Rundbrief

Skizze eines Konflikts Von dem Versuch, ein Schreibverbot mit der Faust durchsetzen zu lassen
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community
Damit es hinterher nicht heißt, wir haben doch von nichts gewusst, liefere ich nun die Skizze eines Konflikts, in dem ich seit Monaten bedroht werde. Im Dezember 2014 erhielt ich im Abstand von wenigen Tagen Drohungen im Betreff einen Rundbriefs, der Veranstaltungen in Berlin ankündigt und sich „Stimmenrausch“ nennt. Presserechtlich verantwortlich ist Max Pfeifer. Den Drohungen folgte der drohende Auftritt eines Mannes hinter der Volksbühne, den ich zuvor bereits im Schlosspark von Niederschönhausen gesehen hatte. Er hatte mich beobachtet und war just in dem Augenblick auf einem Fahrrad abgefahren, als Frau X. den Hauptweg passierte. Zwei Tage nach der für den Drohenden unbefriedigend verlaufenden Begegnung im Schatten der Volksbühne, erschien auf „Stimmenrausch“ ein rassistisches Gedicht, das von der Frustration des Drohenden berichtete. Ich nenne es das „Negerlümmelgedicht“. Es folgte bald ein Gedicht, das sowohl rassistische Elemente hat als auch im Ganzen eine Drohung darstellt.
Eine Probe - "stimmenrausch" - stimmenrausch@pfeifer.de

"dem multikultigehechselten

kulturrevolution an den hals

countryniggers as a cuss

u bloody stummelschwanz

all inclusive fuck u can reach".

In der Zwischenzeit beobachtete mich der Mann wieder im Schlosspark und wieder fuhr er ab, als Frau X. in Begleitung einer Frau die Schlossparkachse überquerte. Daraufhin schrieb ich Frau X., sie solle den Schläger aus dem Schlosspark abziehen. Ich bekam keine Antwort, dafür tauchte der Mann ein paar Tage später in einer Kneipe auf. Wir verbrachten einen angenehmen Abend, er war mir sympathisch und ich war bereit, die Sache zu vergessen. Doch weder er noch „Stimmenrausch“ ließen locker. Ich hatte, ich habe keine Idee, mit welchem Ziel diese Beharrlichkeit verbunden ist. Ich vermute den Ausgangspunkt des Konflikts in einem Text, den ich geschrieben habe, und der Frau X. nicht passte. Doch wird auch ihr es nicht gelingen, ein Schreibverbot mit der Faust durchsetzen zu lassen.
In der Zeit von Dezember bis Mai hatte ich die Erwartung, dass der Konflikt versandet. Es ging um Einschüchterung, das hat nicht geklappt. „Stimmenrausch“ konnte nur etwas wiederholen, was nicht hinhaute. Das konnte „Stimmenrausch“ schließlich auch begreifen. Bis dahin verfolgte ich zwei Ziele:
1. Ich wollte auf die Drohungen nicht im Sinne der Drohenden reagieren. Ihnen folglich in keiner Weise entgegenkommen.
2. Ich wollte die Deutungshoheit über mein Leben behalten.
Darüber hinaus wollte ich nicht handeln. Ich wollte weder, dass der Mann fürs Grobe noch Frau X. zur Rechenschaft gezogen werden. Im Mai begriff ich, dass der Konflikt nicht versandet. Ich entschied mich für eine Aufdeckung der Anonymität des „Negerlümmel“-Dichters und eine „erzählte“ Darstellung/Veröffentlichung des Konflikts. Insofern kamen zu den ersten beiden Punkten zwei Punkte hinzu. Seit ich den Konflikt öffentlich mache, werden die Drohungen massiver. Die Schwelle zur Gewalt ist von „Stimmenrausch“ überschritten worden.
Ich frage Sie, warum sollte der Konflikt nicht darstellbar sein und die Anonymität des „Negerlümmeldichters“ nicht aufgehoben werden? Ich finde, der „Negerlümmeldichter“ soll zu seiner Lyrik stehen.
11:49 02.09.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare 1