Pariser Operettengestalt

#Leben Zu offensichtlich versucht Consuela den Ton der Ära Sagan zu treffen. Bonjour Tristesse auf jeder Seite.
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Consuela glaubt, dass Gott ein Auge auf sie geworfen hat. Die Narzisstin erschafft sich ein literarisches Ebenbild von Deneuver Schönheit. Dauphiné Fleur de Chapeaurouge fährt auf den teutonischen Verstörer Beuys ab. Fleur hält ihn für einen aktualisierten Baal.

Sie traktiert Beuys mit Brecht. (Der reale Beuys soll deshalb amüsiert gewesen sein. Ich kann mir das nicht vorstellen.)

„Manchmal glich Brecht dem Gott, den er geschaffen hatte.“ Erwin Strittmatter

„My english is bad but my german is better.“ BB

„Wenn man Brechts pornografische Gedichte liest, fällt auf, daß er immer wieder die Notwendigkeit des Duschens nach dem Beischlaf betont. Baal sagt: 'Die Verbindung von Harnröhre und Geschlechtskanal – so etwas konnte nur einem Schwein einfallen.'“ Heiner Müller

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Zu offensichtlich versucht Consuela den Ton derÄra Saganzu treffen.Bonjour Tristesseauf jeder Seite. Ihr Alter Ego referiert mit existenzialistischem Schmollmund.

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Die aus Perpignan gebürtige, mit den (ursprünglich kastilischen) Vanderbrasis verwandte Consuela Hitchcock widerfuhr das Missgeschick, vom eigenen Mann, einem in Frankreich verliebten Öl-Amerikaner, in die Invalidität chauffiert worden zu sein. Nun sitzt man das Leben in Paris und Cannes ab. Als Hauptstadtrefugium dient ein verwitterter, in den Annalen der Großen Revolution vermerkter Familiensitz. Consuela schmückt ihr Romandebüt, Aufzeichnungen einer Gelangweilten, mit der illustren Historie. Zu offensichtlich versucht sie den Ton derÄra Sagan zu treffen.Bonjour Tristesseauf jeder Seite. Ihr Alter Ego, die strahlende SchönheitDauphiné Fleur de Chapeaurouge, stellt ihre Leichtigkeit strategisch zur Schau. Fleurs Liebhaber beweisen Stil sogar in der Badehose. Im flatternden Hawaiihemd, das Baguette unterm Arm, die Gitanes im Lippeneck begeben sie sich in der Sommerfrische auf schneeweiß-laufstegartigen Kais zu ihren Yachten, wo Brigitte Bardots so blond wie brünett sie rauchend-gelangweilt erwarten. Yves Klein verblaut das Konzept. Auch Picasso und Giacometti gehören zur ästhetischen Phalanx.

Dolce Vita auf französisch. Consuela kultiviert das Ennui der glücklich Beschränkten. Sie bleibt eine Operettengestalt, auch noch, als man sie mit Colette vergleicht.

Consuela glaubt, das Gott sie besonders reizend findet. Für sie ist Gott eine Mischung aus ihrem Vater und ihrem Mann; in jedem Fall ein alter weißer Mann mit guten Connections. Gott bittet sie zum Diktat. Die Consuela-Hitchcock-Romane sind, so wird die Autorin nicht müde es zu sagen, Kollaborationen mit dem Chef von allen.

03:19 13.07.2021
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