Tägliche Götterdämmerung

Literatur Mehr zu J.R. Bechtles Roman „Der Schatten von Tulum“
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„Statt den spirituellen Auszug aus der entzauberten Welt anzutreten, verharrt man in metaphysischer Obdachlosigkeit.“ Christian Marty in der NZZ

Wall Street Fighter

Seinen Reichtum erlebt Jake Friedman als „hart verdienten Lohn für die brutalen und nie endenden Grabenkämpfe in diesem Geschäft.“

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Zu Recht zählt sich Friedman zu den Stehern und Bringern seiner Branche. Der Investmentbanker überragt die Konkurrenz auf dem Sockel einer Schlüsselposition. Noch behauptet er seinen Platz. Jüngere Rivalen sitzen ihm im Genick. Sie wollen dem Veteran den Rang ablaufen.

In Erwartung des Anrufs eines Finanzministers zögert Friedman seinen Feierabend hinaus. Er sieht einem nobilitierten Ereignis in der Carnegie Hall entgegen; an einem 25. Februar. Das Datum markiert eine Zäsur im Leben des Helden. Der Romantitel spielt darauf an: Tulum. Die Maya-Hochburg an der mexikanischen Karibikküste konfiguriert eine biografische Marke. Im weiteren Verlauf der Romankeimzeit findet Friedman eine Plakette. „Beim Entziffern des (eingeprägten) Namens stockt ihm der Atem: Zamas Hotel, Tulum, Mexico. Genau dreißig Jahren (zuvor) ...“

J.R. Bechtle, „Der Schatten von Tulum“, Roman, Frankfurter Verlagsanstalt, 24,-

Offenbar erlebte der auf lateinamerikanische Märkte spezialisierte Wall Street Fighter in Tulum eine Initiation. Steinalte Aufwallungen streifen ihn auf dem Weg „von der Carnegie Hall zum Waldorf Astoria an der Park Avenue“. Friedman und seine Frau Sharon treten als respektables Paar im Revier der Spitzenprädator:innen auf. Sie gehören dazu; wenn auch nicht mehr so unangefochten wie die längste Zeit. Friedman versucht das Momentum der Abstiegsangst zu bestimmen. Gleichzeitig findet er lauter fadenscheinige Gründe zu seiner Beruhigung.

Friedman bewundert die Noblesse seiner Frau. Unter den Reichen und Schönen von NY bewegt sie sich völlig ungezwungen. Sharon braucht das Prestige ihres Mannes nicht, um zu glänzen.

Der Gatte profitiert von Sharons Herkunft, die aus einer „alteingesessenen New Yorker Familie“ stammt. Gemeinsam sind die Erprobten „durch die Zeit geschwommen“. Ihre Kinder sind aus dem Gröbsten. Die Fassade steht blickdicht zwischen der Familie und den Feind:innen.

Aus der Ankündigung

Jake Friedman hat Karriere gemacht. Mit Mitte fünfzig gehört er zu den Senior Partnern einer großen Investmentbank an der Wall Street. Ein Deutscher, der es als Spezialist für Finanzgeschäfte mit Mexiko bis in die höchsten Bankenkreise der USA geschafft hat. Als Friedman zu einem wichtigen Termin nach Mexiko City gerufen wird, bei dem es um ein Milliardenprojekt geht, stößt er auf einen brisanten Korruptionsfall. Nur kurz nach dem Termin wird er überwältigt und entführt. Während zunächst alles darauf hindeutet, dass die Tat mit seinem aktuellen Projekt zu tun hat, das er verhindern wollte und das nun ohne seinen Widerstand abgewickelt wird, kommt es zu einer Reihe von rätselhaften Ereignissen. Nach und nach verdichten sich die Hinweise, dass die Gründe für seine Entführung in seiner Vergangenheit liegen könnten. Die Spuren führen zu seinem ersten Aufenthalt in Mexiko vor dreißig Jahren, als er als Student quer durchs Land bis nach Tulum trampte, in das damalige Hippieparadies an der Karibikküste, wo es zu einer folgenschweren Begegnung kam.

Zum Autor

J. R. Bechtle, 1943 in Belgien geboren und im Rheinland aufgewachsen, hat mit Die Schatten von Tulum einen packenden Finanzthriller und Abenteuerroman geschrieben. In der Frankfurter Verlagsanstalt erschienen seine Romane Hotel van Gogh und 1965 – Rue de Grenelle, zuletzt sein Roman Burgkinder (FVA 2018). Er lebt in San Francisco.

10:14 13.08.2021
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