Steppennachterlebnisse

#Leben Dann gab es da noch diesen Sack voller Skalps und Schicksalswürfelknochen.
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Aignéis passt gut zu John Updikes „Hexen von Eastwick“, die so magisch wie irdisch sind – verrückt – kreativ – bezaubernd.

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In den 1970er Jahren wurde Ethnologie zur Modewissenschaft und Schamanismus zu einem beliebten Forschungsgegenstand. In der Luft lag die Erwartung, dass sich Vorreiter:innen einer sakralen Praxis, die ihren Platz in der Gesellschaft verloren hatten, im trivialen Wahnsinn ankündigen könnten. Die Anti-Psychiatriebewegung koinzidierte. Bahnen kreuzten sich.

Ein Narrativ der Ethnologie war die verkehrtherum auf einem Pferd reitende Prärieamerikanerin, der niemand ein Strick aus ihrer Sonderrolle drehte. Vielmehr glaubte man, so ging die akademische Legende, dass die Verkehrte in Wahrheit richtiger saß als Leute, die über die Ohren ihres Pferdes hinauspeilten. Aignéis spielte mit dem Genre auf der Grundlage eines einzigen Buches* und diverser Steppennachterlebnisse. Dann gab es da noch diesen Sack voller Skalps und Schicksalswürfelknochen aus dem großväterlichen Erbe. Ich kannte den alten Dòmhnall Camshròin und seinen irrsinnigen Stolz gut.

Aignéis riecht gut nach gestärktem Leinen und Eukalyptus. Sie taucht nachts im Brack des Lake Darbonne, entdeckt Schlösser in Sümpfen, lässt Katzenfische auf Autorückbänken zappeln und verfolgt Leute ohne Grund. Siekokettiert mit einem Hexenrepertoire. an. Aignéis passt gut zu John Updikes „Hexen von Eastwick“, die so magisch wie irdisch sind – verrückt – kreativ – bezaubernd.

*Beaverman Blues, „Swamp Fever Illumination. Das magische Louisiana“ - Ich nehme an, Sie kennen den Titel. Er ist, glaube ich, 1834 zum ersten Mal erschienen. Der Verlag hieß Force Production Press und war eine Gründung des Waldläufers Hammerfist Morrison aus Baton Rouge. Das Werk würdigt u.a. den Sumpfritus von Rufus McCoy, dem III. Grandmaster der Versprengten in der Lafayette Parish.

Gleich mehr.

08:28 27.02.2021
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