Kraulkarate

Jane Jakarta Da war dieses Lied, da war noch mal ein neuer Beat im Jahr 1990 – „Suicide blonde“
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Da war dieses Lied, da war noch mal ein neuer Beat im Jahr 1990. Suicide blonde. INXS hieß die Band, ihr Sänger Michael Hutchence. Der Australier starb seltsam stranguliert. Vielleicht war es ein Tod aus Versehen. „Stripped to the beat but her clothes stay on - Suicide blonde“. Hörte ich INXS, trat die Australierin Kylie Minogue auf den Laufsteg meiner Imagination. Sie hatte mit Hutchence eine Zeit. Die Sängerin war das Signal für einen australischen Augenblick auf MTV mit dem Chic und Look der Siebziger wie sie nie waren. Jahre später befreiten Robbie Williams und Kylie Minogue in „Kids“ eine klassische Zeile von ihrer Bedeutung: Pete Townshends „The Kids Are Alright“ – „Cause the kids are alright“. Nun sieht Jane Jakarta gemeinsam mit Lin Beaverbullit und Valkovuokko Riisipuuro Kylie Minogue in einer Night on earth-Szene an der Seite von Nick Cave. Lin und Valkovuokko halten unsere jüngste Alphaworldagentin lediglich für die neuste und niceste Gymnastiklehrerin im Bruce Lee Reloaded an der Kennedy Allee. Lin stammt aus einem anatolischen Allgäu, in dem ein animistischer Islam wie hinter Schneewittchens sieben Bergen kräuterkundig in den Strom der Generationen fließt.

Valkovuokkos Biografie berührt den Sonderfall jüdischer Sektenbildung. Valkovuokko ist ein Kinder der Dönme; gegründet von Schabbtai Zvi (1626–1676) als Gemeinschaft jüdischer Konvertiten, die unter osmanischem Druck förmlich zum Islam übertraten. Tatsächlich bewahrte sich in diesem Kreis die Idee, in Schabbtai Zvi sei der Messias auf die Welt zurückgekehrt. Ihre Hochburg war Thessaloniki. Als die Stadt griechisch wurde, gerieten die meisten Dönme – wahrgenommen als Muslime – in die Wanderungsbewegungen eines Bevölkerungsaustauschs. Doch gelang es einzelnen Familien, sich unsichtbar zu machen und vor Ort zu bleiben. Sie waren dann während des Zweiten Weltkriegs den Verfolgungen der Nazis ausgesetzt, nachdem ein Gutachten geklärt hatte, dass Dönme unter dem Schleier des Islam eine hedonistische Auslegung des Judentums kultivierten.

Wie ein Stamm treiben die Dönme Clan-Äste aus, die sich weltweit verästeln. Ihre Domäne war lange der Tabakhandel. Die fanatische Nichtraucherin Valkovuokko gehört zu einer Tabakdynastie.

Valkovuokko und Lin erlebten sich zum erste Mal auf einem Flow-Festival in Florida. Seither verfolgen sie sich in Liebe und Überbietungseifer. Gerade kommen sie in London mit einem Schwimmen-und-Kampfkunst-Hybriden* groß raus. In ihrem Kraulkaratekurs werden Lin und Valkovuokko als schamanische Bademeisterinnen verehrt.

*Hier noch einmal das Lernziel von Sonntag. Es ging/geht, kurz gesagt, um die Synchronisation weit auseinanderliegender Hirnareale:

Hedonistischer Tonus

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Nach Matthieu Ricard ist „der Buddhismus eine Wissenschaft des Geistes, die davon ausgeht, dass es im Gehirn eine Plattform der reinen Bewußtheit“ gibt. Brain (nicht Brian) Thundergod* führt verstärkend an, dass Temporallappenepilepsie - im Hinblick auf den hedonistischen Tonus - ähnliche Zustände hervorrufen kann wie Satori-Erlebnisse. Unsere beste Agentin setzt sich nicht grundsätzlich von Ricard ab. Ein Dreiklang von europäischer Philosophie, östlichem Denken und neurophysiologischen Einsichten ruft Nietzsche auf den Plan:

„Aus Mangel an Ruhe läuft unsere Zivilisation in eine neue Barbarei aus.“

Dr. Brain, wie wir vom Alphaworldteam Brain Thundergod* nennen, hat sich eben einmal noch Herrigels „Zen in der Kunst des Bogenschießens“ vorgenommen, um dann dessen Quintessenz (nicht ich schieße, vielmehr schießt es) als prozessuale Gedächtnisleistung mit lebenspraktischem Effekt zu deklarieren. Die westliche Hinwendung an die Erforschung der Außenwelt fördert eine Tendenz linearer Deutungen und unterminiert die kontemplativ angestrebte Synchronisation weit auseinanderliegender Hirnareale.

Wir sind alle im Groove, das ganze Team. Auch unsere Freund:innen vom Texaschampionchapter synchronisieren easy weit auseinanderliegende Hirnareale. Das ist für uns kleines Tennis.

Brain referiert eine buddhistische Formel, nach der das Selbst zum Leid führt. Sie weist darauf hin, dass sich in dieser und jener asiatischen Sprache einIchnoch nicht mal grammatisch konstituieren lässt. Die Rede im westlichen Raum geht aus vomselbstbezogenen Ich. Ihm droht eine „affektive Verschattung“ (Wolf Singer) der Sicht auf die Dinge. Nach Ricard stellt sich dem selbstbezogenen Ich die Welt objektiv falsch dar.

Die spektakulärsten Erkenntnisse der Hirnforschung sollen von Philosophen und Dichtern vorweggenommen worden sein. Goethe sagt:

„Der Gedanke der Willensfreiheit ist zu schön, als dass wir ganz darauf verzichten sollten.“

Leib-Seele-Experimente vergangener Zeiten wollten das Gewicht der Seele effektiv wiegen. Brain rät uns, die Willensfreiheit der sozialen Realität als Konstrukt zuzuordnen. Das Konstrukt brauchen wir fürs Strafrecht. Brain zitiert Singer:

„Urheber bleibt nach wie vor das handelnde Subjekt.“

Gleichwohl gilt: Jede Absicht legt im Vorbewussten schon eine Strecke zurück, bevor sie im frontalen Verteilerkasten ihre Egobetriebsnummer erhält.

Brains Fazit

Sollen die Neuronen feuern, was das Zeug hält, und warum soll ein Mensch gegebenenfalls nicht auch einmal anfallartig illuminiert werden.

Gleich mehr.

05:35 21.06.2021
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