Philosophische Pose

Selbstverteidigung Thinking Man versus The Fence – Was ist besser?
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Der Ausbilder zeigt sowohl den Zaun (Fence) als auch den Denker (Thinking Man). Er macht das gut und erklärt es auch gut. - Und er sieht genauso aus, wie all die Leute, die sich nicht zu helfen wissen.

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Der menschliche Körper ist eine Waffe. Körperfremde Waffen sind Erweiterungen, Verlängerungen und Verschärfungen. Man muss körperfremde Waffen komplett in sein Körperkonzept integrieren; sie nutzen sonst dem Gegner. In der Regel hat man keine körperfremden Waffen zur Hand, um jetzt nicht von den Chancen der Kugelschreiber, Schlüssel, Gürtel und Schals anzufangen. Auch obsolete Kopfhörerstrippen eignen sich.

Bleiben wir beim Körper. Eine Selbstverteidigung, die den Namen verdient, lässt sich im Training nicht vollständig simulieren. In einem Kampf ergibt sich der einzige Vorteil aus dem Überraschungsmoment. Sie müssen bei einem Überfall selbst überfallartig angreifen – Initiative in der Verteidigung – und sich kontraintuitiv in einen Angriff hineinbegeben.

Sie sind nicht der überlegene Athlet, der mit seiner Statur Eindruck schindet und seinem Gegner eine fehlerhafte Auffassung vom Kampf aufzwingen kann, weil er wie ein Sieger wirkt. Sie sind kein Magier, der seinen Gegner manipulativ entwaffnet und einfriert/lähmt. Sie wissen nicht, wie man sich fremde Kraft aneignet.

Sie beeindrucken niemanden. Ihnen bleibt nur Realness. Da zeigt sich die Rodin nachempfundene Figur des Denkers meines Erachtens der Philosophie des Zauns aka Fence überlegen. Mit dem Zaun können Sie Außenstehenden suggerieren, sich einer Zumutung und Distanzunterschreitung zu entziehen (man unterstützt den Zaun verbal mit dem Zuruf: Kommen Sie mir nicht zu nah. Halten Sie bitte Abstand) während man angreift. Die Unterarme verstellen den Rumpf so, dass Schwinger Ihrem Kopf nicht gefährlich werden können.

Combat Lösungen haben keine moderierenden Komponenten. Sie sind Sportlern fremd. Ein Kampfsportler, der sich in einer Kneipe dazu entschließt, ein Angebot anzunehmen, wird sein Bierglas erst abstellen, bevor er zuschlägt. Ein zur Kompromisslosigkeit Erzogener wird mit dem Glas zuschlagen, nicht des Effekts wegen, sondern um keine Zeit zu verlieren.

Tempo toppt Technik.

Beim denkenden rechtshändigen Mann stützt die linke Hand den rechten Ellbogen und die rechte Hand untersucht/stützt das Kinn. Sie schützen so das Kinn und den Kehlkopf und schaffen die Voraussetzungen dafür, von ihrer Centerline starten zu können. In Erwartung eines Angriffs erscheinen sie kontemplativ und als Antipode des Aggressors.

Ob man nun den Zaun einsetzt oder die Figur eines Denkenden verkörpert, so oder so gibt es bei der offensiven Verteidigung nur wenige Ziele. Ich nenne das Trommelfell, den Kehlkopf, das Kinn, den Kiefer und das Herz. Eingesetzt werden Handflächen, Ellbogen und Faustrücken.

Gelegentlich mehr dazu.

18:06 28.05.2018
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