Schwarz auf Weiß

#AfricanBookFestival „Writing in Migration“ - Gestern begann das erste, von Olumide Popoola kuratierte African Book Festival Berlin.
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Die nigerianische Schriftstellerin Ayọ̀bámi Adébáyọ̀

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Von links: Moderatorin Jana Pareigis und die Festivalleiterinnen Karla Kutzner, Stefanie Hirsbrunner.

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Das erste Festivalgespräch: mit Olumide Popoola, Jude Dibia, Yewande Omotoso, Chika Unigwe

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Eine Heldin in Ayọ̀bámi Adébáyọ̀s Roman „Stay with Me“ trifft Entscheidungen am Limit ihrer Persönlichkeit. Oft nutzt sie Chancen, die in der Schmiede ihrer Phantasie real wurden. Ist das Afrika: das Unmögliche (L)leben? Die nigerianische Schriftstellerin liest in der ersten Stunde des ersten Berliner African Book Festivals - „Writing in Migration“. In einem Veranstaltungsmarathon zwischen dem 26. und 28. April präsentieren sich im Berliner Kino Babylon zweiundzwanzig Schriftsteller*innen, Performer*innen und Aktivist*innen, die, so steht es auf dem Waschzettel, „mit ihrer Kunst u.a. gegen ein antiquiertes Frauenbild anschreiben.“ Die Leitung obliegt den InterKontinental Agentinnen Karla Kutzner und Stefanie Hirsbrunner. Siehe http://www.interkontinental.org/de/home/about-us/

Kuratiert wird das Festival von der deutsch-nigerianischen Autorin Olumide Popoola. Sie „greift Themen der Transnationalität und Transkulturalität auf und widmet sich der Migration im Sinne des „In-Bewegung-Seins“. Thematisiert wird mit Hilfe der Fiktion, Poesie, in Vorträgen und auf Podiumsdiskussionen afrikanische Lebensrealität. Wie lebt und schreibt es sich, nach einem erzwungenen oder freiwilligen Schritt nach Europa/den USA? Wie verarbeiten afrikanische Schriftsteller*innen konstante identitäre und räumliche Bewegung? Gibt es eine Verpflichtung gegenüber der Tradition, einer „afrikanischen Identität“ etwa? Writing in Migration bringt Autor*innen über die Kontinente hinweg nach Berlin, deren Bücher literarische Visionen sind und international Trends setzen.“ Siehe http://orbanism.com/event/writing-in-migration-african-book-festival-berlin/

Im Gespräch mit Stefanie Hirsbrunner fand die Feministin Ayọ̀bámi Adébáyọ̀s nicht aus der Feststellung, dass das größte Prestige einer Frau ihrer Heimat an die Mutterschaft geknüpft ist. Die Klippe wurde nicht umschifft. Die Realität nahm einem utopischen Denken kurz die Luft - und weiter ging es in der großen Eröffnungsrunde mit den Autor*innen Olumide Popoola, Jude Dibia, Yewande Omotoso und Chika Unigwe. Olumide Popoola moderierte. Sie nannte Sprache Heimat.

„In der Sprache können Migranten in ihrer Heimat bleiben.“

Einig war man sich, dass Sprache nie „neutral“ und „unschuldig“ ist. Sie ist ein Zurichtungsinstrument. Sprache macht uns zu etwas auf unheimliche Weise. Die Zwangsmittel der Segregationen stecken in Formulierungen. Die einen sind davon betroffen und die anderen treffen damit. Die auf Barbados geborene, in Nigeria herangewachsene und nun in Südafrika beheimate Yewande Omotoso sagte: „Keine Gesellschaft ist komplett ohne den Fremden.“

Der Fremde spiegelt das ideale Selbst des Autochthonen im Verkehrtherum eines angenommenen Gegenteils.

Im Weiteren ging es darum, dass man sich als in Europa migrantisch sozialisierte Person of color gern falschen Vorstellungen von echten Afrikaner*innen hingibt. Ein in Schweden aufgewachsener Schwarzer kann mit seinen afrikanischen Erwartungen genauso daneben liegen wie ein weißer Schwede. Wir mutieren sozial an weißen Orten und verinnerlichen den Herrschaftstext und die kolonialen Perspektiven. Wir konkurrieren mit anderen Minderheiten auf der Ebene des besseren Sprechens. Das Phänomen des Weißredens beschrieb die nigerianische Autorin Chika Unigwe, die heute in den Vereinigten Staaten lebt, ihre Migrationserfahrungen aber vor allem in Belgien gesammelt hat.

Olumide Popoola fragte Yewande Omotoso, ob sie in Südafrika angekommen sei. Yewande Omotoso erklärte ihre Zugehörigkeit. Vielleicht kommt man schließlich überall an, wenn man die Migration selbst als Kontinent begriffen hat und das Leben ein Transitraum geworden ist.

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Später mehr.

10:59 27.04.2018
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

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