Starker Standort

K-Pop K-POP World Festival 2019 - Der südkoreanische Botschafter Jong Bum Goo eröffnete gestern die Berliner Audition in der Kulturbrauerei mit der Feststellung: „K-Pop ist ...
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K-POP World Festival 2019 - Der südkoreanische Botschafter Jong Bum Goo eröffnete gestern die Berliner Audition in der Kulturbrauerei mit der Feststellung: „K-Pop ist keine deutsche Randerscheinung mehr.“

Der südkoreanische Botschafter Jong Bum Goo auf der Kesselhausbühne in der Berliner Kulturbrauerei

Eingebetteter Medieninhalt

In fünfundsiebzig Ländern finden Ausscheidungswettbewerbe statt. Allein in Deutschland beteiligen sich zurzeit achtundvierzig Teams an den ersten Qualifikationen zur Teilnahme am K-POP World Festival, das vom Südkoreanischen Außenministerium in der Provinzhauptstadt Changwon ausgerichtet wird. Bereits am ersten Wettbewerb 2011 beteiligten sich Sänger*innen und Tänzer*innen aus sechzehn Ländern. Sieger war eine Formation aus Kasachstan.

In Berlin wird die Vorauswahl vom Koreanischen Kulturzentrum organisiert. Was vor Ort überschaubar wirkt, findet in Korea ein Millionenpublikum an den Bildschirmen. Doch nur die Videomitschnitte der beiden besten deutschen Wettbewerber*innen erreichen die Entscheider*innen für die engste Auswahl vor dem Finale in Changwon.

Artiger Applaus

Der südkoreanische Botschafter Jong Bum Goo eröffnet die Berliner Audition auf der Kesselhausbühne in der Kulturbrauerei. Er stellt fest:

„K-Pop ist keine deutsche Randerscheinung mehr.“

Jong Bum Goo spricht von einer sich weltweit ausbreitenden koreanischen Welle. Die Überwältigungsmetapher findet keinen adäquaten Resonanzraum. Die Vergeblichkeit einer Bemühung offenbart artiger Applaus.

„Sie sind der lebende Beweis für das große Interesse an Korea.“

Der Diplomat verhehlt den halbwüchsigen Zuhörer*innen nicht, dass es der koreanischen Gestaltungselite bei dem K-Pop-Phänomen vor allem um die Stärkung eines ohnehin starken Wirtschaftsstandorts geht. Ungerührt redet er an den Erwartungen der Enthusiast*innen vorbei von Goethe und der Schwerindustrie. Es obliegt der (dem Auditorium deutlich näherstehenden) Moderatorin Jana, die in ihren Sphären wohl weltberühmten Juroren vorzustellen. Dann geht es los.

Hausgemachte Choreografie

Vor einer frenetischen Kulisse erreichen die Durchbruchserwartungen ihre Siedepunkte. Die Imitationen von Stargehabe gelingen im Scheitern weiblicher Grandiosität. Jede hat drei Minuten, ihr Glück zu versuchen. Jede zieht ihre Requisiten der Selbstverausgabung und Schamüberwindung aus Kinderzimmerschubladen. Jede wartet mit einer hausgemachten Choreografie auf.

Das informierte Publikum reagiert unterstützend. Viele Zuschauer*innen können sofort selbst auftreten, so theatralisch und Manga-ikonografisch sind ihre Erscheinungen.

Der Traum vom Popstar erzählt Geschichten des gemeisterten Stresses.

Am besten gefällt mir Ceylan J. Morgan. Sie steigert sich in eine Zurückhaltung hinein, die ihre außerordentliche Stimme vortrefflich zur Geltung bringt.

10:22 01.06.2019
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