Resilienz

#Leben Resilienz ist „Supernormalität“. Supernormale okkupieren ihre Wut ...
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Niemand weiß, wie viel Energie manche Leute investieren, nur um normal zu sein. Albert Camus

Resilienz ist „Supernormalität“. Supernormale okkupieren ihre Wut (die von Freude ohnehin nicht so weit weg ist, wie man landläufig annimmt), um sich da fähig zu fühlen (zu ermächtigen), wo andere Ohnmacht erleben. Unbewusst ergreifen sie Chancen, die ihre Desaster transportieren. Das Gelingen setzt sich im Scheitern fort; nur nicht für jeden. Das ist der sozialevolutionäre Swing. Er erlaubt es uns, schmerzhafte Erfahrungen zu veredeln. Silvia Plath sah ihren Vater sterben, da war sie neun.

„Diese neun Jahre sind verschlossen wie ein Schiff in einer Flasche – wunderschön … ein feiner weißer fliegender Mythos.“

Nach diesem Schema lassen sich Verluste in Gewinne verwandeln. Ein Vater wird nach seinem Ableben zum Ahnherrn eines Mythos. Er nutzt sich nicht weiter ab im Alltag. Mit ihm verbinden sich keine Enttäuschungen mehr. Der Vorgang beschreibt die Transformation einer Person in eine Erzählung. Arizona Pelham versammelt diskursiv eingehegte Beispiele solcher Umwidmungen. Ihre Heldinnen heißen Mara, Maya, Manuela und Martina. Derer Supernormalität bildet sich nicht selten (gleichsam nebenbei, denn darum geht es nicht,) in Hochbegabungsprodukten ab.

Eine Mutter verlässt ihre Familie und eine Tochter wird damit fertig, indem sie sich die Liebe für die Abtrünnige bewahrt. Sie zieht ihre Erinnerungen nicht durch eine Jauche der Missachtung. Darin liegt die Stärke, die es einer Resilienten erlaubt den Rahmen passend zu machen, so dass sie in der Normspur bleibt.

Das funktioniert auch dann, wenn Eindrücke so stark sind, dass sie Bremsspuren im Gehirn zurücklassen.

„Fast eine Narbe im Hirngewebe:“ so formuliert es William James der Ältere 1890. Das Bild bestätigt Jean-Martin Charcot: „Schockierende Ereignisse“ können „geradezu verzehrend“ sein, „als wären sie Parasiten des Bewusstseins“. Freud meldet, dass manche Analysanten „größtenteils an Reminiszenzen“ leiden.

Die Kriege des XX. Jahrhunderts lieferten der Forschung die Erkenntnis, dass Liebeskummer so schwer wiegen und ebenso bewusstseinsverändernd wirken kann wie Kriegsgrauen. Entscheidend ist der Informationsgewinn: Wir sind nämlich nicht auf Glück abonniert, sondern aufs Überleben. Deshalb prägen sich uns schlechte Erfahrungen tiefer ein als gute. Wer das weiß, kann sich vor Trugschlüssen bewahren.

Gleich mehr.

14:32 11.02.2021
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