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#CIA Um nicht trivial rüberzukommen, haben schon viele öffentlich memorierende Geheimdienstler*innen ihre Erlebnisse hochgejazzt.
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Als Fieldagentin geht man heute wieder zum Toten Briefkasten (dem klassischen Astloch). Ferner greift man auf den Pony Express zurück. Sie sehen hier ein als tröge Mähre getarntes CIA-Pony.

Eingebetteter Medieninhalt

Ich beginne jetzt (exakt um 0700 Uhr) die Auseinandersetzung mit den Aufzeichnungen der CIA-Fieldagentin Alei‘aa Hunter. Um nicht trivial rüberzukommen, haben schon viele öffentlich memorierende Geheimdienstler*innen ihre Erlebnisse hochgejazzt. Jede einschlägige Publikation durchläuft ein langwieriges Clearing (Terminus technicus), um Agent*innen im Einsatz nicht zu gefährden. Doch hat die CIA absolut nichts gegen ausgeschmückte Operationsberichte, sofern sie nur von Ehemaligen geschrieben werden.

Alei‘aa Hunter ging den entgegengesetzten Weg und ließ die Karl-May-Pistolen im Holster. Das macht sie so sympathisch.

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Nach den Devisen des organisierten Verbrechens eingeschleuste und im Straßendschungel von Kabukichō ihre Reize verhökernde Chinesinnen illuminieren einen japanischen Höllenkreiseinstieg. Wer dahinter- und hinabsteigen will, trifft seinen Tod nicht unbedingt als ärgsten Feind. Das weiß Alei‘aa Hunter. Sie ist eine Hunter S. Thompson unserer Tage. Ihre Bereitschaft, dahin zu gehen, wo es wehtut, erscheint ihr selbst belanglos. So what, Baby.

Mut ohne Begabung ist trostlos.

Kabukichō ist der Rotlichtdistrikt in Tokio. Die Dienste der Sexarbeiter*innen werden auf Flugblättern illustrativ annonciert. Yakuza verkörpern eine unübersehbar schillernde Ordnungsmacht. Sechzig Prozent ihrer „Söhne“ rekrutieren sich aus dem Elend der Burakumin – Unberührbaren/Wertlosen/Nicht-Menschen.

Ihr Straßenkarate geht auf Ōyama Masutatsu (1923 - 1994) zurück. Ōyama Masutatsu gehörte der koreanischen Minderheit an und hatte gewaltige Akzeptanzprobleme in einer offensiv rassistischen Gesellschaft. Die Köpfe außenseiterischer Traditionsringvereine verlassen sich auf bewährte Strukturen. Zumal die Akteure chinesischer Schlepperformation erfüllen ihre Aufgaben hinreißend unauffällig. Sie geben keine Interviews, anders als manche amerikanischen Mafiosi, die sich in Hollywood-Spiegelungen selbst übertreffen.

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Um nicht trivial rüberzukommen, haben schon viele öffentlich memorierende Geheimdienstler*innen ihre Erlebnisse hochgejazzt. Jede einschlägige Publikation durchläuft ein langwieriges Clearing (Terminus technicus), um Agent*innen im Einsatz nicht zu gefährden. Doch hat die CIA absolut nichts gegen ausgeschmückte Operationsberichte, sofern sie nur von Ehemaligen geschrieben werden.

Alei‘aa Hunter ging den entgegengesetzten Weg und ließ die Karl-May-Pistolen im Holster. Das macht sie so sympathisch. Der Kuli (auch als Messerersatz im Close Range Combat) und das Notizbuch seien, so Alei‘aa Hunter in einem Exklusivinterview, in der Praxis so viel effektiver als die Glock (trigger the cock around the clock, Geheimdienstsprech) und die Internetexpertise. Von Waterboarding hält die Spezialistin überhaupt nichts. Man müsse sich ins Vertrauen des Delinquenten schleichen, ihn mit Zuspruch erobern und ihn langsam weichkochen. Einer hochgenommenen Killerin aus dem Mittleren Osten offerierte Alei‘aa Hunter ihre Korankenntnisse. Die Killerin quittierte die Würdigung ihrer Kultur mit Zitaten von Malcolm X und F. Kafka.

Alei‘aa Hunter tastete sich vor, griff der Frau unter die Haut und bekam so spitz, wo der Sprengstoff gebunkert war. Die Agentin vereitelte ein Attentat mit Psychologie.

Am liebsten drehte sie Schieber*innen um. Alei‘aa Hunter kam als Kaufinteressentin an und arbeitete sich vor, bis sie als Führungsoffizierin die Zielperson gekapert hatte. Das lief regelmäßig so ab, wie man es aus dem Kino kennt. Man verabredet sich in einer Bar, die Observation der Zielperson läuft lange vor dem Termin an. Zufällig trifft die Agentin ihre Schieberin auf dem Weg zum Treffpunkt. Die Gute lenkt die Böse von deren Route ab. Die eine stößt die andere an wie eine Billardkugel; die Bearbeitung beginnt sofort. Die Person wird übernommen und merkt es nicht.

Leichtbauweise der Konspiration

Im Gespräch erinnert Alei‘aa Hunter eine Debütantinnenverwunderung darüber, wie unterkomplex abgedecktes Verhalten ist und wie leicht die toten Briefkästen der Netz-Zeit gebaut sind.

Das ist so easy, dass man es als Laie nicht glauben mag.

Man arbeitet jetzt wieder viel mit Zetteln. Eine Fieldagentin erkennt man auch daran, dass sie stets ein Feuerzeug zur Hand hat, obwohl sie gar nicht raucht.

Alei‘aa Hunter erzählt in ihrem Buch von menschlichen Tigerinnen, die sich an die Fersen einer jungen Frau hefteten und sich im femininen Vorteil wähnten, obwohl sie von Anfang an in der Falle eines Nachteils saßen. Sie waren schon Abgehörte, bevor sie zum ersten Mal von Alei‘aa Hunter von Angesicht zu Angesicht angehört wurden.

Zwei Schocks bestimmten Alei‘aa Hunters Leben: Lockerbie & Nine-Eleven. Die New York Times war (auf Empfehlung der Mutter, einer Pädagogik-Professorin) ihre erste Lehrerin in Sachen Terrorismus.

Die Times als Schlüssellektüre - „Du wirst Zusammenhänge begreifen“, orakelte die Mutter.

Immer gings ums Begreifen.

Im klandestinen Korridor der Welt

Monster wirken nicht mehr so einschüchternd, wenn man weiß, was ihre Handlungen motiviert. Alei‘aa Hunter fragt nach den Treiber*innen der Monstrosität. Sie sucht die Person hinter dem Schild.

Sie wäre lieber gleich Journalistin geworden und spricht mir offen ihre Bewunderung aus.

Ihre CIA-Chefausbilderin war Combatologie-Professorin in Harvard. Sie lockte Alei‘aa Hunter mit einer Aussicht auf geheimes Wissen. Die Agentin würde als Agentin Zugang zu mehr Informationen erhalten als die besten NYT-Spürnasen.

Notes are important - Stifte sind die wichtigsten Tools einer Agentin

Die Arbeit in klandestinen Korridoren befriedigte vor allem die Neugier der Studierenden.

Wieder und wieder kehrt Alei‘aa Hunter zu ihrem Punkt zurück:

„Man muss den Feind verstehen.“

Gleich mehr.

07:27 13.02.2021
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

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