Spiderman in Jerusalem

Literatur Michael Roes, „Melancholie des Reisens“ - In Jerusalem will Roes gemeinsam mit Amos Elkana „Nathan der Weise“ als dreisprachige Oper auf Originalschauplätzen verfilmen.
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Sie reagieren artistisch auf eine historisch überwältigende Topografie. Ihre equilibristische Powerperformance schlägt den Machtverhältnissen ein Schnippchen nach dem anderen. Die palästinensischen Kaskadeure turnen über den Köpfen ihres Publikums auf den Zinnen Jerusalems. Ihre scheinbare Überwindung der Schwerkraft sowie der Sicherheitskräfte nennen sie Parkour (von Parcours). „In den Banlieues französischer Großstädte hat die Kunst des Freerunning … ihren Ursprung.“

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Roes kombiniert in seinen Überlegung Lessing mit Freerunning.

„Immer neue Hindernisse spornen (die Geugbog-ja) zu immer gewagteren Sprüngen an.“

Sie überwinden Sperren und gehen über Grenzen. Die Grenzen sind da, wo das Lernen beginnt, sagt Michael Roes. Er interveniert kulturell, dreht einen Hamlet* mit den schönsten jungen Männern, die er kriegen kann im Jemen, scheitert in Kabul wegen der angeblichen Vermittlung „unislamischer“ Stoffe und mutet in Marokko Studierenden nicht ohne Zweifel an der Richtigkeit seines Engagements Frank Wedekinds „Frühlings Erwachen“ zu.

„Ist ein von uns initiiertes Kunstprojekt bereits ein neokolonialistischer Akt.“

*„Das schottische Mittelalter ist jemenitische Gegenwart.“ Zitiert aus der ZEIT vom 1. Januar 2001.

Roes legt dar, dass selbst das Scheitern einer übergreifenden Begegnung größere Chancen birgt als die sterilen Rituale „kalter Kulturen“. Der Autor wendet das Wort gegen seine Regal- und Emanzipationsfunktion. Kalte Kulturen lassen sich vor allem in weitgehend herrschaftsfreien Gesellschaften beobachten, die so weit wie möglich von der industriezivilisatorischen Norm entfernt bestehen. Claude Lévi-Strauss fiel auf, dass stark vereinzelte Ethnien Systeme zur Vermeidung von Veränderungen vital halten. Um degradierende Bezeichnungen aus der Palette der „Primitiven Völker“ außer Kurs zu setzen, wählen Freund*innen einer gerechten Sprache den Begriff kalte Kultur.

Michael Roes, „Melancholie des Reisens“, Schöffling, 531 Seiten, 28,-

In Jerusalem will Roes gemeinsam mit Amos Elkana* „Nathan der Weise“ als dreisprachige Oper auf den Originalschauplätzen verfilmen. Automatisch hat er den Platoon-Realismus rougher Handkameraästhetik.

*„During my time in Berlin I will work on a new opera/movie that is based on the play Nathan der Weise (Nathan the Wise). This project is a collaboration between myself as composer and Dr. Michael Roes as writer and film director. The work’s theme is based on the concept of brotherhood and the conviction that Jews, Christians and Muslims deserve to co-exist without being attacked or denigrated. Nathan proposes that a man should be judged simply as a man and not as a member of a particular group, since the value of the individual as a human being supersedes his creed or religion. The story told in this play is, of course, extremely relevant to our time, which has been marked by distrust and fear based on ethnic and cultural differences. As an Israeli and a Jew, I must deal with my own demons stemming from the Israeli-Arab conflict with its bloody past and present as well as from the terrible past between Jews and Germans. As such, it is always intriguing for me to find bridges between Jewish and German as well as between Israeli and Arab culture. This is one of the main reasons why I am interested in creating works that involve these three cultures by way of language, ideas and meanings. One of my key ideas for the libretto of this opera is to have each character sing in their native language.“

Quelle: https://www.geisteswissenschaften.fu-berlin.de/en/v/interweaving-performance-cultures/fellows/fellows_2013_2014/amos_elkana/index.html

17:19 22.03.2020
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