Später Erfolg

Literatur Ein in Jahrzehnten erfolgloser Schriftsteller veröffentlicht mit Mitte Sechzig einen Kracher. Der späte Erfolg verweist wie zum Hohn auf das ...
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In einem Brief aus dem Jahr 1953 verschanzt sich Samuel Beckett hinter seinem schlechten Deutsch. Eine Entschuldigung dient ihm zur Wiederholung drastisch gegen Deutschland gerichteter Ansichten. Auch John Boynes Held Erich Ackermann bringt halb entschuldigend ein ungeliebtes Deutsch in Anschlag. Der gebürtige Berliner verbrachte seine Glanzzeit als Hochschullehrer am King‘s College.

Ein in Jahrzehnten erfolgloser Schriftsteller veröffentlicht an der Schwelle zum Pensionsalter einen Kracher. Der späte Erfolg verweist wie zum Hohn auf das Entgangene, nie Gelebte.

Der Expatriierte schrieb in der Freiheit akademischer Routinen passioniert eine Reihe unbeachteter Romane und setzte dem Schlendrian semi-öffentlichen Privatisierens die Krone einer „unüberlegten Gedichtsammlung“ auf.

Der Ruhm kam wie ein Schlag aus dem Nichts.

Das ist der Romaneinstieg. Wir sehen Ackermann in der Lobby eines Berliner Hotels, dem Literaturhaus in der Fasanenstraße nah.

John Boyne, „Die Geschichte eines Lügners“, auf Deutsch von Maria Hummitzsch und Michael Schickenberg, Piper, 423 Seiten, 24,-

Am Vorabend hatte der Schriftsteller einen Termin an prominenter Stelle. Nun sitzt er beim Qualitätsriesling, der Verlag freut sich, für alle Kosten der Opulenz aufkommen zu dürfen. Für Ackermann ist das eine neue Erfahrung. Er genießt mit Vorsicht, so wie man erst einen Zeh ins kalte Wasser taucht, bevor man einen ganzen Fuß aussetzt.

Gleich mehr.

Aus der Ankündigung
Maurice Swift ist Schriftsteller. Er hat Stil, kann brillant erzählen, doch ihm fehlen die Geschichten. In Westberlin trifft er auf sein Idol, Erich Ackermann, der gerade mit einem großen Literaturpreis ausgezeichnet wurde. Ackermann verfällt dem charmanten jungen Mann, der sich für alles, was er sagt, interessiert. Er nimmt ihn mit auf Lesereise durch Europa und erzählt ihm sein Geheimnis. Es ist diese Geschichte, für die Maurice endlich als Autor gefeiert wird. Und die Ackermanns Karriere beendet. Maurice dagegen ist schon auf der Suche nach dem nächsten Stoff…
Psychologisch raffiniert, hochspannend und mit funkelndem Humor erzählt John Boyne von der verführerischen Macht des Vertrauens und von einem, der für Ruhm alles tut.
Zum Autor
John Boyne, geboren 1971 in Dublin, ist einer der renommiertesten zeitgenössischen Autoren Irlands. Seine Bücher wurden in mehr als vierzig Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Der internationale Durchbruch gelang ihm mit seinem Roman „Der Junge im gestreiften Pyjama“, der in vielen Ländern auf den Bestsellerlisten stand und von der Kritik als „ein kleines Wunder“ (The Guardian) gefeiert wurde.
15:53 07.01.2021
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