Status sticht Geschlecht

John F. Kennedy Bob Mulhouse zählte zu Kennedys neuen Besen. Er begriff den Eintritt in das Atomzeitalter als Amerikas größten Augenblick.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Im Fall eines sowjetischen Atomschlags sollte das Washingtoner Establishment nach einem Evakuierungsplan gerettet werden. Der Plan verriet eine amtliche Einschätzung, die Millionen Amerikaner von vornherein verloren gab. Die Regierung setzte sich von der Bevölkerung ab. Claire Mulhouse, die Frau eines Regierungsbeamten, sprach darüber mit dem literarisch dilettierenden Schreiner Morgan Green, einer Village Bekanntschaft, die sich anschickte, als back door man ihrem Gatten Hörner aufzusetzen.

Eingebetteter Medieninhalt

Ron Sharp war vor John F. Kennedys Hochzeit ein publizistischer Schatten des Aufstrebenden. Später verdiente er mit Präsidentenverklärung Millionen. Schließlich schrieb er dessen Andenken um und leitete die kritische Rezeption von links ein. 1974 erinnert Sharp im Gespräch mit der ANT-Korrespondentin Angel Burroughs an Claire Mulhouse, die mit einem jener Technokraten der Regierungsexekutive verheiratet war, die als junge Pioniere im beschworenen Geist westwärts strebender Kolonisten (Frontiers/Pioniere) der amerikanischen Gründerzeit unter JFK Geschichte schrieben.

„Bob zählte zu Kennedys neuen Besen. Er war ein glänzender Langweiler mit besten Zeugnissen, der den Eintritt in das Atomzeitalter als Amerikas größten Augenblick begriff.“

Seine Frau frequentierte nicht nur Bobby Bakers Partymeile, (siehe https://www.freitag.de/autoren/jamal-tuschick/clusterfuck-ddr) sondern verkehrte auch in der topical song scene um den Protestsänger Phil Ochs … während Bob und die anderen jungen US-Pioniere kein geringeres Ziel verfolgten, als die Monopolisierung der Atommacht. Nur der Ritter auf dem weißen Pferd Amerika sollte das Nuklearschwert führen dürfen. Deshalb wurde die Konkurrenz schlecht geredet.

Das war ein unglaublicher Job. Wir dachten doch alle, dass nur Amerika genug moralisches Rückgrat besäße, um Atomwaffen haben zu dürfen. Die Einschätzung rührte von einer Indoktrination, die so weit griff, dass sie aus einem schwankenden Präsidenten den Helden der freien Welt machte. Alle setzten Hoffnungen in einen Mann, den politische Motive zu seiner Ehe bewogen hatten. An seinem Hof gedieh eine besondere Form der Bigotterie auf der Exklusivfolie des Evakuierungsplans.

Die Angreifbarkeit Amerikas war in Kennedys Washington eine fixe Idee. Man rechnete mit einem sowjetischen Atomschlag. Das Zauberwort hieß Vorwarnzeit. Die Bedeutung einer Person mit Regierungsfunktion gab sich im Evakuierungsstatus zu erkennen. Wer wann wie wohin gebracht würde, beschrieb seinen Rang. Die Familien der Regierungsmannschaft und ihrer Zuarbeiter*innen wurden instruiert und mussten ihr Dasein in einem Erreichbarkeitsgetto fristen.

Im Fall eines sowjetischen Atomschlags sollte das Washingtoner Establishment nach einem Evakuierungsplan gerettet werden.

Der Plan verriet eine amtliche Einschätzung, die Millionen Amerikaner von vornherein verloren gab. Die Regierung setzte sich von der Bevölkerung ab. Claire sprach darüber mit dem literarisch dilettierenden Schreiner Morgan Green, einer Village Bekanntschaft, die sich anschickte, als back door man ihrem Mann Hörner aufzusetzen. Claire versprach Mo, seine Rettung zu ihrer persönlichsten Angelegenheit zu machen.

Status sticht Geschlecht. Eine hochstehende Frau steht hoch über einem rangniedrigen Mann. Es gibt eine Tendenz, diesen sozialen Swing zu ignorieren. Mo fühlte sich zwar unterlegen, aber Claire erlebte ihre Überlegenheit kaum. Sie bemühte sich um einen Deal mit Bobby Baker. Sie glaubte allen Ernstes, einen weiteren Platz auf der Evakuierungsliste erflirten zu können. Bobby versprach Claire das Blaue vom Himmel.

Morgen mehr.

08:31 08.04.2018
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare