Puma Park

Musubi-Dachi Bewege dich nur, wenn ein Vorteil zu erringen ist. Sunzi
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Als Lehrerin kam Puma Park nach Megapolis

Eingebetteter Medieninhalt

An einem Vormittag, der sich wie aufgeweichte Pappe anfühlt, referiere ich vor meinen Schüler*innen hessische Landesgeschichte in der fränkischen Zeit. Der Gestank von Generationen hängt im Klassenzimmer und kulminiert in Assoziationen zu einem alten Käse. Man müsste den wilhelminischen Kasten abreißen, um den Schulgestank loszuwerden.

Die Schüler*innen ächzen unter dem Joch der Adoleszenz. Ich möchte mit ihnen nicht tauschen. Das Ende der Stunde ist auch für mich eine Erlösung.

Achim bleibt zurück, er sucht meine Aufmerksamkeit. Ich zucke zurück. Ich sehe Achim nicht gern an, er ist zu schön – ein Claus Schenk Graf von Stauffenberg und genauso hochfahrend wie ich mir den Grafen als Knaben im Kreis der Stefan George Jünger vorstelle. Achim gehört zu jenen, die gegen das revoltieren, woran ihr Herz hängt.

Er trägt Kniebundhosen und spielt Ziehharmonika.

Ich habe Angst vor Achim, das wird mir gerade klar.

Er sagt: „Ich möchte anregen, dass wir über den Vorfall in Gwangju reden. Das finde ich wichtiger als Ihre germanischen Märchen.”

Die Zurechtweisung sitzt. In Gwangju wurde ein Schulleiter wegen sexueller Belästigung einer Lehrerin suspendiert. Nachdem starre Hierarchien Jahrhunderten garantierten, dass in den koreanischen Unterordnungsverhältnissen als erotische Missionen euphemisierte Übergriffe zu den männlichen Vorrechten gezählt wurden, die Frauen hinzunehmen hatten, ist nun ein Hochgestellter von einer Subalternen dem totalen Gesichtsverlust ausgeliefert worden.

„Das ist eine vortreffliche Idee”, sage ich vor Angst gespreizt und angeekelt von meinem Opportunismus. Ich siede im Selbsthass.

Achim geht ab wie ein Engel in der Weihnachtsaufführung und ich weiß nicht, was er denkt und fühlt, und wie gefährlich er mir werden kann.

Narrativer Liebesdienst

Die Verhältnisse ordnen sich neu, denke ich im Treppenhaus, und es ist egal, wie ich dazu stehe, es geschieht einfach. Was jahrelang üblich war, ist jetzt kriminell. Als ich in Achims Alter war, fand es die Frau meines väterlichen Freundes (und Biologielehrers) nicht anstößig, meine Lust zu wecken und für sich einzusetzen. Jahrelang hielt mich Erna Schimsky in einem weitgehend unbesprochenen Verhältnis als Liebhaber. Ich verstand die Sache als bürgerliches Arrangement. Als ich mich dann unter tausend Vorwänden an ihre Tochter Vera heranmachte, führte das nicht zum Abbruch der Beziehungen. Ich verkehrte weiterhin im Haus Schimsky. Ohne Veras (meiner Vertrauen erheischenden Stellung im familiären Gefüge geschuldeten) Arglosigkeit wäre ich um die größten Schätze meines Lebens gebracht worden. Heute würde meine Hinterhältigkeit als Delinquenz bewertet. Damals war es noch nicht mal Devianz.

Ich rede darüber mit Vera. Sie zitiert etwas Schmeichelhaftes aus ihrem Werk Gelnhausen im Spiegel der Jahrzehnte. Ich glaube nicht, dass es für Vera je so schön und außerordentlich war wie für mich. Ich quittiere die Schilderung als narrativen Liebesdienst. Dann reden wir weiter über Handkes neues Buch „Die Obstdiebin oder Einfache Fahrt ins Landesinnere”.

Follow the force

Die Kampfkunstschülerin durchläuft drei Phasen. Zuerst lernt sie auf der Grundlage von Techniken zu kämpfen (anstatt unwillkürlich vorzugehen). In diesem Stadium stehen die Studienfächer (eigene, fremde und generelle) Schwachpunkte und Balance auf dem Lehrplan. Dann lernt die Schülerin die Funktionen der Kontrolle (über ein Kampfgeschehen). Lässt sich keine Kontrolle erlangen, löst sich frau von der Gegnerin. Beachte diesen Punkt im Folgenden.

Bis dahin ist alles Kindergarten. Wer sich nicht weiterentwickelt, hat eine Chance vertan. Die dritte Phase erschöpft sich in der Aneignung feindlicher Kraft. Frau beraubt die Gegnerin ihrer Möglichkeiten, so dass die Gegnerin auf Bewährtes nicht zurückgreifen kann. Dies versteht nur, wer versteht, dass sich jedes gekonnte Kampfverhalten als Angriff darstellt. Es bleibt falsch zu sagen, lass die Gegnerin mit all ihren Möglichkeiten kommen. Sie muss früh eingeschränkt werden, so dass sie bereits eingeschränkt (und von dir kontrolliert) angreift. Ihr offensichtlicher Angriff folgt deinem verdeckten Angriff. Der Angriff ist ihr Verhängnis und deine Chance.

Eine Versierte greift ohne Kontrolle und Überlegenheit nicht an. Sie zieht sich zurück und gewinnt mit der Distanz Zeit.

Das alles lernte Kanon Takeshi aka Puma Park (Parkpuma) von Honoka Yukishiro Sensei in einem himmlischen Dōjō. Um es zu erreichen, musste man sich von einem Hubschrauber abseilen.

Honoka Yukishiro Sensei unterrichtete in einem Wolkentheater. Die Natur ließ es sich nicht nehmen, dramatisch aufzutreten. Sie überwältigte die Schülerinnen in Tateinheit mit Honoka Yukishiro Senseis charismatischer Erscheinung. Alles war Fludium, Sendung, Zen – archaisch und aristokratisch. Kanon Takeshi verwandelte ihre Unzulänglichkeit in Karate und Naturverbundenheit. Sie verlor ihr armes Ich an den Kosmos. Sie vermählte sich mit der Leere und gelangte in einen guten Stoffwechselkreislauf.

Die Koreanerin verbarg ihren katholischen Glauben vor den japanischen Buddhistinnen, die sie nicht von ganzem Herzen zu ihrer Nonnengemeinschaft zählten. Frau verging sich an ihr, indem frau sie abergläubisch zur Fehlerquelle erklärte. In einer so hierarchischen, auf die bedingungslose Hinnahme von Vorgegebenem ausgerichteten Gesellschaft wie der japanischen, fallen cum und post hoc ergo propter hoc Fehlschlüsse nicht auf. Kanon Takeshi war die Rabin, die den Tod ankündigt. Frau durfte ihr auch nicht von links nach rechts über den Weg laufen, ohne ein Unglück heraufzubeschwören. Fiel eine antike Tasse der Unachtsamkeit zum Opfer oder zog ein Ofen nicht richtig, hieß es hinter vorgehaltener Hand, Schuld daran trüge allein Kanon Takeshi. Politiker und Geschäftsmänner, die in der klosterförmigen Karateschule das Japanische in seiner ursprünglichsten Form suchten, spielten in Kanon Takeshis Gegenwart auf jugun ianfu an, auf die koreanischen Trostfrauen der kaiserlichen Militärmaschinerie. Das korrumpierte Kanon Takeshi. Sie begriff den geistigen Überbau und die Charakterschule nicht mehr als das Wesentliche des Unterrichts und nickte die oft schwallesken Erklärungen nur noch ab. Ein Jucken begann sie zu plagen. Honoka Yukishiro Sensei gab ihr ein Pulver und das Jucken hörte auf. Eine Reihe von Krankheiten versuchten sich bei Kanon Takeshi einzunisten. Als gute Äbtissin schickte Honoka Yukishiro Sensei die Krankheiten weg, in liebloser Fürsorge. Es kam der Tag, da fand Honoka Yukishiro Sensei es nötig, der Außenseiterin den Abschied nahezulegen.

Kanon Takeshi fühlte sich verstoßen. Sie trat eine Weltreise an, die in Gelnhausen endete. Sie ist nun zweiundvierzig und 1. Vorsitzende der KFL (Katholische Feministische Liga). Sie paktiert mit dem Berliner Institut für aggressiven Humanismus, dem Rotterdamer Centrum voor gezondheid und Ayats südhessischer Russengang. Ihre Bibel ist ein Regelwerk zum Gaslighting des Kriminellen Phil Deppert. Deppert (ermittlungskurz „Depp“) erklärt in seinem Weißbuch der Schwarzen Hand wie man Leute in den Wahnsinn treibt. Er hat Gaslighting zum Ausbildungsberuf gemacht. Ihm auf den Fersen sind Jakarta Arizona, Grandslam Coogan, Texas Thunderbolt, Angel Burroughs und Tillmann Koslowski in einem TRD-Team. Apokalypse Now TV (ANT) hat die Weltrechte an der Verbrecherinnenjagd erworben. Deshalb müssen die Sonderermittlerinnen erst in die Maske, bevor sie ausrücken. In der TRD wird alles auf weiblich gedreht. Die männliche Anrede entfällt so wie jedes Maskulinum. Dies geht auf eine Anregung von Texas Thunderbolt zurück. Er ist das Genie der Truppe, ein gutaussehender Unsterblicher undsoweiter.

Kanon Takeshis Radikalisierung nahm ihren Anfang in der katholischen Arglosigkeit ihres ersten Lehramtes. Dies geschah in Incheon, einer Metropole im koreanischen Nordwesten. Der Schulleiter …

16:36 09.02.2018
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