Parental Investment*

Richard Dawkins bezieht sich auf Robert Trivers, der Opportunitätskosten und Brutpflege kontextualisiert: „Die Investition in ein Kind wird gemessen als entgangene Gelegenheit, in ...“
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*„Elternaufwand bezeichnet in der Evolutionstheorie (jede elterliche Anstrengung, die Nachkommen einen Fitnessgewinn beschert).“ Wikipedia

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Richard Dawkins schweift gern ab, und ich folge ihm gern in die Steppen des Gesellschaftlichen, wo ausgewachsene Spitzenprädatoren den Academia-Kuchen an einem Tagungstresen konspirativ tranchieren. Es geht um „unbefristete Verträge und Forschungsstipendien“ und um den Finger am Entscheidungsabzug. Natürlich rechnet sich Dawkins unter die rühmlichen Ausnahmen der nur mit Wissenschaft befassten Wissenschaftler:innen, zu denen er ferner John Maynard Smith zählt.

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*„Elternaufwand bezeichnet in der Evolutionstheorie (jede elterliche Anstrengung, die Nachkommen einen Fitnessgewinn beschert).“ Wikipedia

Dawkins bezieht sich aufRobert Trivers, der Opportunitätskosten und Brutpflege kontextualisiert:

„Die Investition in ein Kind wird gemessen alsentgangene Gelegenheit, in andere Kinder zu investieren.

Genüßlich schildert Dawkins den zwischen Mutter und Kleinkind ausgetragenenEntwöhnungskonflikt*, den man gut und gern auch als Gewöhnungkonflikt an die rauen Verhältnisse bei uns auf der Erde bezeichnen kann.

*„Nach einer soziobiologischen Theorie sollte ein Säugetierweibchen sein Kind solange stillen, bis dies mehr Einbußen an Reproduktionspotential erfordert, als es an Fitness … bringt.“Quelle

Nicht gesondert gekennzeichnete Zitate stammen ausRichard Dawkins' AutobiografieDie Poesie der Naturwissenschaften

Der „Krieg der Generationen“ koinzidiert mit dem „Krieg der Geschlechter“.

„Männchen und Weibchen berechnen ihre Opportunitätskosten ganz unterschiedlich.“

Dazu später mehr.

Immunisieren und infiltrieren

Dawkins schweift gern ab, und ich folge ihm gern in die Steppen des Gesellschaftlichen, wo ausgewachsene Spitzenprädatoren den Academia-Kuchen an einem Tagungstresen konspirativ tranchieren. Es geht um „unbefristete Verträge und Forschungsstipendien“ und um den Finger am Entscheidungsabzug. Natürlich rechnet sich Dawkins unter die rühmlichen Ausnahmen der nur mit Wissenschaft befassten Wissenschaftler:innen, zu denen er fernerJohn Maynard Smithzählt.

Smith entwickelte die Idee von einerEvolutionär stabilen Strategie

„Eine ESS gewährleistet in einer Population die Überlegenheit beziehungsweise Immunität gegenüber einem Eindringling oder „Mutanten“. Wenn es einem Eindringling gelingt, sich mit seiner eigenen, fremden Strategie zu behaupten, spricht man von einer Invasion.“ Wikipedia

Auf dem Glatteis der Höflichkeit

Alle Verkehrsfähigen sind am Spiel beteiligt. Im besten Fall sind wir gleichzeitig invasiv und defensiv; Agent:innen sowohl in bewahrenden als auch in progressiven Missionen.

Dawkins begegnete Smith zuerst 1966 an der Universität von Sussex. Der Ältere führte in seiner Eigenschaft als Dekan ein Einstellungsgespräch mit dem Newcomer, der schon auf dem Sprung nach Kalifornien war, und sich in Sussex nur die Gründe für eine transatlantische Veränderung bestätigen lassen wollte. Smith parierte eine gleichermaßen hochmütige und ungehobelte Manier mit Noblesse. Er zog Dawkins auf das Glatteis der Höflichkeit.

Aus der Vorschau

Richard Dawkins erzählt die Geschichte seines Lebens — von der Kindheit im kolonialen Afrika über sein Studium in Oxford bis zur Karriere als einer der einflussreichsten Wissenschaftler weltweit. Er berichtet von seiner Ankunft im Flower-Power-Kalifornien der 60er Jahre, von der Party zum 42. Geburtstag seines Freundes Douglas Adams, den freundschaftlichen Streitgesprächen mit dem Erzbischof von Canterbury, von bahnbrechenden Erkenntnissen in der Evolutionsbiologie und seiner großen Liebe zur Lyrik.

Richard Dawkins ist nicht nur ein herausragender Naturwissenschaftler, er ist auch ein begnadeter Erzähler. Anhand seines weitverzweigten Familienstammbaums erklärt er die Vererbungslehre, und die Entwicklung der Theorie des egoistischen Gens wird bei ihm zum Wissenschaftsthriller. Wenn er beschreibt, wie er vom Gläubigen zum Atheisten wurde, versteht man, welche Rolle Religion für den Menschen spielt.

Gene als Zeitreisende

Alles vergeht, so sagt es Richard Dawkins, nur die Gene vergehen nicht. Ihre Zeitreise führt sie durch viele Transporter. Daheim sind sie in der geologischen Zeit.

Eingebetteter Medieninhalt

In seiner Autobiografie schildert Richard Dawkins das zeitgeschichtliche Milieu, indem das Egoistische Gen entstand. Nach Jahren in Kalifornien als Teil des Anti-Vietnamkriegsestablishments lebt Dawkins Anfang der 1970er Jahre in einem von sozialen Spannungen aufgeladenen Großbritannien. (Niemand wird sich mehr daran erinnern, dass unter Edward Heath Strom kontingentiert wurde.)

Dawkins beobachtet Reaktionen auf die Streiks der Bergarbeiter; der Spiegel titelt: England vor dem Stillstand. Man diskutiert über Egoismus, Altruismus und den Gesellschaftsvertrag so, als gäbe es eine natürliche Basis für die Begriffe im Geist einer vernünftigen, den Fortschritt gutmütig vorantreibenden Evolution. Es drängt den Wissenschaftler, populistisch-klischeehafte und offensiv falsche Vorstellungen auf breit und breiig getretenen Allgemeinplätzen von dem Evolutionsmotor natürliche Selektion systematisch zu korrigieren. Dawkins beginnt mit der simplen Feststellung, dass die natürliche Selektion ohne Vorausschau stattfindet. Deshalb kann sie kein Werkzeug eines Schöpfungsplans sein, demzufolgen, „alles zum Besten in der besten aller möglichen Welten“ bestellt wäre.

Sie sorgt auch nicht dafür, dass ein Spezies an Deck bleibt. Sie kümmert sich nicht ammenaltruistisch um das Wohlergehen der Pinguine.

Dawkins erklärt: „Um das Überleben der Gruppe geht es bei der natürlichen Selektion nicht.“

Die natürliche Selektion begünstigt blind jeden kurzfristigen Vorteil, indem sich eine Generation mit solchen Individuen bemustert, „die (im historischen Augenblick) alles Notwendige getan haben, um Nachkommen effizienter hervorzubringen als andere“. Bei diesem Transfer ist alles vergänglich außer den (potentiell unsterblichen) Genen. Also, so Dawkins mit der Brechstange, kann es doch nur um die Gene gehen. Sobald sie in einem Transporter verladen wurden, geht ihre Zeitreise weiter. Sie endet indes, wo immer die Fortpflanzungskette abbricht.

„Eine Population ist kein ausreichend distinktes Gebilde, um als Einheit der natürlichen Auslese zu dienen.“

15:39 20.08.2021
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