zwölf und bringt den Niederschlag. In dem Gong-fu, das ich gelernt habe, einem White Crane Ableger, gibt es kein Pendeln und keine Vorarbeit. Idealerweise arretiert die Hüfte in einem fast statisch wirkenden, tatsächlich dynamischen Einsatz von Hand, Hüfte und Fuß. Man reagiert schlank auf den ersten gegnerischen Angriffsimpuls (ohne den Impuls können wir uns nicht optimal entfalten) als gäbe es nur eine Richtung auf der Welt. In den mir bekannten Karate Stilen und im Taekwondo erscheint der Einsatz der Hand im Vergleich zu den erwähnten Systemen unterkomplex. Man kann sich mit einfachen Übungen eine beeindruckende Schlagkompetenz aneignen und dann fragen, was das soll. Ich verbreite noch einmal ein paar von den Meistersätzen meiner Jugend: If you want to learn how to hit hit.

So lief das ab. Im Karate ist tausend eine kleine Zahl, soweit es um Wiederholungen geht. Zugleich gibt es tausend Techniken und die meisten sind aufregender als ein gerader Fauststoß. Trotzdem wird da, wo Karate mit Wertvorstellungen verbunden ist, Wert auf die Grundtechniken gelegt. Deren König ist ein gerader Fauststoß zur gegnerischen Mitte. Ich erzähle euch heute, warum das so ist. When martial art was part of real life down meant death. All die Grappling Artisten der Gegenwart, die Gracie Jünger im Brazilian Jiu-Jitsu Rausch wären in den Zeiten der zur Waffenabstinenz verurteilten Okinawa Te Virtuosen nicht zu ihrem Stoff gekommen. Das älteste Wort für die auf Okinawa in einem kulturellen Vorfeld ansatzweise japanisierte chinesische Kampfkunst ist Te. Te heißt Hand. Es gibt eine Elaboration - Chinesische Hand. Um das Gleichgewicht nicht zu riskieren, wurde nicht höher getreten als normalerweise geschlagen wurde, also zur Mitte. Die Schlichtheit dieses Konzepts leuchtet nicht einfach ein. Egal. Heute kann man in einem Kampf zu Boden gehen und muss trotzdem nicht sterben. One little thing changes everything. Die Aufhebung der Gleichsetzung von am Boden und tot hat zu einer Konfusion im Karate geführt, die man Sport Karate nennt. Diese Mutation passt nicht zur Genese. Das beschäftigt alle, die sich mit Karate beschäftigen.

18:04 30.03.2018
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare